Mit minimalistischen, hypnotischen und ununterbrochenen Bewegungen, die auf der Bühne Muster wie Mosaike erzeugen, lässt der zwischen Berlin und Oslo lebende Choreograf Armin Hokmi die Kraft des Tanzes vibrieren. Zum pulsierenden Rhythmus eines fesselnden Soundtracks bewegen sich sechs Tänzer*innen im Einklang und nehmen das Publikum mit in eine andere Zeit und an einen anderen Ort.
Shiraz ist dem internationalen und experimentellen Shiraz Arts Festival gewidmet, das zwischen 1967 und 1977 im Süden des Irans stattfand. Das Tanzstück ist eine Hommage – und entwickelt gleichzeitig eine neue Vision. Es untersucht die Verbindung zwischen Tanz und Ort, zwischen Gesten und Geschichte, zwischen Erinnerung und Erfindung: „Die Idee war, eine Erinnerung an das Festival zu schaffen und einen Tanz zu entwickeln, von dem wir uns vorstellten, dass er dort hätte stattfinden können.“ Im Interview beschreibt Armin Hokmi den über zwei Jahre dauernden Entwicklungsprozess des Stücks: Zunächst recherchierten die Künstler*innen Archivmaterial zum Programm des Festivals und begannen, damals gezeigte Tänze zu erlernen. Dies umfasste Choreografien von Maurice Béjard, Merce Cunningham, Kathakali-Tanzgruppen oder dem Nationalballett Algeriens. Die Tänzer*innen des Ensembles von Shiraz kommen alle aus verschiedenen Ausbildungsrichtungen, Armin Hokmi betrachtet sie jeweils als unterschiedliche Werke aus dem Festivalkontext: Sie repräsentieren keine Gemeinschaft, schaffen aber das Potenzial für Zusammengehörigkeit. Das Festival zeigte völlig neue Kunstformen, über die die Menschen nicht unbedingt vorgefasste Meinungen hatten.
Als eine zentrale Geste des Stücks halten die Tänzer*innen eine Hand vor ihr Gesicht. „Ich tanze nicht, um sichtbar zu werden, und der Tanz muss auch nicht unbedingt etwas in Bezug auf mich bestätigen“, erklärt Hokmi. „Was mir am Tanz gefällt, ist, dass er mir ermöglicht, mich zu verstecken, zu verschwinden. Für mich ermöglicht er Selbstermächtigung, nicht durch das Erscheinen, sondern durch das Verschwinden. Der Wunsch, dies zu bekräftigen, führte auch zu der wiederkehrenden Geste einer Hand vor dem Gesicht.“ Menschen mit nicht-europäischem Hintergrund, er eingeschlossen, würden oft ausschließlich durch die Brille der kulturellen Identität oder des persönlichen Hintergrunds wahrgenommen. Armin Hokmi versucht, diese etablierten Analyserahmen für Werke von People of Colour zu vermeiden – mit Shiraz gelingt ihm das auf eindrückliche Weise.
24.10. + 25.10. 20:00 tanzhaus nrw
Tickets & Infos: tanzhaus-nrw.de

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