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HOUSE OF BALAGAN, Raumansicht mit Urs Fischer, Ferdinand Dölberg, Margarete Jakschik & Michaela Yearwood-Dan, © Künstler:innnen/VG Bild-Kunst, Bonn; courtesy of the artists & Sammlung Philara, Düsseldorf
Foto: Kai Werner Schmidt

Ein Ort, Chaos zu sortieren

„House of Balagan“ in der Sammlung Philara

Die Sammlung Philara feiert Jubiläum: Seit zehn Jahren befindet sie sich als Insti­tu­tion mit ihren Ausstellungen, zusammengestellt aus dem eigenen Bestand, aber auch mit eingeladenen Künstler:innen an der Birkenstraße in Flingern. Die Glaserei Lennarz wurde zu einem Ausstellungsgebäude umgebaut, auf dessen Dach sich nun ein Skulpturengarten befindet. Zusam­men­getragen wurde die Sammlung von Gil Bronner gemeinsam mit seiner Frau Anat; die ganze Familie sammelt Kunst.
Die Jubiläumsausstellung verweist diskret auf verschiedene Lebensstationen ihres Sammlers und seine Treue zu den von ihm favorisierten Künstler*innen. Aus der rund 2.000 Exponate umfassenden Sammlung wurden über 100 ausgewählt – nur eine Auswahl, die gewiss anders hätte ausfallen können. Rechterhand beginnt die Ausstellung wie aus einem Guss mit Werken von Hanne Darboven, Melissa Gordon und Rosemarie Trockel, die um die Wirkkraft des Mediums Zeitung kreisen – Kunst entsteht zu ihrer Zeit und in dieser, ist Dokument und Seismogramm, das nach Befindlichkeiten spürt, die sich aus Ereig­nissen ergeben. In die Kabinette geht es am Objekt von Charlotte Posenenske vorbei: auf der einen Seite zu Marcel Dzama, der Bronners Faible fürs Theatralische (das er in einer eigenen Ausstellung gewürdigt hat) andeutet: Es wird noch mehrmals in der Ausstellung aufblitzen. Die andere Seite beginnt mit Werken, die seine Eltern erworben haben, und dem ersten Gemälde, das er 1991 gekauft hat, der „Seher“ (1990) von Miguel Ángel Campano: Noch heute wirkt das Bild frisch, geheimnisvoll, begehrenswert.
Später werden wiederholt Hinweise auf Leipzig bzw. die Neue Leipziger Schule folgen, wo Bronner Mitte der 1990er Jahre als Projektentwickler für Immobilien ansässig war: mit Neo Rauch und stärker noch Christoph Ruckhäberle und Matthias Weischer, die das Sujet Bewohnen und Haus als Repräsentation in ihren Malereien tragen. Bronner hat seinen heutigen Lebensmittelpunkt Düssel­dorf mit der Kunstakademie, aber auch der vitalen Galerienszene in Flingern in seiner Sammlung und nun auch der Ausstellung reichlich berücksichtigt, beginnend mit Gerhard Richter und Katharina Sieverding. Aber er zeigt nicht das, was zu erwarten wäre, sondern begleitende Papierarbeiten bei Richter und gerade kein Selbst­porträt bei Sieverding. Vertreten sind zum Glück auch – aus Düsseldorf – Angela Fette, Anys Reimann, Paloma Varga Weisz oder Christoph Westermeier. Der schönste Raum zeigt Chimären und die Wirkmacht der Natur mit Werken von Neo Rauch, Hito Steyerl und Marianna Simnett. Und dann endet der Parcours mit versprengten Entdeckungen, der Sitzgruppe von Erika Hock neben Papierarbeiten von Zaha Hadid, Rowena Drings Dialog mit der Natur und, am Ein-/Ausgang, einem geheimnisvollen kleinen Gemälde von Oda Jaune. Und der Titel der Aus­stellung, Balagan? Ist ein hebräisches Wort, das auch den neuen Roman von Mirna Funk betitelt, außerdem ein Platz in Rom…

HOUSE OF BALAGAN,
bis Februar 2027 in der Sammlung Philara, Birkenstraße 47A, 40233 Düsseldorf
www.philara.de

TH

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