Ein Teil des Renommees von Rupprecht Geiger strahlt auf Düsseldorf zurück. Geiger, der 1908 in München geboren wurde, dort Architektur studiert und als Künstler gearbeitet hat und 2009 gestorben ist, war von 1965 bis zu seiner Emeritierung 1976 Professor für Malerei an der Kunstakademie am Eiskellerberg. Erika Kiffl hat eine eindrucksvolle Serie an Schwarz-Weiß-Fotografien von ihm hier im Atelier aufgenommen. Leider fand im Rheinland schon lange keine große Ausstellung mehr mit Geiger statt. Dafür zeigt jetzt das Emil Schumacher Museum in Hagen einen punktgenauen Überblick. Hinzu kommt, dass im Stockwerk darunter Werke von Emil Schumacher gezeigt werden, einem weiteren bedeutenden Maler, der in den Nachkriegsjahrzehnten ebenfalls die Gegenständlichkeit hinter sich ließ. Aber während Geiger sich ganz auf das Phänomen der Farbe – von Licht, Energie, tiefenräumlichem Empfinden und kontemplativem Erleben – konzentrierte und sie ins Unbegreifliche sublimierte, stürzte sich Schumacher konträr in die Farbe als schründiger Materie und abstrakt expressives, Spuren hinterlassendes Ereignis: Die Zeitgenossen Geiger und Schumacher, die sich kannten und zusammen ausstellten, werden in der quasi-Gegenüberstellung in ihrer Leistung und dem Eigenen weiter profiliert.
Und dann sieht man in Hagen, wie schnell Geiger, angeregt von der Landschaftsbeobachtung, alles Gegenständliche hinter sich ließ und dass er schon ab 1948 vom Leinwand-Geviert in die Shaped Canvas, hin zu kantig primären oder weichen Außenformen wechselte und damit das Bild als sich öffnendes, verströmendes Feld definierte. Konsequenterweise gehörte Geiger in diesen frühen Jahren zu den Mitbegründern der Gruppe ZEN 49, deren Mitglieder die spirituellen Befähigungen von Farbe und von Formen proklamierten. Rupprecht Geiger wurde der monochromen Malerei, dem Hard Edge, vielleicht sogar – als Elementarzeichen – der Op Art zugerechnet. Er hat als monochrome oder ineinander übergehende, zueinander gesetzte und unterschiedlich modulierte Flächen verschiedene Farben, ihre Präsenz und Lichthaltigkeit erkundet und wurde dann vor allem mit seinen Rottönen zwischen Orange und Rosa bekannt. In seinen besten Bildern steht man gleichsam mitten in der Farbe, die zu schweben scheint und einen umgibt. Die Kunst von Rupprecht Geiger fordert Konzentration ein. Sie lehrt Sehen, vermittelt die eigene Stabilität als Gegenüber, hebt andererseits die Schwerkraft auf und verdeutlicht umso mehr deren Gesetzmäßigkeit: Man kann sich hier seiner Kleinheit bewusstwerden. Man kann diese Malereien aber auch einfach nur als Ereignis der Farbe, die in jedem Bild anders ausfällt, anschauen – und kommt auch da, in der sinnlichen Erfahrung, nie an ein Ende.
Rupprecht Geiger: Farbe – Licht – Energie, bis 7. Juni im Emil Schumacher Museum, Museumsquartier Hagen, www.esmh.de
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