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Dieter Krieg, Ausstellungsansicht Akademie-Galerie Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn
Foto: Kai Werner Schmidt

Unbequeme Tiefe

Endlich: Dieter Krieg in der Akademie-Galerie

Im Katalog der Akademie-Galerie steht eine Anekdote: Dieter Krieg habe in jungen Jahren als Museumsaufsicht in der Kunsthalle Baden-Baden gejobbt und währenddessen Bücher gelesen, ja, mehr diese als die Bilder an der Wand im Blick gehabt … Überschaut man sein Werk, dann fällt das Belesene und das Interesse für Schrift und Sprache, der bewahrende Respekt gegenüber der Kunstgeschichte, aber auch das grüblerisch Unangepasste auf.

Dieter Kriegs (1937-2005) bevorzugtes künstlerisches Medium war die Malerei auf Leinwand und Papier; 1978 wurde er an die Düsseldorfer Kunstakademie als Professor einer Malklasse berufen, aus der u.a. Andreas Schulze, Melanie Richter, Tatjana Doll, Cornelius Völker, Sophie von Hellermann, Sven Kroner, Yeşim Akdeniz, Andrea Lehmann, Simone Lucas hervorgegangen sind. - Er selbst hat an der Akademie in Karlsruhe bei HAP Grieshaber und Herbert Kitzel studiert und gehörte dort zu den avantgardistischen Vertretern einer Neuen Figuration. Schon diese frühen Bilder sind unmöglich und aufrüttelnd. Sie zeigen weiche menschliche Körper, die in ein Korsett gezwängt und deformiert sind. Später, nachdem der Mensch nicht mehr im Bild auftaucht, befinden sich alltägliche Dinge bildfüllend auf oft monumentalen Formaten, auf denen die Farbsubstanz in den Raum hinaus drängt und dem Betrachter regelrecht entgegen springt. Aber tritt man ein paar Schritte zurück, dann werden die Dusch­vor­hänge, Fleischstücke, Spiegeleier, Eimer und was sonst noch alles mit ihren Schat­ten, die mit der Spritzpistole gesprüht sind, als nuancierter Realismus plastisch, in ihrer koloristischen Sensibilität erfahrbar. Krieg geht den Motiven, die noch metaphorisch verwendet sind, buchstäblich auf den Grund. Er hat außerdem Bücher und Autorennamen und Titel als Schrift abgebildet, etwa von Beckett, Arno Schmidt und Joyce, die das Ausgeworfen-Sein des Menschen, die Banalität des Lebens, aber auch die kleinen, vorübergehenden Dinge im Alltag in radikaler Form aufgreifen und nun also Verwandte im Geist sind.

Vereinzelt, aber dann eindrücklich hat Krieg auch konzeptuelle Werke ge­schaf­fen, herausragend eine Tonbandaufnahme, bei der sämtliche Namen des 46-bändigen Künstlerlexikons Thieme-Becker in alphabetischer Reihen­folge mit einer Gesamtdauer von 147 Stunden 20 Minuten verlesen wurden: einer seiner Beiträge im Deutschen Pavillon der Biennale Venedig 1978. Diese Auf­nahme „Allen Malern herzlichen Dank“ lässt im übrigen erkennen, wie aufmerksam, höflich und bescheiden Dieter Krieg, der mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, auftrat. Heute gibt es, noch von ihm und seiner Frau initiiert, eine Stiftung, die sich um seinen Nachlass kümmert und an seinen Aus­stel­lungen mitwirkt: Diese hier macht ihrem Künstler alle Ehre.

Dieter Krieg – gut für die Aug‘n, bis 12. Februar in der Akademie-Galerie, Burgplatz 1 in Düsseldorf, Freitag – Sonntag 12-18 Uhr

TH

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