Das asphalt Festival verwandelt Düsseldorf im Juli wieder in den heißesten Kulturspot des Sommers. Vom 8. zum 27. Juli findet die 13. Festivalausgabe statt, mit Theater, Performances, Konzerten und Lesungen an sieben Spielorten, mit über 50 Veranstaltungen in fast drei Wochen.
Los geht’s im Düsseldorfer Schauspielhaus, das dem asphalt Festival eine Woche lang alle Bühnen am Gustaf-Gründgens-Platz überlässt. Den Auftakt einer Reihe von spektakulären internationalen Theaterproduktionen macht der poetische, filmisch geprägte Bühnenkrimi „Blind Runner“ des iranischen Regisseurs Amir Reza Koohestani, der das Schicksal von drei Langstreckenläufern verwebt und eindrucksvoll vor Augen führt, welche Risiken Menschen einzugehen bereit sind, um in Freiheit und Sicherheit leben zu können. Die belgische Performerin Miet Warlop, die bei der Biennale 2026 in Venedig den Pavillon ihres Heimatlandes gestalten wird, zeigt ihre gefeierte Sport-Konzert-Show „One Song“ zum allerersten Mal in Düsseldorf. Die Lehmanns Brothers aus Paris lassen den Jazz-Funk der 70er-Jahre wieder aufleben, mixen ihn mit Hip-Hop, House, Nu-Soul und werden bei ihrem Konzert im Kleinen Haus Bühne und Saal mit funky vibes zum Grooven bringen. Ein Ereignis versprechen die drei Vorstellungen von Florentina Holzingers „Ophelia’s Got Talent“ zu werden, die bereits seit Wochen restlos ausverkauft sind. Wer die laut „Monopol Magazin“ wichtigste Künstlerin des Jahres 2024 und ihre künstlerische Arbeit näher kennenlernen möchte, hat bei einem moderierten Artist Talk im Rahmen einer Vormittagsmatinee die Gelegenheit dazu.
Dem asphalt Festival geht es immer darum, nicht nur zu inspirieren und zu unterhalten, sondern auch ganz nah dran zu sein an dem, was die Menschen und die Gesellschaft aktuell bewegt. Deshalb wurden auch wie in den Vorjahren wieder Künstlerinnen und Künstler aus Krisengebieten eingeladen, die in ihren Arbeiten das Thema Krieg verhandeln. Zwei der prominentesten zeitgenössischen Autoren aus der Ukraine, Sophia und Juri Andruchowytsch, werden im 34OST aus ihren jüngsten, in Deutschland noch nicht publizierten Werken lesen und über das Schreiben in Zeiten des Krieges sprechen. Das deutsch-israelische Künstlerpaar Uri Fahndrich und Nadia Migdal entwickelt für asphalt das Stück „War Diaries“, basierend auf Tagebüchern, die sie getrennt voneinander nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 geführt haben – Nadia in Tel Aviv mit der erst wenige Monate alten gemeinsamen Tochter, Uri als Reservist mitten im Krieg im Gazastreifen. Die israelische Singer-Songwriterin Omer Moskovich spielt mit ihrer Band auf der Seebühne am Schwanenspiegel, ebenso die in Berlin lebende palästinensische Rockmusikerin Rasha Nahas.
13 wunderbare Sommerabende lang macht asphalt Programm auf der Seebühne am Schwanenspiegel. Dort gibt es Soul-, Hip-Hop-, Jazz- und Afrobeat-Konzerte mit Musikerinnen und Musikern und Bands wie Sorvina, Vox Sambou, Muito Kaballa, Maik Krahl oder dem Nico Brandenburg Quartett zu hören. Ruhrpott-Poet Frank Goosen hat für sein kabarettistisches Soloprogramm „Heimat, Fußball, Rockmusik“ ein Best-of seiner beliebtesten Stücke zusammengestellt und wird auch das eine oder andere neue Anekdötchen vom Stapel lassen.
Ein besonderer Soloabend lockt ins 34OST: Wer die mitreißende schauspielerische Urgewalt von Alexej Lochmann einmal auf der Bühne erlebt hat, wird ihn so schnell nicht mehr vergessen. Lochmann gehörte lange zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses und ist jetzt fest am Deutschen Theater Berlin. Sein Stück „Selbstportrait zwischen Steppe und Wald“ erzählt kraftvoll und unterhaltsam von seiner Familiengeschichte. Lochmann wurde in Kasachstan geboren und wuchs in Hamburg als Kind einer Spätaussiedlerfamilie mit einem russland-deutschen Vater und einer ukrainisch-russischen Mutter auf. Da würde man bei Familienfesten wirklich gerne mal mit am Tisch sitzen – oder man lässt sich direkt einfach alles brühwarm von Lochmann selbst erzählen.
Auch die französische Videokünstlerin Nina Gazaniol Verité beschäftigt sich mit dem Thema Heimat. Ihre Videoinstallation „Decazeville – Der Berg, der brennt“ ist wie eine Fernsehserie aufgebaut. In Videoaufnahmen, Interviews und einem Parcours aus sieben Leinwänden porträtiert Vérité die Gemeinde Decazeville im Südwesten Frankreichs, eine ehemalige Bergbauregion. Hier befindet sich ein Berg, der aufgrund von austretenden heißen Erdgasen »Lou puech que ard« genannt wird: der Berg, der brennt. Diese Anhöhe steht sinnbildlich für Ausbeutung, aber auch große Widerstandskraft. Die 70-minütige Installation läuft im Untergeschoss des 34OST, Zutritt haben jeweils 25 Personen.
Angesichts des großen, spannenden Programms bleibt eigentlich nur, sich schnell die letzten Tickets zu sichern, den Sommerurlaub zu verschieben oder ihn einfach gleich beim asphalt Festival zu verbringen.
www.asphalt-festival.de

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