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Nomadland

Oscar goes Streaming

Ein Bericht von Eric Horst

Was in den letzten Jahren noch für reichlich Diskussionen sorgte, ist dieses Jahr Corona-bedingt nun kein Thema mehr. Die meisten Filme im Wettbewerb um den Goldjungen sind von den bekannten Streaming-Dienstleistern produziert und stehen dort zur Ansicht zur Verfügung. Inwiefern das der Bedeutung des Kinos schadet, sei einmal dahingestellt, sicher ist, dass sich einiges ändern wird. Im besten Fall auch zum Guten im Sinne einer fruchtbaren Zusammenarbeit wie wir es mit unserem Streaming-Angebot „Pantoffelkino“ schon proben.

Gerade der aus Kinoperspektive schwierigste Anbieter „Netflix“ geht bei der dies­jährigen Oscar-Verleihung am 25. April mit mehreren aussichtsreichen Kandi­daten ins Rennen. Schwierig ist „Netflix“ deshalb, weil dem Kino durch dessen Ge­schäftspolitik in der Vergangenheit qualitativ hochwertige Filme weggenommen wur­den, da keine Möglichkeit einer Kinoauswertung gegeben war. Netflix hat kein wirk­liches Interesse an Kino, es sei denn zur eigenen Imageaufwertung und der Mög­lichkeit seine Filme auf Festivals unterzubringen. Glücklicherweise hat sich das ein bisschen geändert und zur Zeit haben sechs Oscar-Kandidaten (darunter mit zehn Nominierungen der diesjährige Favorit Mank von David Fincher mit Gary Oldman) einen deutschen Verleih und werden auch bei uns im Kino zu sehen sein.

Auf die Verleihung selbst kann man/frau gespannt sein. Zwei Monate später als sonst findet diese nun statt und erstmals wegen der Pandemie gleichzeitig in Los Angeles, London und Paris. Produzent Stephen Soderbergh verspricht eine große Show auch ohne Gedränge auf dem roten Teppich. Gäste werden soweit möglich physisch anwesend sein, auf Videokonferenzen soll weitestgehend verzichtet werden.

Neben dem schon erwähnten Mank, einem Biopic über den “Citizen Kane” - Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz in klassischer Film-Noir-Ästhetik empfiehlt sich auch Chloé Zhaos in Venedig prämierter Nomadland mit Frances McDormand. Eine fast schon dokumentarisch erzählte Reise ins prekäre Amerika voller poetischem Realismus. Die „Amazon“-Produktion Sound of Metal handelt von einem Schlagzeuger härterer Gangart, der plötzlich sein Gehör verliert und begeistert vor allem durch die eindringliche Performance seines Haupt­dar­stel­lers Riz Ahmed. Als bester Dokumentarfilm nominiert ist der berührende Dokumentarfilm My Octopus Teacher über die ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem Filmemacher und eines Kraken. Nach Ansicht des Films werden die faszinierenden Meeresbewohner bei den meisten wohl nie wieder auf dem Speiseplan landen.

Trotz Pandemie haben die diesjährigen Oscars einiges zu bieten. Die Liste der Nominierten ist vielfältig und bei der Preisvergabe sind sicher einige Überraschungen zu erwarten. Wenn die Kinos wieder öffnen dürfen, werden wir einige dieser visuellen Meisterwerke auf der großen Leinwand nachreichen.

Eric Horst

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