Die Idee einer Choreografie am Rande der Zeit zieht sich als Motiv durch die Arbeiten der Düsseldorfer Choreografin Alexandra Waierstall. Am 24. und 25. April lädt sie zur Uraufführung ihrer neuen Gruppenchoreografie Seconds in Clouds auf die große Bühne des tanzhaus nrw ein. Im Titel, der sich auf Deutsch vielleicht sinngemäß als „schwebende Sekunden“ verstehen lässt, klingt bereits die Auseinandersetzung mit Konzepten von Zeit, Gegenwart und Vergangenheit an.
Alexandra Waierstall arbeitet daran, Zeit zu erweitern und Situationen herzustellen, die sich immer am Rand zwischen einem Davor und Danach bewegen. Es geht um jenen – wie sie in dem jüngst erschienenen Buch And here we meet: Choreography at the edge of time formuliert – ungreifbaren und zugleich unheimlichen Moment, den wir das Jetzt nennen: nie vollkommen gegenwärtig, schon vergangen in dem Moment, in dem wir darüber nachdenken, und doch die einzige Realität, die wir haben.
In Auseinandersetzung mit der skulpturalen Sprache von Rita McBride – insbesondere mit ihrer Arbeit Arena Seating (1999, Mahagoni auf Sperrholz, Stahl, 216 × 216 × 198 cm) – entwickelt sich das Stück als wandelbare Raumkomposition. Gemeinsam mit der Lichtdesignerin Caty Olive, dem Komponisten und Pianisten Volker Bertelmann alias Hauschka sowie Tänzer*innen verschiedener Generationen entsteht eine minimalistische, skulpturale Choreografie. Atmosphärisch geprägt von wechselnder Durchlässigkeit und Monumentalität sowie von einer feinen Konzentration getragen, schwingen hier fortwährend Präsenz und Zeit.
„I only know how to push through. I need to learn how to break down.“ – „Ich weiß nur, wie man durchhält – ich muss erst noch lernen, zusammenzubrechen.“ Unter diesem Motto steht das Tanz- und Hörstück A change is as good as a rest des Kölner Kollektivs Elsa Artmann / SANFTE ARBEIT.
Die Vorgängerarbeit Langes Wochenende war noch im März auf der Tanzplattform Deutschland 2026 in Dresden zu sehen – jenem Festival, das regelmäßig die bemerkenswertesten Produktionen der freien Tanzszene präsentiert. Elsa Artmann / SANFTE ARBEIT arbeiten auf eine Weise mit der Verbindung von Sprache und Bewegung, die den Zuschauer*innen von der Bühne direkt in die Knochen fährt: „Auf der begrünten Insel in der Mitte des Kreisverkehrs sitzt ein Hase, dessen Herz wir im Hals pulsieren sehen können.“ Das sind die Sätze, mit denen das Kollektiv die Aufmerksamkeiten der Zuschauer*innen lenkt und gleichsam deren Emotionen in Bewegung bringt.
Am 30. April und 1. Mai setzen sie sich in A change is as good as a rest mit der Rhythmisierung unseres Lebens durch Arbeit auseinander – und mit unseren Versuchen, die geradlinige Zeit auszutricksen. Um aus der ununterbrochenen Abfolge der Tätigkeiten auszusteigen, die unseren Alltag bestimmen, stellen sie eine einfache Frage: Brauchen wir mehr Liebe – oder einfach eine Pause? Eine ruhige Minute, ein Sabbatical oder einen radikalen Bruch? Frische Luft, einen Crash oder doch eine scharfe Bremsung? Drei Tänzer*innen und eine Musikerin beschreiben ihre eigenen Handlungen oder deren mögliche Abbrüche und machen das Stück in Überlagerungen von Text, Sound und Bewegung für sehendes wie für Blindes und Sehbehindertes Publikum zugänglich.
Erlebe Tanz in Düsseldorf: www.tanzhaus-nrw.de

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