Wenn am 6. Juni 2026 das Schumannfest der Tonhalle startet, ist Düsseldorf für rund drei Wochen wieder besonders romantisch gestimmt: 40 Veranstaltungen an unterschiedlichsten Spielorten feiern die Musik von Robert und Clara Schumann, ihrer Ahnen und Erben. Düsseldorf wird zur Liedstadt, die man mit offenen Ohren erkundet – vom Konzertsaal hinaus in die Straßen, über Brücken, Plätze und Ufer. Das Festival beleuchtet, wie Musik dabei hilft, Heimat(en) zu bewahren, zu hinterfragen oder ganz neu zu erfinden. Intime Liederabende und große Symphonik, Pop-up-Konzerte in der Altstadt und pulsierende Sessions im Jazzclub, eine Gruselnacht in der Kirche und die Skyline-Konzerte über den Dächern der Stadt — am liebsten würde man kein Konzert dieses farbenreichen Festivalprogramms verpassen!
Das große Eröffnungskonzert am 6. Juni in der Tonhalle ist ein familiäres Gipfeltreffen: Die beiden Tenöre Christoph und Julian Prégardien – Vater und Sohn – singen alleine und im Duett Heine-Vertonungen von Robert und Clara Schumann und ihre Lieblingslieder von Schubert zum Thema »Heimaten«. Ihr Klavierpartner ist dabei Michael Gees, mit dem Christoph Prégardien schon musiziert, seit sein mittlerweile 41-jähriger Sohn Julian das Licht der Welt erblickte.
Das »Liedstadt-Wochenende« präsentiert vom 19. bis 21. Juni das Lied lebendig, nahbar und offen für alle. Musikalischer Fixpunkt des außergewöhnlichen Projekts ist Schumanns Eichendorff-Liederkreis. Zehn Künstler*innen – darunter die in Düsseldorf wohlbekannte Sopranistin Valerie Eickhoff, die Pianistinnen Anna Gebhardt und Elenora Pertz, das Wiener Ensemble The Erlkings und Julian Prégardien als künstlerischer Leiter – bilden für mehrere Tage ein gleichberechtigtes Kollektiv, leben (tatsächlich!) in einer WG zusammen und teilen sowohl alltägliche als auch künstlerische Aufgaben. Gemeinsam entwickeln sie Konzerte, Workshops mit Schüler*innen und interaktive Formate. Ob man nun die Künstler*innen bei Pop-up-Konzerten in der Fußgängerzone begleitet, an Gesprächsrunden teilnimmt oder sich in die täglichen Live-Schalten aus der WG einklinkt – das Publikum wird zum Teil des Projekts und kann auf kreative Weise Einfluss auf dessen Verlauf nehmen. Ein besonders schauriger Höhepunkt des Liedstadt-Wochenendes verspricht die »Mordnacht« am 20. Juni in der Bergerkirche zu werden: In diesem außergewöhnlichen Konzertabend begegnen sich Literatur und Lied. Pro Beitrag kommt mindestens ein Mensch ums Leben – mal im düsteren Schatten alter Balladen, mal zwischen den Seiten aktueller Bücher. Es gibt die gruseligsten Lieder und Texte der Romantik zu hören, Mona Ameziane moderiert und liest.
Auch in diesem Jahr ist das Schumannfest wieder in der Jazz-Schmiede zu Gast. Saxofonist Jörg Kaufmann transportiert am 13. Juni mit Vibrafonist Mathias Haus und Bassist Conrad Noll Schumanns »Kinderszenen« in die intime Klangwelt des Jazz. Am 14. Juni geben die jungen Briten Eleanor Grant (Gesang & Kontrabass) und Gus McQuade (Gitarre) ihr (Festland-)Europadebüt und spielen Lieder von John Dowland bis Joni Mitchell.
In der Neanderkirche geht es am 18. Juni um Clara & Robert und Johannes Brahms: Das Calmus Ensemble widmet sich der wohl berühmtesten Dreiecksbeziehung der Musikgeschichte mit Auszügen aus ihren Briefwechseln und Musik von Volkslied bis Pop.
