»Seit Monaten lebe ich nicht mehr, daure nur fort zwischen Büro und Physiologie, in einem tiefinneren Stillstand des Denkens und Fühlens. Unglücklicherweise verschafft mir dies nicht einmal Ruhe: In der Fäulnis liegt Gärung.«
Wer hier so poetisch den Seufzer eines frustrierten Arbeitnehmers ausstößt, ist Bernardo Soares. Und der wiederum ist eines der vielen literarischen Ichs, derer sich der große portugiesische Schriftsteller Fernando Pessoa bedient.
Bernardo Soares ist Hilfsbuchhalter in einem Stoffgeschäft in Lissabon. Er wohnt in einem möblierten Zimmer, arbeitet die meiste Zeit und empfindet das Leben als eine einzige Zumutung. Sein Fluchtversuch aus der Eintönigkeit ist das Schreiben – und so notiert er in seiner kargen Freizeit seine Beobachtungen, Gedanken und Träume: »Die wahren Landschaften sind jene, die wir uns erschaffen. Nicht einer der sieben Teile der Welt interessiert mich so, daß ich ihn wirklich sehen möchte; ich bereise den achten, und er ist mein.«
»Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares« – so der volle Titel – versammelt die Hunderten Notizen dieses kleinen Mannes. Und entwirft dabei ein großes Panorama der irdischen Existenz. Pessoas Schilderungen der menschlichen Unruhe sind ein überwältigender und zutiefst zärtlicher Text über Erkenntnis, über das Sehen, das Empfinden, das Denken. Es ist ein Buch »von so grundstürzender Weisheit, dass man aufjauchzen möchte!« (Denis Scheck).
Fernando Pessoa, der im Lissabon des frühen 20. Jahrhunderts als kleiner Handelsangestellter arbeitete und zeit seines Lebens für die Schublade schrieb, zählt heute zu den Säulenheiligen der europäischen Literatur und ist einer der Nationaldichter Portugals. Er verstarb 1935. Sein 1982 postum erschienenes »Buch der Unruhe« muss zu den Jahrhundertwerken gerechnet werden.
Die Regisseurin Luise Voigt arbeitete zuletzt am Schauspiel Frankfurt und am Hamburger Thalia Theater und ist dem Düsseldorfer Publikum durch ihre viel beachtete Inszenierung von Büchners »Woyzeck« bekannt. Sie inszeniert Pessoas liebevolle Menschheitsnotizen mit einem achtköpfigen Ensemble und mit großer Bildstärke als schweifendes Nachdenken über unsere Wahrnehmung.
Das Buch der Unruhe von Fernando Pessoa
Premiere im Großen Haus am 28.3.
Mit: Cathleen Baumann, Caroline Cousin, Moritz Klaus, Yascha Finn Nolting, Jürgen Sarkiss, Fnot Taddese, Sebastian Tessenow, Friederike Wagner
Regie: Luise Voigt
Bühne und Kostüm: Maria Strauch
Choreografie: Tony De Maeyer
Videodesign: Stefan Bischoff
Musik: Frederik Werth
Dramaturgie: Robert Koall
D‘haus
Gustaf-Gründgens-Platz 1
40211 Düsseldorf
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Telefon (Zentrale) 0211. 85 230
info@duesseldorfer-schauspielhaus.de
www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

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