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KONSORTIUM, Installationsansicht Märkisches Museum Witten 2019
© KONSORTIUM, Düsseldorf/Köln, Foto: Ben Hermanni

Drei Maler

KONSORTIUM

Ein Konsortium „(von lateinisch consortium; seltener auch Syndikat genannt, von französisch syndicat) ist ein Unter­nehmenszusammenschluss mehrerer rechtlich und wirtschaftlich selbständig bleibender Unternehmen zur zeitlich begrenzten Durchführung eines vereinbarten Geschäfts­zwecks“ (wikipedia): Die Künstlergruppe KONSORTIUM mit Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch als autonomen Künstlern mit verwandten künstlerischen Haltungen konzipiert und realisiert ihre gemeinsamen Werke im kommunikativen Zusammenspiel. In erster Linie handelt es sich um Malerei in Bezug auf Architektur, an der Wand, mitunter unter Hinzufügung von Objekten, die als Ready-mades entweder vorgefunden sind oder von der alltäglichen Wirklichkeit ab­­ge­­leitet und sodann auf ihre Grundstruktur hin konzentriert sind. Sparsamkeit und Verdichtung sind wichtige Merkmale von KONSORTIUM; die Anklänge an die konstruktive Kunst sind evident, ohne dass es damit getan wäre.

Verschiedene Verfahren kommen zusammen: Das Sampling (Guido Münch), zusammengetragen von den drei Künstlern, die sich wie eine Pop-Band einbringen, bei der die Musik­instrumente aufeinander reagieren (Sebastian Freytag). Bei KONSORTIUM wird das Ergebnis „neutralisiert“. Ein Sujet, mit dem die Gruppe häufig arbeitet, ist Schrift in deutlichen, sachlichen Lettern im monochromen Farbgrund, so wie für die Installationen überhaupt Coolness kennzeichnend ist, die auf den ersten Blick funktional und von anonymen Hand­wer­kern ausgeführt wirkt. Aber dann sind da das Unerwartete der Worte selbst an der Wand und die farbigen abstrakt-geometrischen Binnenformen. In ihrer Präzision bergen sie Assoziationspotential über Piktogramme hinaus, verweisen im Sparsamen ihrer Setzungen aber zugleich auf den Minimalismus als ästhetischer Referenz.
KONSORTIUM als Künstlergruppe geht aus einem Ausstellungsraum in Düsseldorf hervor. 2002-03 haben Breuer, Freytag und Münch den Ausstellungsraum „Binterimstraße 65“ betrieben, ehe sie ihn 2004 unter dem Namen KONSORTIUM an der Ackerstraße eingerichtet haben; dort haben sie bis 2010 74 Aus­stellungen gezeigt. Anfänglich war Jan Kämmerling an der Durchführung beteiligt und auch Mitglied der Gruppe, die erstmals 2005 selbst in Erscheinung trat und seitdem konstant institutionell tätig ist.

Lars Breuer wurde 1974 geboren, er hat an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf studiert. Wie Sebastian Freytag, der 1978 geboren wurde und heute an der Fachhochschule Düsseldorf lehrt, wohnt er in Köln. Guido Münch (*1966) hat in Karlsruhe und Düsseldorf Malerei studiert und ist weiterhin von Düsseldorf aus tätig. Gemeinsam ist den drei Künstlern, dass sie für ihre eigenen Werke serielle Strukturen verwenden und Wandmalereien realisieren, wobei eine Rücknahme des Handschriftlichen mittels der Reduktion und der Repetition stattfindet. Das Eigene wiederum kehrt in den Gemein­schafts­arbeiten von KONSORTIUM auf vielfältige Weise wieder. So können als Teil der Installationen noch ihre (inszenierten fotografischen Gruppen- oder Einzel-) Porträts zu sehen sein, ebenso spiegeln sich im Farbauftrag auf der Wand sowie den einzelnen Formfindungen die individuellen Entscheidungen wider: Kreis, Dreieck und Viereck finden sich in Variationen in den meisten Installationen. Das ist auch im Märkischen Museum in Witten der Fall, wo jedes dieser Zeichen in einem eigenen Raum an einer eigenen Wand zu sehen ist.
Quasi als Intro hat KONSORTIUM zudem einen Raum mit einer Dokumentation zur Künstlergruppe B1 gestaltet: einem Zusammenschluss von zehn Künstlern aus dem Ruhrgebiet 1969-70, die mit ihren (durchweg unrealisierten) Projekten in den Stadtraum eingreifen wollten und nun im Sammlungsbereich des Märkischen Museums vorgestellt werden. B1 ist eine ideale Referenz für die Arbeit von KONSORTIUM, etwa in den Utopien, die dabei formuliert wurden. Und dann interessiert Breuer/Freytag/Münch die Ästhe­­­tik vor der Postmoderne, gesehen nach der Postmoderne und mit Fragestellungen, die um den Umgang mit der Architektur, mit ihrem Abriss oder ihrer Rekonstruktion und dem Nostalgischen kreisen.

Die eigentliche Ausstellung von KONSORTIUM im Wechselausstellungsbereich reflektiert derartige Gedanken. Die Struktur könnte nicht exakter sein. Die sechs Räume teilen sich in drei einzelne, mit Wandmalerei besetzte und drei gemeinsame, noch mit Objekten versehene Räume. Dazu gehört eine Sitzbank, die in den 1960er Jahre in der Kunsthalle Düsseldorf stand und von dort in den benachbarten „Salon des Amateurs“ wechselte, aber bereits in der ersten Ausstellung von KONSORTIUM verwendet wurde. Von der Sitzbank aus ist eine Wandzeichnung zu betrachten. Die linearen Flächenformen überlagern sich, bleiben aber als drei übereinander liegende Grundrisse zwischen Platzanlage und Architektur zu erkennen. Von hier aus ist  im ersten Raum das Podest mit den konstruktiven Elementen neu zu lesen, bis die Dreiteiligkeit als roter Faden – neben der gesellschaftlichen Rolle von Architektur, der Befragung der Ausstellung und der Textur der 1960er/70er Jahre –  wieder in die anderen Räume leitet.

KONSORTIUM – TRIUMVIRAT bis 26. Mai im Märkischen Museum Witten,
Husemannstraße 12 in 58452 Witten, Tel. 02302 581 25 50

TH

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