Das Palais Wittgenstein an der Bilker Straße, nur wenige Schritte vom letzten gemeinsamen Wohnhaus der Schumanns entfernt, wird zum Schauplatz von besonderen Kammermusik-Erlebnissen. Los geht es am 7. Juni mit einem Programm mit klarer historischer Linie – und einem Ensemble von außergewöhnlicher Tradition: Das Gewandhaus-Quartett Leipzig, gegründet 1808 und damit das älteste kontinuierlich bestehende Streichquartett der Welt, spielt mit dem c-Moll-Quartett op. 18 Nr. 4 und dem Es-Dur-Quartett op. 74 zwei zentrale Werke Beethovens – Letzteres wurde gar 1811 vom Ensemble uraufgeführt. Im zweiten Konzertteil ergänzt Pianistin Charlotte Steppes das Ensemble. Den niederländischen Geiger Niek Baar und den koreanisch-amerikanischen Pianisten Ben Kim verbindet eine langjährige kammermusikalische Zusammenarbeit. Ihre gewachsene Partnerschaft prägt auch ihr Konzert am 8. Mai, ein Programm zwischen Romantik und Moderne, mit Werken von Clara und Robert Schumann, César Franck und Anton Webern. Der Konzerttermin könnte nicht besser gewählt sein: Am 8. Juni ist Robert Schumanns Geburtstag! Das Kebyart Saxofon-Quartett entfacht auf der Bühne eine unmittelbare, fast körperliche Klangenergie. Die vier Musiker aus Barcelona formen mit ihren Instrumenten ein atmendes Geflecht aus Linien, Farben und rhythmischer Spannung. Am 9. Juni durchmisst Kebyart mühelos und hochvirtuos mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte: von der barocken Wucht Bachs über die klare Eleganz Mozarts und die romantische Feinheit Clara Schumanns bis hin zu Jörg Widmanns virtuoser Gegenwart und einer jazzdurchwirkten »Gershwin-Fantasie« von Dani López. Einen Abend voller Experimente und Überraschungen verspricht die szenische Konzertlesung »Traumbilder« am 11. Juni: Heines bissige, ironische Texte sind das revolutionäre Leitmotiv für den Abend, der zudem mit romantischer Musik von Clara und Robert Schumann ins 19. Jahrhundert entführt. Beim Kammermusik-Tag der Düsseldorfer Symphoniker am 13. Juni präsentieren sich Mitglieder des Orchesters in wechselnden Besetzungen. Heike-Angela Moser, Ur-ur-ur-Enkelin der Schumanns, spielt am 15. Juni auf einem historischen Hammerflügel Werke von Clara und Robert. Das Morgenstern Trio präsentiert am 16. Juni sein Programm »Jupiter« mit Kompositionen von Pierre Jalbert, Mozart, Holst und Schumann. Die junge Pianistin Magdalene Ho streift am 17. Juni virtuos durch Barock, Romantik und Moderne. Und das Motus Quartett aus Wien entfaltet am 22. Juni eine breite Farbpalette romantischer Kammermusik.
Die Tonhalle und das Schumannfest beteiligen sich auch am erstmalig stattfindenden Art:Walk Festival der Stadt Düsseldorf – mit einem »Mood Walk« am 18. Juni in der Rotunde. Über einen QR-Code kann das Publikum Gefühlszustände wie »fröhlich«, »melancholisch« oder »verträumt« auswählen, auf die die Pianistin Gülru Ensari reagiert. Sie entscheidet spontan, welches Werk von zum Beispiel Robert und Clara Schumann, Brahms, Schubert, Cage und Fazıl Say zur Stimmung passt und lässt die Gäste den musikalischen Verlauf des Nachmittags aktiv mitgestalten. »Mood Walk« ist kein Konzert mit festem Anfang und Ende, sondern ein musikalisches Spiel mit Stimmungen, in dem Zuhören, Verweilen und Weitergehen gleichermaßen möglich sind – einfach Platz nehmen und lauschen!
Einen buchstäblichen Höhepunkt und Schlussakt des Schumannfests bilden die Skyline-Konzerte am 23., 24., 25. und 26. Juni an spektakulären Spielorten über den Dächern der Stadt. Kurator des beliebten Formats, das in den oberen Etagen verschiedener hoher Gebäude stattfindet, ist in dieser Festivalausgabe der Weltklasse-Geiger Benjamin Schmid, der in der Klassik ebenso zuhause ist wie im Jazz. Wenn die Abendsonne die Dächer in warmes Licht taucht, verwandelt er gemeinsam mit der Pianistin Ariane Haering und seinen Kammermusikpartner*innen die Skyline-Locations in Salons in luftiger Höhe: Solo, im Duo, im Klavierquartett und schließlich im Jazz-Quartett spielt er Musik von Bach über Mozart bis Cole Porter.
Schumannfest 2026 vom 6. bis zum 26. Juni 2026
Vollständiges Programm: www.tonhalle.de/schumannfest
Tickets für alle Spielorte: über tonhalle.de, telefonisch unter 0211-91 38 75 38 oder an der Konzertkasse der Tonhalle

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