Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 1 2 3 4

12.677 Beiträge zu
3.888 Filmen im Forum

Paula Paul & Andras Meneses Sousa PANDORA
Foto: Thomas Lambertz

Im Blick, in der Schwebe

Zwei Uraufführungen am tanzhaus nrw

Im Oktober zeigt das tanzhaus nrw mit PANDORA  (09.10. + 10.10.) und Hang Time: The Niggaz’ I-Ching (16.10. + 17.10.) zwei Uraufführungen, die Körper ganz unterschiedlich in den Blick nehmen: als Körper, die einander tragen und verlieren, und als Körper, die betrachtet, begehrt und gelesen werden. Zwei intensive Tanzstücke, bei denen einiges in Be­we­gung gerät. Zu beiden Stücken gibt es im Anschluss Künstler*in­nen­gespräche.

Glamour, Begehren und Fantasie liegen in der Luft, wenn Paula Pau und Andras Meneses Sousa die Kleine Bühne in eine zeitgenössische Büchse der Pandora verwandeln. Im Zentrum steht Pau als Show­­girl: schillernde Bühnenfigur, Projektions­fläche und selbstermächtigte Performerin zu­gleich. Pau verbindet Elemente des thailändischen Cabarets mit Showtanz, chinesischer Oper und rituellen Praktiken. Was zunächst wie ein glamouröses Spektakel erscheint, wird zur Untersuchung des Blicks: Wie entstehen Identitäten durch die Erwartungen anderer? Und wie viel Macht liegt darin, gesehen zu werden – und sich diesem Blick zu entziehen?
Gemeinsam mit Sousa entwickelt Pau einen Bühnenraum, in dem Sicht­barkeit, Macht und Handlungsspielräume ständig in Bewegung geraten. Die Bühne trennt die reale Person von der Figur, die sie verkörpert – und macht gerade dadurch sichtbar, wie fragil und wandelbar Identität sein kann. Aus dem Mythos der Pandora entsteht ein Spiel zwischen Begehren und Kon­trolle, Fantasie und Realität, Selbstinszenierung und Fremd­­zuschreibung.

Für den Sound sorgt die experimentelle Sängerin, Song­wri­terin, Pro­du­zentin, Performerin und Multi-Instrumentalistin Trace Polly. In ihrer körperlich und emotional eindringlichen Musik treffen Saiten­ins­tru­mente auf Alltagsgegenstände wie Haar- und Näh­ma­schi­nen oder Sexspielzeug. So entsteht ein Sound­kos­mos, der den Bühnen­raum unter Spannung setzt.
Pandora fragt: Wer schaut? Wer wird gesehen? Und wer entscheidet darüber, was zu sehen ist?
Abhängen kann vieles bedeuten: sich treiben lassen, an etwas festhalten, erschöpft sein – oder buchstäblich in der Luft hängen. Beim Basketball bezeichnet ‚Hang Time’ den Moment, in dem ein Körper nach dem Ab­sprung länger als erwartet in der Luft zu schweben scheint. In Hang Time: The Niggaz’ I-Ching nimmt der Choreograf Malik Nashad Sharpe diese Mehrdeutigkeit zum Ausgangspunkt für eine intensive Auseinander­set­zung mit Trauer, mentaler Gesundheit und den Bruch­stellen männlicher Gemeinschaften. Ausgangspunkt sind Schwarze und karibische Erfah­rungs­geschichten.
Unter dem Alias Marikiscrycrycry entwickelt Sharpe choreografische Wel­­ten zwischen Horror, Fantasy und sozialer Reali­tät. Seine Bewe­gungs­sprache verbindet soziale und kommerzielle Tanzformen mit zeitgenössischer Choreografie und treibt die Körper immer wieder an ihre Gren­zen. In Hang Time werden sie zu Körpern, die voneinander abhängen: Die Per­for­mer*innen tragen einander, verlieren einander, halten durch.

Auch Cornrows und Braids werden zu choreografischen Zeichen. Sie stehen für Schutz, Codierung und Verbindung, können Orientierung geben und Spuren hinterlassen – und sich unvermittelt in ein Seil verwandeln. Zwischen Soca und Bouyon, Ritual und Gathering entsteht ein Zustand zwischen Schwebe und Heimsuchung. Sharpe untersucht, was Gemein­schaft zusammenhält, wenn Verletzlichkeit keinen selbstverständlichen Platz hat. Und was bleibt in der Luft, nachdem jemand verschwunden ist. 2024 war Sharpe bereits mit DARK, HAPPY, to the CORE am tanzhaus nrw zu Gast – das Ensemble wurde frenetisch gefeiert. Mit Hang Time kehrt er nun für eine neue Uraufführung auf die Große Bühne des tanzhaus nrw zurück.

Erlebe Tanz in Düsseldorf: www.tanzhaus-nrw.de

Neue Kinofilme

Emil und die Detektive

Bühne.