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Deutsche Oper am Rhein Lichttechnik Ballett
Foto: Andreas Enderman

Vorhang auf für einen aufregenden Opernherbst

Die Deutsche Oper am Rhein lockt mit Wagner, zeitgenössischem Ballett und Entdeckungen für die ganze Familie.

Der Auftakt verlief anders als geplant, doch jetzt nimmt die Saison an der Deutschen Oper am Rhein Fahrt auf. In Düsseldorf geben Wagners „Meistersinger“ und der Ballettabend „Forsythe / Eyal“ den ersten Premieren den Ton an. Eine neue Familienoper und großes Kino mit Live-Musik machen Lust, das Haus auch von anderen Seiten kennenzulernen. Und ein Blick auf den Duisburger Spielplan lohnt sich gleich mit.

Wer bestimmt, was Kunst darf? Wie viel Tradition braucht sie, wie viel Freiheit verträgt sie? Und was passiert, wenn jemand die vertrauten Regeln einfach über den Haufen singt? Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ stellen Fragen, die weit über die Opernbühne hinausreichen. Am 17. Oktober feiert Daniel Kramers Neuinszenierung im Opernhaus Düsseldorf Premiere. Knapp zwei Wochen später, am 30. Oktober, zeigt das Ballett am Rhein mit „Forsythe / Eyal“, wie lustvoll sich auch im Tanz Grenzen verschieben lassen. Der Opernherbst nimmt Fahrt auf.

Dabei hatte die Spielzeit anders begonnen als erhofft. Statische Mängel an Teilen der Trägerkonstruktion im Bühnenturm machten zunächst Sicherungsmaßnahmen notwendig. Das Theaterfest und die gesamte Düsseldorfer Serie von „Madama Butterfly“ mussten entfallen, die „Meis­ter­­singer“-Premiere wurde verschoben. Seit Ende September wird aber endlich wieder auf der großen Bühne gespielt.

Mit der Sicherung des Bühnenturms sind die Arbeiten am Haus allerdings nicht abgeschlossen. Nach dem Stopp der Neubauplanungen geht es um die Zukunft des bestehenden Opernhauses an der Heinrich-Heine-Allee. Die städtische Immobiliengesellschaft IPM bereitet weitere notwendige Maßnahmen vor, unter anderem am Foyerdach, an Heizung und Lüftung sowie beim Brandschutz. Hinzu kommen laufende Instandhaltungsarbei­ten. Ziel ist, den Spielbetrieb in den kommenden Jahren zu sichern.
Parallel soll eine Machbarkeitsstudie klären, welche weitergehenden Sanierungen für eine langfristige Nutzung erforderlich sind. Damit geht es auch um die Perspektive über die nächsten Reparaturen hinaus: Wie kann das Haus dauerhaft ein Ort für Oper und Ballett bleiben?

Auf der Bühne gibt es derweil viel zu entdecken. In seiner „Meistersinger“-Inszenierung nimmt sich Daniel Kramer einer Stadtgesellschaft an, die sehr genau zu wissen glaubt, was Kunst darf und wer dazugehört. Dann kommt einer, der die Regeln nicht beherrscht, aber etwas zu sagen – und zu singen – hat. Zwischen dem jungen Walther von Stolzing, Eva, dem Dichter und Schuster Hans Sachs und dem eifrigen Regelhüter Beckmesser entfaltet sich ein Konflikt, der über den Sängerwettstreit weit hinausweist. Kramer fragt nach der Macht von Traditionen und nach dem Moment, in dem Gemeinschaft in Ausgrenzung umschlägt. Ein Abend, der Gesprächsstoff verspricht.

Zwei starke künstlerische Handschriften begegnen sich beim Ballett am Rhein in „Forsythe / Eyal“. William Forsythes „In the Middle, Somewhat Elevated“ treibt die klassische Tanztechnik mit enormer Energie an ihre Grenzen. Sharon Eyals „Strong“, gemeinsam mit Gai Behar entstanden, führt in eine andere körperliche Intensität: Elektronische Beats und sich wiederholende Bewegungen entwickeln einen Sog, der an die Erfahrung einer langen Clubnacht denken lässt.

Für Familien öffnet sich am 14. November „Die Mitternachtstür“: Die neue Oper von James Reynolds und Pamela Dürr nach Dave Eggers’ Roman entführt in eine geheimnisvolle Welt, in der zwei Kinder ihre Stadt retten wollen. Mizgîn Bilmen inszeniert das fantastische Abenteuer über Freundschaft und Zusammenhalt für alle ab acht Jahren. Große Opernklänge treffen auf die Spannung einer Fantasygeschichte.

Wer im Dezember einen Abend mit Witz und musikalischem Schwung sucht, ist bei Paul Abrahams „Märchen im Grand-Hotel“ richtig. Ab dem 5. Dezember verwandelt sich die Düsseldorfer Bühne in eine südfranzösische Hotellobby, in der eine amerikanische Filmproduzententochter auf exzentrische Aristokraten und höchst filmreife Verwicklungen trifft. Jazz, Tango, Foxtrott und Walzer liefern den Soundtrack. Michaela Dicus Inszenierung verbindet Operette mit dem Vergnügen an einer Geschichte, in der sich alle ein bisschen wichtiger nehmen, als ihnen guttut.

Am 28. Januar wird das Opernhaus zum Kinosaal: Zum 100. Geburtstag von Fritz Langs „Metropolis“ spielt die Düsseldorfer Band Kreidler live ihren neuen Soundtrack zum Stummfilmklassiker. Monumentale Zukunftsbilder treffen auf elektronische Klangkunst – ein Abend für Filmfans und alle, die ihre Oper einmal anders erleben möchten.
Später in der Saison locken Puccinis „Manon Lescaut“ ab dem 13. Februar, Janáceks „Jenufa“ ab dem 14. Mai und Boitos „Mefistofele“ ab dem 3. Juli. Marcelo Gomes’ neue Fassung von „Don Quijote“ folgt am 5. Juni. Für Familien steht ab dem 9. April außerdem „Pinocchio“ auf dem Programm.

Und Duisburg? Gehört unbedingt dazu. Dort eröffnete das Ballett mit „Grey Area“ die Saison: ein Abend mit Choreographien von Bridget Breiner, David Dawson und Lesley Telford. Ab dem 3. Oktober ist Alexander Zemlinskys „Der Kreidekreis“ in David Böschs Inszenierung zu sehen: eine musikalisch schillernde Geschichte über Willkür und Gerechtigkeit. Leonard Bernsteins „On the Town“ bringt ab dem 7. Oktober New Yorker Großstadtenergie ins Theater Duisburg. Gute Gründe also, in dieser Saison auch einmal die Nachbarstadt anzusteuern.

www.operamrhein.de

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