Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen präsentiert die erste umfassende Ausstellung des Expressionisten und Mitbegründers des Blauen Reiter Franz Marc (1880–1916) und damit die erste umfangreiche Einzelausstellung zu seinem Werk in einem deutschen Museum seit über 20 Jahren.
Leuchtende Farben, berührende Themen und weltberühmte Tierbilder – was macht die Kunst von Franz Marc (1880–1916) bis heute so faszinierend? Die Ausstellung Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt im K20 lädt dazu ein, Leben und Werk dieses herausragenden Künstlers neu zu entdecken. Bis zum 24.1.2027 bietet sich die einmalige Gelegenheit, Meisterwerke aus allen Schaffensphasen Franz Marcs an einem Ort zu erleben.
Dank der Unterstützung zahlreicher nationaler und internationaler öffentlicher wie privater Leihgeber*innen konnten über 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier zusammengeführt werden. Die Ausstellung zeichnet das nur wenige Jahre währende, aber außerordentlich produktive Schaffen des Künstlers in seiner ganzen Vielfalt nach – von den frühen Arbeiten bis zu den späten, wegweisenden, zunehmend abstrakten Kompositionen. Zu den Höhepunkten zählen Marcs ikonische Tierbilder und eindrucksvolle Naturdarstellungen, die zu den berühmtesten Werken der klassischen Moderne gehören.
Die Ausstellung Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt lädt dazu ein, Franz Marc neu zu entdecken: Sie zeigt, wie eng der Künstler in die pulsierende Kunst- und Kulturszene vor dem Ersten Weltkrieg eingebunden war – und wie beeindruckend vielfältig sich sein Werk zwischen 1905 und 1914 entwickelte. Von den frühen Tierdarstellungen bis zu den kubistisch inspirierten Abstraktionen zeichnet die Ausstellung den Weg eines Suchenden nach – eines Künstlers, der sich in einer vom Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach einem irdischen Paradies sehnte. Seine Bilder waren für Marc Enklaven der Harmonie, aber auch Entwürfe einer neuen, ideellen Welt, mit denen er gegen die Rationalisierung und Technisierung der Umwelt und die geistige Verflachung der Gesellschaft ankämpfte.
Wie der Titel Die Suche nach einer besseren Welt andeutet, reagiert die Ausstellung auf ein damals wie heute sehr präsentes Bedürfnis nach Frieden und einem Leben im Einklang mit der Natur. Für Franz Marc war diese Suche zugleich die Auseinandersetzung mit seiner eigenen künstlerischen Identität. In knapp acht Jahren durchlief er vom Postimpressionismus bis zur Abstraktion nahezu das gesamte Spektrum der modernen Kunstentwicklung. Die Ausstellung verfolgt die wechselnden Motive und Malstile, macht die überraschenden Brüche und fortwährenden Zweifel sichtbar, die sein Werk prägen, und eröffnet neue Einblicke in Marcs Haltung zu den gesellschaftlichen Umwälzungen und zum heraufziehenden Krieg.
Franz Marcs (geb. 8.2.1880 in München, gest. 4.3.1916 in Braquis bei Verdun, Frankreich) künstlerischer Weg begann an der Münchner Akademie, wo er sich zunächst mit dem Naturalismus und dem Jugendstil auseinandersetzte. Die Freundschaft mit dem Schweizer Tiermaler Jean-Bloé Niestlé (1884 – 1942) ab 1905 bekräftigte und fokussierte sein Interesse auf die Darstellung von Tiermotiven. Dabei ging es Marc weniger um die naturalistische Wiedergabe, sondern um das Begreifen des inneren Wesens der Tiere. Die Tiere zu malen, „wie sie selbst die Welt ansehen und ihr Sein fühlen“ (Briefe, 8.4.1915), beschreibt Marc selbst als seinen primären Ansatz. Die Tierbilder gründen auf einem pantheistischen Weltbild, das die Tiere als Verkörperung einer für den Menschen verlorenen Göttlichkeit versteht.
1903 und 1907 reiste Marc nach Paris und studierte im Louvre alte und neue französische Kunst. Vor allem der Postimpressionismus, der Fauvismus und insbesondere Maler wie Vincent Van Gogh (1853–1890) und Paul Gauguin (1848–1903) zogen ihn in den Bann. Ab 1908 veränderte sich Marcs Verständnis von Komposition und Farbe grundlegend. Diese war für Marc nicht nur ein Mittel der Ausdruckssteigerung, sondern besaß eine tiefere symbolische Bedeutung. Auf der Basis von u.a. Wolfgang von Goethes Farbenlehre, entwickelte er eine eigene Theorie der Farben: Gelb verkörpert Weiblichkeit, Sanftmut und Sinnlichkeit, Rot das Brutale, Erdgebundene, Blau das Geistige, Intellektuelle und Männliche. Mit dieser kontrastreichen – expressionistischen – Leitidee der Farben strebte Marc danach, metaphysische Dimensionen in seinen Bildern sichtbar zu machen.
