Die Helden der ZERO-Bewegung begehen bemerkenswerte Geburtstage und erst recht jetzt, fast sieben Jahrzehnte nach Gründung der Gruppe, zeigt sich das Konsequente und Visionäre ihrer Kunst, mit der sie über die Ästhetik hinaus zentralen Fragen zur Zukunft der Menschheit und des Planeten Erde nachgehen. Nachdem in der ZERO-Foundation in diesem Jahr Christian Megert zu seinem 90. und Heinz Mack zu seinem 95. Geburtstag geehrt wurden, folgt nun der holländische, in Franken lebende Künstler herman de vries mit einer Ausstellung, ebenfalls zum 95. Geburtstag. In Düsseldorf ist er wahrscheinlich als Künstler mit Natur und in der Natur bekannt. Bei der legendären Gruppenausstellung „Von hier aus“ (1984) hat er ein duftendes Rosenfeld gestreut. Und zu „hellgrün“ im Düsseldorfer Hofgarten (2002) hat er einen neu gepflanzten, 7 m hohen Eichenbaum mit Stäben mit vergoldeten Spitzen umfangen. Ursprünglich am Rheinufer neben der Reuter-Kaserne platziert, wurde „Sanctuarium“ mittlerweile in den Lantz’schen Park in Lohausen versetzt. „Botanik, Heilkunde und Mythologie“ hat Helga Meister insgesamt die Anliegen von herman de vries zusammengefasst (2021).
Die Ausstellung im ZERO-Haus bestätigt jetzt die hohe Bedeutung der Natur für sein gesamtes Werk. de vries, der an einer Gartenbauschule ausgebildet wurde und als Biologe und Botaniker gearbeitet hat, entnimmt Pflanzen und ihre Überreste der Natur. Er sammelt ein und zerlegt und präsentiert sie in Reihen in Klarsichtfolien. Sichtbar wird, dass kein Blatt und kein Strauch dem anderen gleichen, ja, wie vielgestaltig die Blüten sind. Oder er akkumuliert die Teile, wie bei der Bodeninstallation mit den Resten von Tierknochen und Ästen, die sich als schwarzes und weißes Feld gegenüberliegen und noch im Titel „in transit“ (2012-13) Fragen des Übergangs von einem Zustand in den anderen und das Vergängliche unserer Existenz thematisieren. Die Prinzipien der von ihm 1960/61 mitgegründeten, ZERO verwandten NUL-Gruppe fließen eher beiläufig und wie selbstverständlich in seine Haltung ein. Sie betreffen besonders die Gleichheit der Teile, den Verzicht auf die klassischen Techniken und Materialien und auf Farbe, überhaupt die Reduktion im seriellen All Over. So ist auch eine frühe Tafel ausgestellt, die ganz und ausschließlich von körniger weißer Farbe überzogen ist. Die Gleichheit als persönliche Freiheit geht darüber hinaus so weit, dass für ihn alle Buchstaben gleichwertig sind und es folglich keine Großschreibung gibt und er sich bei Aktionen in der Natur nackt fotografieren lässt. herman de vries hat die Avantgarde-Bewegungen um 1960 wortwörtlich wieder geerdet, voller Achtsamkeit der Natur gegenüber.
herman de vries – zero ist the gate, bis 24. Oktober im ZERO-Haus
der zero foundation, Hüttenstraße 104, 40215 Düsseldorf,
geöffnet Samstag von 12.30 – 17.30 Uhr.
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