Viele Menschen haben gerade das Gefühl, überfordert zu sein. Kein Wunder, bei so vielen großen Herausforderungen: Klima, Krieg, Künstliche Intelligenz – es ist nicht einfach, diese großen Themen einzuordnen. Der Philosoph Marcus Quent hat deswegen die Vortragsreihe „Fremder Planet“ ins Leben gerufen, die seit Herbst 2025 im FFT Düsseldorf stattfindet. Marcus Quent ist Junior-Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Im Interview hat er uns von der Reihe und den nächsten Veranstaltungen erzählt.
Warum machen die genannten Herausforderungen die Welt für viele Menschen zu einem „fremden Planeten“?
Der Titel meint zunächst unseren Planeten. Klimawandel und Kriege verstärken die Erfahrung, dass uns die Erde selbst fremd und unverfügbar ist. Zugleich verweist der Titel auf Pläne, sich zu anderen Planeten aufzumachen. Neue Raumfahrtfantasien und Technologien scheinen die Erde hinter sich lassen zu wollen. Diese Entwicklungen hängen zusammen. Sie verändern, wie wir uns selbst, die Natur und unser Zusammenleben verstehen. Man spürt: Die Welt, in der wir leben, ist nicht selbstverständlich.
Die Vorträge der Reihe haben oft komplexe Themen. Warum kann es sinnvoll sein, sich auf philosophische Art mit so großen Fragen auseinanderzusetzen?
Philosophie kann uns helfen, Abstand zum Krisengerede zu gewinnen. Sie liefert keine einfachen Rezepte, sondern stellt andere Fragen: Welche Bilder vom Menschen verbergen sich in diesen technischen und ökologischen Entwicklungen? Warum geraten Vorstellungen von Zukunft, Politik und Öffentlichkeit ins Wanken? Tagespolitische Rahmungen reichen nicht aus, um diese Probleme in den Blick zu bekommen. Der öffentliche Raum ist heute oft von schnellen Antworten und medialer Spektakellogik bestimmt. Viele sehnen sich danach, gemeinsam anders über solche Fragen nachzudenken. Denn das Einfache ist oft nicht nur falsch, sondern noch dazu unendlich langweilig.
Die bekannte Philosophin Juliane Rebentisch ist am Dienstag, 9. Juni um 19.30 Uhr zu Gast im FFT Düsseldorf. Was hat ihr Vortrag mit dem Thema „Fremder Planet“ zu tun?
Juliane Rebentisch spricht über die Umweltkrisen der Gegenwart, indem sie vom Erhabenen ausgeht. In der Ästhetik meint das die Erfahrung von etwas überwältigend Großem oder Mächtigem der Natur. Diese Erfahrung lässt uns erschaudern und zugleich unsere Vernunft umso stärker hervortreten. Rebentisch fragt, ob heute demgegenüber Phänomene des Unheimlichen in den Vordergrund rücken – und wie die Erfahrung des Unheimlichen in der Umweltkrise sogar produktiv gemacht werden kann.
FFT Düsseldorf im Kap1
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