Eine gemeinsame Reise mit dem Freund und Mitstreiter August Macke (1887–1914) nach Paris 1912, bei der sie Robert Delaunay (1885–1941) und Sonia Delaunay (1885–1979) zweimal besuchten, bewirkte einen Quantensprung in der Malerei der beiden Künstler. Zwar kannte Franz Marc seit 1910 kubistische Werke von Georges Braque (1882–1963) und Pablo Picasso (1881–1973), doch es waren die lichtdurchfluteten, kristallinen Fensterbilder von Robert Delaunay, die ihn zu den eigenen prismatischen Bildkompositionen inspirierten.
In den Monaten vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die harmonische Verschmelzung von Tier und Natur, die Marcs Schaffen bis dahin dominiert hatte, durch eine zunehmend abstrakte Bildsprache ersetzt. Schon ab 1913 begann das Tiermotiv seine vorrangige Bedeutung bei der Suche nach einer besseren Welt zu verlieren. Eine Reise ins gesellschaftlich und politisch zerrissenen Südtirol bewirkte, dass sich die ehemals harmonischen Landschaftsvisionen zu dystopischen Szenerien mit einsamen, ausgemergelten Tierkreaturen verkehrten. Werke wie Das arme Land Tirol, 1913, aber auch Kämpfende Formen und Zerbrochene Formen aus dem Jahr 1914 spiegeln Marcs inneren Aufruhr und den Zwiespalt der Gefühle angesichts der sich anbahnenden tiefgreifenden Zeitenwende und der zunehmenden Kriegsgefahr.
Verbindungen und Gruppierungen. Trotz seines zurückgezogenen Lebens im Münchner Voralpenland war Franz Marc kein introvertierter Künstler. Der Maler von Tiermotiven war vielmehr ein kritischer Geist, der bereit war, in künstlerischen Debatten klare Positionen zu vertreten und der Konflikte nicht scheute. Mit größter Souveränität und Kenntnis agierte Marc als `Botschafter des Blauen Reiter´ im Umgang mit Künstlerkolleg*innen, Sammler*innen und Galerist*innen. Seine umfassende akademische Bildung – ein Studium der Literatur- und Sprachwissenschaften – und seine zweisprachige Erziehung durch seine Elsässer Mutter prägten ihn ebenso wie seine intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst, für die er sich in programmatischen Texten leidenschaftlich einsetzte.
Franz Marc pflegte intensive Freundschaften und künstlerischen Austausch. Neben Niestlé war es vor allem August Macke, der ab 1910 sein enger Freund und Gesprächspartner wurde. Mit ihm tauschte sich Marc in Briefen und Gesprächen über künstlerische Fragen aus, sie diskutierten über Farbsymbolik und neue Ausdrucksformen. Mackes Einfluss war spürbar, als Marc begann, seine expressive Farbpalette und flächige Kompositionen auszubauen. Als Mitglied der Neuen Münchner Künstlervereinigung lernte er Anfang 1911
Marianne von Werefkin (1860–1938), Gabriele Münter (1877–1962), Alexej von Jawlensky (1864–1941), Arnold Schönberg (1874–1951) und Wassily Kandinsky (1866–1944) kennen, mit dem er Ende 1911 die Redaktionsgemeinschaft des Blauen Reiter gründete.
Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung Franz Marcs in einer chronologischen Hängung mit thematischen Schwerpunkten nach. Die Gruppen und Netzwerke, in denen sich Franz Marc bewegte, werden in einem besonderen Raum der Ausstellung präsentiert. Arbeiten aus dem Kreis des Blauen Reiter etwa von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Maria Franck, August Macke und von Robert Delaunay werden dort zu sehen sein. Die Werke entstammen aus dem eigenen Sammlungsbestand und visualisieren das künstlerische Umfeld, in dem Marc sein Werk geschaffen hat.
Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, und dem Kunstmuseum Bern.
Franz Marc: Die Suche nach einer besseren Welt
12.9.2026 – 24.1.2027
Kuratorin: Susanne Meyer-Büser

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