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Architektur in Düsseldorf: Sehr viele Tore, aber zu wenige Bälle

Die biograph Ouvertüre Oktober 2019

„Ich mach dich rund“, lautet eine veritable Drohung, die nahelegt, die Entschlossenheit des Gegenübers einer genaueren Prüfung zu unterziehen, weil man andernfalls nicht vorbereitet ist auf das folgende Ungemach, das durchaus geeignet sein könnte, die persönliche Physis zu beeinträchtigen. „Ich mach dich rund“ gehört also nicht zu den Phrasen, die man als zivilisierter Gemeinwesenangehöriger in die Liste der beliebten Redensarten aufnehmen sollte. Trotzdem kann „Ich mach dich rund“ jenseits des Floskelhaften durchaus eine Wendung sein, die man gewissen Zeitgenossen gerne mal ins Aufgabenbuch schreiben möchte.
Zum Beispiel Architekten, Stadtplanern und Bauherren, die derzeit emsig damit beschäftigt sind, ein neues urbanes Bild zu zeichnen. Schaut man sich mal an, was in jüngster Zeit so an Bauten emporspross und was noch alles geplant ist, dann kommt man nicht umhin, eine gewisse Liebe zum Eckigen zu konstatieren. Scharfe Kanten aus Metall, Beton und Glas sind die Regel, sanfte Rundungen die Ausnahme. Würde heute die Tonhalle neu gebaut, wäre sie wahrscheinlich ein Quadrat. Und der Landtag gliche einem Schuhkarton.
Natürlich gibt es Ausnahmen, die noch Rundungen beinhalten, beispielsweise die Gehry-Bauten oder das GAP 15. Der Kö-Bogen ist auch so eine Ausnahme. Man muss diesen Klotz nicht schön finden, aber schön abgerundet ist er. Der kürzlich verstorbene Rundungskünstler Luigi Colani fände das bestimmt faszinierend.
Schaut man aber mal in die Fläche, in all die Höfe und Quartiere, die derzeit an jeder Ecke entstehen, so stößt man doch sehr rasch auf Einheitsbauten aus der eckigen Fraktion. Kaum noch Platz für den Luxus, den das Runde bedeutet, für sanft wogende Formen, für anschmiegende Ästhetik. Um es mal an den Fußballjargon anzulehnen: Es gibt sehr viele Tore, aber zu wenige Bälle.
Nun ist es keineswegs so, dass das Geld fehlte. Das, was gerade eckig emporwächst, zeugt oft vom üppigen Einsatz der Mittel. Gespart wird woanders. Nur eckig muss es halt sein. Ob das an der zunehmenden Rundlichkeit der in den eckigen Bauten wohnenden Menschen liegt, lässt sich schwer sagen. Aber eine kleine Theoriediskussion wäre es schon wert.
Es stellt sich aber die Frage, wie die Menschen in 20 Jahren auf die Eckbauten blicken werden, wenn die Fusselbärte wieder aus den Gesichtern verschwunden sein dürften und die Jeans nicht mehr so arg skinny ausfallen. Kommt dann möglicherweise die Phase, in der ein Leiden einsetzt, weil eben alles nur noch eckig ist, weil das Runde zur Mangelware verkommt?

Eine Stadt lebt von den Menschen, und die Menschen leben in den Häusern, die nicht nur praktisch sein sollten, sondern im Idealfall auch den Geist beflügeln. Wie aber soll etwas beflügeln, das eher einer Wüste als einem blühenden Garten der Vielfalt gleicht? Es soll nicht behauptet werden, dass sich nur im Runden gut leben lässt, aber die These, dass das Eckige alleinseligmachend sein könnte, erscheint auch eher abwegig.
Insofern ist es an der Zeit, dass Architekten, Stadtplanern und Bauherren sich morgens einmal vor ihren Schreibtisch stellen, auf ihre Pläne blicken und dann sagen: „Ich mach dich rund.“ Der Stadt wäre damit viel geholfen. Und den Menschen sowieso.

Hans Hoff

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