Die Kunstsammlung NRW – K20 am Grabbeplatz, K21 im Ständehaus – ist in ihrer Programmatik an den gesellschaftlichen Vorgaben orientiert. Sie ist auf hohe Besuchszahlen angewiesen und hat als Landeseinrichtung einen Bildungs- und Informationsauftrag. Mag sein, dass sie etwas pedantisch dem Strom der Trends folgt und dabei vergisst, die ästhetische Qualität ihrer Ausstellungen hervorzuheben. Denn die ist überragend.
Die aktuelle Ausstellung „Grund und Boden“ in K21 impliziert eine gutgemeinte Aufklärung. Das Thema – die Verwaltung von Ressourcen in verschiedenen Kulturen der Gegenwart und der sinnvolle Umgang mit ihnen – ist dringlich und folgt der Frage, wie wir uns mit unserer Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft eingerichtet haben, wie wir mit Hab und Gut umgehen, es teilen und was wem gehört, welche Rolle die Historie und die Ökologie und die Menschenrechte dabei spielen. Die Ausstellung versucht dabei die ganze Welt zu umarmen. Lokale Initiativen und globale Ansprüche, friedliche und gewaltsame Aneignung, eigener und fremder Besitz, Wertschätzung der Natur und Gleichberechtigung der Tiere: Jedes der Werke, die von 34 Künstler*innen stammen, liefert einen eigenen, neuen Ansatz. Das ist komplex und franst manchmal thematisch aus, vor allem bei den Werken, die aus der eigenen Sammlung hinzugefügt sind.
Aber in der großzügigen Präsentation, auf mehreren Ebenen im Ständehaus und im Park davor, ist diese Ausstellung ein Erlebnis und eine Bereicherung. Sie lohnt sich schon für einzelne Beiträge, etwa für die technisch hochkomplexe Filminstallation von Christopher Kulendran Thomas zum Wald als Eigentum der Tamil*innen auf Sri Lanka oder für die Kakaofiguren des CATPC aus dem Kongo, das mit dem Verkaufserlös seine Bevölkerung unterstützt und mittels einer Blockchain eine Holzfigur zur kolonialen Geschichte seines Landes restituiert hat, oder für die Räume von Grace Ndiritu in der Bel Etage, die vor einem schamanistisch-spirituellen Hintergrund u.a. mit sozialen Gruppen Masken und Kostüme nach Pflanzen gefertigt hat. Eindrucksvoll und berührend sind die Figuren der „Sieben Schläfer von Ephesus“ von Lin May Saeed, die sich für die Rechte von Tieren engagiert hat. Havîn Al-Sîndy hat im Park vor dem Ständehaus das Eingangstor und ein Zimmer des Hauses ihrer Familie nachgebildet, in dem sie in der Autonomen Region Kurdistan aufgewachsen ist. Und während andere Beiträge – von Liu Chuang und Simon Denny – Mechanismen der digitalen Wertschöpfung untersuchen, arbeitet Havîn Al-Sîndy mit Lehm, mit den Händen, und nach der Erinnerung: Wie vielschichtig und verschieden doch die Welt zur gleichen Zeit ist!
Grund und Boden. Wie wir miteinander leben, bis 19. April,
K21 Kunstsammlung NRW, Ständehausstraße 1 in Düsseldorf,
Di-So 11-18 Uhr, erster Mittwoch im Monat 11-22 Uhr
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