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Ilona Weber, Porträtfoto: Johannes Weber, Düsseldorf

Ilona Weber

Farbe aus Licht

Ein leuchtendes, signalhaftes, wärmendes, lockendes und warnendes Rot. Leit­moti­visch verbindet das Rot viele der aktuellen Objekte und Fotografien von Ilona Weber mit den frühen Arbeiten, die sie gemeinsam mit Wolfgang Weber angefertigt hat. Heute wie damals handelt es sich um – teils üppige, teils minimalistische – Zusam­menstellungen aus dem Be­­reich des Künstlichen mit dem Charme des Sinnlichen. Nippesfiguren aus Kunststoff – Supermänner und röhrende Hirsch – sind von Neonlicht beleuchtet, mitunter begleitet von Sound, angeordnet auf einer Sockel­fläche oder hinter Glas, also als Diorama, teils mit der Anmutung eines Hausaltars. Ilona und Wolfgang Weber entwickelten auch pure Medita­tionsstellen mit wenigen Utensilien, etwa einem Buddha im Zentrum gleicher Dinge. Und es entstanden Biotope mit Gewächsen. All das nahm konkret Bezug auf die 1960er- bis 1980er-Jahre, formuliert als direkter und subtiler, partiell humorvoller Protest, der sich gegen die massenhaft anwesende, auf Kommerz und Propaganda gebürstete Alltagswelt richtete, gesellschaftliche und politische Systeme thematisierte und ökologische Aspekte ansprach. Wo endet der Dschungel und wo beginnt das Urlaubsparadies?

Das alles betraf erst recht die raumgreifenden Ensembles mit ihrem psychedelischem Touch. „Farbiges künstliches Licht, Kunststoffe, sterile Hintergründe in Form weißer und silberner Folie, Einbezug von Hörfunk und Fernsehen als beiläufiger Informationskulisse oder als Aktionszentrum sind wesentliche Elemente solcher Installationen“, hat Günter Aust im Katalog der Einzelausstellung im Von der Heydt-Museum Wuppertal 1979 geschrieben. Die mittige Doppelseite dieses Kataloges zeigt drei in rotes Licht getauchte Figurinen, die mit ihren Kabeln, durchsichtigen Röhren und filigranen Gittern ebenso an Marionetten wie an Skelette erinnern. Auf der Stirn der linken Figur steht in Versalien „Macht“ und auf der rechten steht „Geld“. Neben die visuelle Aussagekraft tritt die Bedeutung der Worte. „Geschult“ haben Ilona und Wolfgang Weber den kritischen Umgang mit Sprache an ihren Collagen, bei denen sie Schlagworte aus der Boulevardpresse ausgeschnitten und unter einer Folie auf einem glitzernden oder matten Farbgrund zusammengestellt hatten. Da ist die Rede von: „wertvoller!“ „Maximierung“ „cool“ „Mehr Luxus“ oder: „Weltneuheit spitze“. Es geht um die Versprechen der Werbung und die Entleerung und Hohlheit der Begriffe, die hier buchstäblich als Oberflächen präsentiert sind.

Ilona, die als Fotografin ausgebildet war, und Wolfgang, der an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Norbert Kricke und Rupprecht Geiger studiert hatte, datieren den Beginn ihrer künstlerischen Zusammenarbeit auf 1968. Sie endete 1991 durch den Tod von Wolfgang, mit nur 50 Jahren. In den 1970er- und 1980er-Jahren waren die Beiden allgegenwärtig in der Düsseldorfer Kunstszene, mit Ausstellungen in der Kunsthalle, bei Konrad Fischer und Alfred Schmela, auch mit Performances und Slide-Shows im öffentlichen Raum, etwa im Schauspielhaus. Aber das Künstlerpaar war auch 1973 auf die Pariser Biennale des Jeunes und 1975 zum „Forum junger Kunst“ in die Kunstinstitute in Mannheim, Baden-Baden und Recklinghausen eingeladen. Und ihr Raum im „Museum des Geldes“ in der Kunsthalle Düsseldorf wanderte 1979 mit der Ausstellung weiter ins Centre Pompidou. Vor allem Ilona Weber hat das Geschehen auch fotografisch erfasst und vor allem die Akteure im pulsierenden Düsseldorf aufgenommen. Die (Porträt-) Fotos, die sie mit Eiweißlasurfarben bearbeitet hat, sind derzeit – neben einer 30-teiligen Collagenarbeit – in der Ausstellung „Singular / Plural“ in der Kunsthalle am Grabbeplatz zu sehen.

Doreet LeVitte-Harten konstatierte eine „Aura von kostbarer Zartheit“ (Kat. Kunsthalle Düsseldorf 1987) – in Bezug auf die Objekte, gültig gewiss aber auch für diese kolorierten Fotografien. Und prophetisch für die abstrakten Farbfotografien, mit denen Ilona Weber in den 1990er-Jahren begonnen hat und die sie bis heute neben den Objekten sowie gegenstandsfreien s/w-Zeichnungen fortsetzt. Ilona selbst spricht von Lichtmalerei und betont die Schnelligkeit des Aufnahmevorgangs. Auch hier bilden bonbonfarbene Ready-mades aus Kunststoff sowie farbige Bänder das Aus­gangs­­material. Daraus entwirft sie vorübergehende Konstellationen und schweift mit der Kamera darüber. Sie gibt eine transparente bunte Farbigkeit aus räumlich bewegten Bahnen und Fetzen wieder, die sich ganz vom Dinglichen löst, auch wenn sie mitunter das Grün der Vegetation und das Blau des Himmels und des Wassers anspricht. Natürlich setzt Ilona Weber damit das frühe Werk fort. Farbe wird zur lichtdurchfluteten Erscheinung, ist ganz auf Abstand gerückt und doch nur aus der Nähe erfahrbar..

Ilona Weber ist beteiligt bei:
Singular / Plural, bis 1. Oktober in der Kunsthalle Düsseldorf,
www.kunsthalle-duesseldorf.de
Eine Einzelausstellung findet vom 7. Oktober bis 12. November in der
KUNST-ECKE, Talstraße 111/Bilker Allee in 40217 Düsseldorf statt.
Eröffnung am 6. Oktober, um 19 Uhr.

TH

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