Die Kunstakademie am Eiskellerberg nimmt eine spezielle Stellung im öffentlichen Leben der Stadt ein. Sie besitzt einen sagenhaften Ruf, der auf ihrer langen Tradition mit der Berühmtheit von Professoren und Studenten beruht. Einerseits sind da die Rundgänge der Ausbildungsanstalt, die als Volksfeste ablaufen, und die Präsenz der jungen Künstler*innen etwa auf der Großen Kunstausstellung NRW und im KIT und dann in einzelnen Off-Räumen und Galerien der Stadt. Andererseits bleibt die Produktion der Werke selbst den Blicken entzogen. Um wieviel mehr gilt das für die Lehre durch die Professoren. Bei diesen handelt es sich um etablierte Künstler:innen aus dem In- und Ausland, die mithin unsichtbar bleiben. Umso willkommener ist es, dass einige von ihnen nun in der Akademie-Galerie vorgestellt werden. Die Ausstellung ist zusammengestellt aus Schenkungen in die Sammlung der Kunstakademie, sozusagen als Ausdruck der Verbundenheit der Lehrenden. Teils sind die Professor:innen inzwischen im Ruhestand, teils sind sie unlängst berufen worden. Die meisten waren über die Jahre mit monographischen Schauen international und in der Region vertreten. In der Ausstellung nun fügt sich alles wunderbar zusammen; die Werke unterstützen und vertiefen sich gegenseitig.
Jetzt ist auch – für die Videoarbeit von Ed Atkins – der Studienraum einbezogen. Der Flur ist durch die Transportkisten der zuvor gezeigten Kolleg:innen besetzt, was als abwesend-anwesende Kunst produktiv Bedeutung trägt. Daraus ergibt sich, dass man die Ausstellung wieder zurücklaufen muss und die Dramaturgie der Präsentation neu reflektiert. Mit Blick auf den Videofilm von Marcel Odenbach erhält die Fotoarbeit von Danica Dakic tiefere Bedeutung. Ed Atkins wiederum lenkt den Blick auf die Künstlichkeit und die Menschlichkeit des Menschen und das Theater des Lebens. Plötzlich wird Eberhard Havekost mit seinen wie abwesenden Malereien zu einem Kollaborateur. Und Kati Hecks Bild „Jungs VI“ (2023) gewinnt an eigenartiger Gegenwärtigkeit. Und immer ist da das Motiv der Brüchigkeit und Fragilität von Gesellschaft, von Géricaults treibendem Floss bei Odenbach bis zur verletzten architektonischen Konstruktion von Gereon Krebber, die in ihrem Raster noch die geometrische Abstraktion aufgreift, der Tomma Abts mit einem berührenden Aquarell plastisch geschichtete Tiefe verleiht. In Korrespondenz mit Peter Pillers zeichnerischen Wegerfassungen als Phänomen sensibler Erdung wird das Fließband mit den Steinen von Nina Canell vielschichtig, bedrohlich. Georg Herolds Skulptur „Mountains of Cocaine V“ reflektiert hier erst recht Warenketten, Austausch, Schmuggel und Konflikt – und wie sehr die Welt im Argen liegt.
BILDSPEICHER IV – Neue Werke in der Sammlung, bis 13. Juli
in der Akademie-Galerie am Burgplatz 1, Freitag bis Sonntag 12-18 Uhr
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