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72. Festival de Cannes

72. Festival de Cannes

Ein Vorbericht von Kalle Somnitz

Nachdem im letzten Jahr Venedig Cannes die Lorbeeren weggeschnappt hatte, indem es Netflix Filme zeigte und gegen Gender-Vereinbarungen verstieß und Anfang des Jahres sich die Berlinale vorbildlich in Sachen Diversität zeigte, aber dann doch gegen alle Versprechungen einen Netflix-Film in den Wettbewerb aufnahm, schauen nun alle Augen nach Cannes. Wie wird das wichtigste Festival der Welt mit diesen Fragen umgehen?

 

Auf der Pressekonferenz in Paris hat Festivalleiter Thierry Frémaux klargestellt, dass sich Venedig immer mehr zu einer Plattform des amerikanischen Films und der Oscars entwickelt. “Das kommt für Cannes aber nicht infrage,” so Frémaux. Das Festival habe sich immer schon auf Filmkunst konzentriert und jedes Jahr die besten Filmemacher der Welt eingeladen, um ihre persönliche Vision der Welt von heute und morgen vorzustellen und so der der Evolution des Kinos und der Entwicklung der Filmindustrie zu dienen und den internationalen Film zu feiern.

 

Das symbolisiert auch das diesjährige Festival-Plakat, das der gerade verstorbenen Agnès Varda gewidmet ist und den Pioniergeist der französischen Regisseurin beschwört, die mit 26 Jahren ihren ersten Film drehte. Sie hatte Frémaux immer gebeten, ihre Filme nicht zu nominieren, weil sie eine Frau sei, sondern weil sie gut genug seien.

 

Sein Verhältnis zu Netflix sei gut, betonte Frémaux. Dass diese außergewöhnlichen Filmfreunde aber wieder nicht in Cannes seien, hänge mit dem Reglement zusammen, was verlange, dass jeder Film im Wettbewerb eine Chance haben müsse, im Kino ausgewertet zu werden. So verzichtet Frémaux auf Martin Scorseses “The Irishman”,  “The Laundromat”  mit Meryl Streep und Noah Baumbachs “The King”. Trotzdem konnte er die US-Presse zufriedenstellen, indem er vier amerikanische Filme in den Wettbewerb berief - im letzten Jahr waren es nur zwei. Die Tatsache, dass er auch nur vier französische Produktionen ausgewählt hat, sechs weitere aus anderen europäischen Ländern  und drei aus Asien kommen, zeigt, dass er in diesem Jahr um Ausgeglichenheit bemüht war. in Sachen Diversität war er gleichfalls um Besserung bemüht, hat immerhin 13 Regisseurinnen in die Offizielle Selektion berufen, auch wenn davon nur vier um die Goldenen Palme konkurrieren.

 

Ein übergreifendes Thema seiner Filmauswahl konnte Frémaux nicht erkennen, versprach aber ein Festival mit vielen romantischen und politischen Filmen. Selbst den Vorwurf, dass er immer nur die alten Bekannten berufe, konnte er in diesem Jahre entkräften. Zwar sind neun Regisseure dabei, die bereits eine Palme gewonnen haben, aber auch acht neue, die zum ersten Mal in den Wettbewerb ziehen.

 

Ein deutscher Film ist nicht dabei, aber immerhin fünf deutsche Koproduktionen, darunter “Little Joe” von Jessica Hausner, eine Art Green SciFi-Horror-Thriller, "Der Verräter" von Marco Bellocchio, ein Biopic über Tommaso Buscetta, den ersten hochrangigen italienischen Mafiaboss, "It Must Be Heaven" von Elia Suleiman (Pallas Film) und "The Whistlers" von Corneliu Porumboiu, den Komplizen Film (Maren Ade) mit produzierte. In deutscher Sprache gedreht ist sogar Terrence Malicks “Ein verborgenes Leben”, an dem Studio Babelsberg beteiligt ist. Es ist eine Geschichte aus dem 2. Weltkrieg in der August Diehl die Hauptrolle spielt.

 

Eröffnet wird das Festival mit Jim Jarmuschs Zombie-Satire “The Dead Don’t Die” , die Stars wie Adam Driver, Tilda Swinton und vielleicht auch Bill Murray auf den roten Teppich führen wird. Ein weiterer Cannes-Regular ist Pedro Almodovar, der mit “Pain & Glory” eine sehr persönliche Geschichte über einen Filmemacher und falsche Entscheidungen zeigen wird. In den Hauptrollen spielen Antonio Banderas und Penélope Cruz. Mit “Sorry We Missed You” ist Ken Loach sage und schreibe zum 14. Mal mit einem Film in Cannes vertreten, und einen anderen Rekord halten zusammen mit Michael Haneke (der diesmal nicht dabei ist) die Gebrüder Dardenne, die Anlauf auf ihre vierte Goldene Palme nehmen. In “Young Ahmed” erzählen sie vom Schicksal eines 13-jährigen Jungen, der zwischen den Idealen seines Imam und den Versuchungen des Lebens zerrissen ist. Auch Xavier Dolan ist wieder dabei, der hier im zarten Alter von 19 Jahren mit “I killed my Mother” debütierte. Sein letzter Film wurde von der Presse derart zerrissen, dass er mit Cannes brach und nun mit “Matthias und Maxime” reumütig zurückkehrt.

Wer am Ende die Goldene Palme mit nach Hause nimmt, entscheidet die Internationale Jury unter Vorsitz des fünffachen Oscar-Gewinners Alejandro G. Inarritu, während  die Jury der Un Certain Regard von Nadine Labaki angeführt wird, die hier im letzten Jahr mit “Capernaum” überraschte.

In den Special Screenings gibt es ein Wiedersehen mit Alain Cavalier, Pippa

Bianco und Abel Ferrara, der Willem Dafoe mitbringt, und hier finden wir auch den einzigen deutschen Regisseur. Es ist, Werner Herzog, der “Family Romance, LLC.” vorstellt, den er in Japan mit japanischen Laiendarstellern in japanischer Sprache gedreht hat, obwohl er die Sprache gar nicht versteht.

Außer Konkurrenz ist noch der Dokumentarfilm ”Diego Maradona” von Asif Kapadia (Amy)  zu sehen. Dass es Frémaux gelungen ist, “Rocketman” nach Cannes zu holen, wird als Rückkehr der großen Hollywood-Studios an die Croisette gewertet. Jetzt muss ihm nur noch gelingen, Quentin Tarantino zu motivieren, seinen “Once Upon a Time in Hollywood” rechtzeitig fertig zu stellen, denn einen Slot im Wettbewerbsprogramm hat er ihm freigehalten.

Kalle Somnitz

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