Wie sehr es zur Ausstellung passte: Auf den Stufen vor der Kunsthalle faltete Nomin Bold mit ihrem Kind einen Papierflieger und ließ ihn bei schönstem Wetter fliegen. Nomin Bold ist eine der hierzulande bekannten Künstler:innen der Mongolei in der Ausstellung „Heilung der Erde“. Mit ihren symbolhaften, wie Signets anmutenden Darstellungen, die sie mit Mineralfarben auf Baumwolle aufgetragen hat und die sich auf tibetisch-buddhistische Traditionen beziehen, war sie 2017 zur documenta 14 eingeladen. Ochirbold Ayurzana wiederum bespielt derzeit den Pavillon der Mongolei auf der Biennale Venedig. Sein Glastisch im Emporensaal, der von totenschädelartigen Köpfen getragen wird, verbindet traditionelle Überlieferungen seiner Heimat mit zeitgenössischen Überlegungen zur Informationsflut in der globalisierten Gesellschaft. Präziser auf die Konzeption der Ausstellung, die spirituelle Vergangenheit mit der Gegenwart zu versöhnen und die Kräfte und Möglichkeiten der Natur hinzuzuziehen, geht Unen Enkh ein: Er eröffnet den Kinosaal mit einer monumentalen Variante „unserer“ Venus von Willendorf, die aus Naturmaterialien besteht und ebenso archaisch wie fragil wirkt und auf erotisches Verlangen und Fruchtbarkeit wie auch die Entstehung der Welt und Kreatürlichkeit verweist. Mit Materialien wie mongolischem Filz und Rosshaar spielt er noch auf die Jahrtausende alten Riten der Nomaden seiner Heimat an, die Arbeit mit den Händen in der Natur und die Erfahrung der Erde – ein Leitmotiv der gesamten Ausstellung mit 18 Positionen.
Äußerer Anlass ist das 50-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Mongolei und Deutschland. Die Verbindungen der Kunst der Mongolei speziell zu Düsseldorf geht aber noch weiter zurück. Künstler*innen beider Länder werden gegenseitig zu Residenzen eingeladen und diese Ausstellung ist eine Kooperation mit dem National Museum in Ulaanbaatar, wo sie im nächsten Jahr gezeigt wird. Vor allem geht es darum, dass wir von den archaischen, spirituellen Traditionen der Mongolei mit ihrem Respekt vor der Natur lernen können – und diese Erfahrungen auch im Hinblick auf das ökologische Gleichgewicht vielleicht dringlicher denn je sind. Joseph Beuys bildet mit seinen vielfältigen Verweisen auf die Geschichte und die Kulturen der Mongolei einen weiteren Anknüpfungspunkt dieser geglückten Ausstellung, die sich mit jedem der Beiträge weiter verdichtet. Zu den weiteren internationalen Künstler*innen dieser multimedialen Ausstellung gehören aus Düsseldorf Claudia Mann, Carmen Schaich und Thomas Stricker, und jede/r trägt auf eigene Weise bei und liefert weitere Aspekte von Körperlichkeit, Kreatürlichkeit, Materialität und Verletzlichkeit, Erinnerung und Überlieferung.
Heilung der Erde. 50 Jahre Deutsch-Mongolische Freundschaft,
bis 8. September in der Kunsthalle Düsseldorf am Grabbeplatz
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