Sigrid Kopfermann ist unvergessen: mit ihrer Freundlichkeit und ihrem zugewandten Interesse an der Kunstszene. Geblieben ist zudem ihr künstlerisches Werk. Wie großartig ihre Malerei war, zeigen drei Ausstellungen in Düsseldorf, wo sie seit 1964 gelebt hat. Mit ihrem Ehemann Otto Fuhrmann hat sie eine Stiftung gegründet, deren Sitz das Wohnhaus in Oberkassel ist. Sie selbst hat den Umbau begleitet, und nach Ausstellungen u.a. mit Pia Fries und Beatrix Sassen werden dort nun ihre frühen Bilder gezeigt.
Sigrid Kopfermann wurde 1923 in Berlin geboren, sie hat an der Hochschule für Kunsterziehung studiert und nach dem Krieg in Hannover gelebt. Die Ausstellung in der San-Remo-Straße führt von den figürlichen Bildern der 1940er Jahre zu den abstrakten „Blockbildern“ ab den späten 1950er Jahren. Dichte monochrome Binnenflächen, Balken liegen in wechselnder Ausrichtung neben- und übereinander und halten sich, mitunter strukturiert mit kleinteiligen Tupfen, in der Balance. Die Farbe wird zum Ereignis. Bereits 1959 erhielt sie eine Einzelausstellung im Kunstverein Hannover und wurde auf die Pariser Biennale des jeunes artistes eingeladen. Was sich in den „Blockbildern“ andeutet, steigert sich schon bald: die Reflexion der Natur als synästhetische Erfahrung, bei der Farbe und Form an Autonomie gewinnen. Die Reisen sind wichtig; neben Aufenthalten in Manhattan und Paris führen sie in die Alpes Maritimes ab 1975/76 und Beaucaire in der Provence ab 1996. Bildgrund und Farbsetzungen verschmelzen, der Klang ist pastellfarben hell, durchsetzt vom Licht. Immer wieder fokussiert sich das Sehen, werden Wälder und Lichtungen spürbar, auch der Blick auf den See. Und dann kommt ein weiteres hinzu. Sensibilisiert gewiss durch die mittelalterlichen Skulpturen ihres Ehemannes entdeckt sie 1988 den Engel aus der Verkündigungsgruppe des Ignaz Günther in der Klosterkirche Weyarn für ihre Zeichnung und Malerei. Weitere Engel aus der Kunstgeschichte folgen, von Bernini oder Rodin, und ich erinnere mich, wie sie von Hans Baldung Grien geschwärmt hat. Vielleicht erklärt die entstofflichte, bewegte Präsenz des Engels die Farbfäden, die ihre abstrakten Landschaften durchziehen: Beobachtungsgabe und Phantasie vereinen sich. „Bei Sigrid Kopfermanns farbigen Festen dürfen sich die Farben frei tummeln, sie scheinen [...] in unendlicher Variation die Konstellationen eines Reigens zu probieren, ihre Quadrille zu tanzen, ohne je zu ermüden“, hat Wieland Schmied 1998 in einer Monographie geschrieben. Bilder der 1990er Jahre überwiegend auf Papier sind jetzt im Stadtmuseum zu sehen. Anlass ist der 100. Geburtstag von Sigrid, die 2011 gestorben ist, der Grund ist die Qualität ihres Werkes.
Sigrid Kopfermann
bis 19. November in der Kopfermann-Fuhrmann Stiftung, San-Remo-Str. 6
bis 23. Juni in der Galerie Franz Swetec; 7.-28. Mai im Stadtmuseum Düsseldorf
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