
Palästina 36
Frankreich, Katar, Palästinia, Saudi-Arabien, Großbritannien, Jordanien 2025, Laufzeit: 119 Min., FSK 16
Regie: Annemarie Jacir
Darsteller: Hiam Abbass, Kamel El Basha, Jalal Altawil
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Starker Beitrag zu Nahost mit einer ungewöhnlichen Perspektive: Indem er den Anfang des Konflikts aus palästinensischer Sicht erzählt, macht der Film unmissverständlich klar, dass wir Europäer eben nicht nur unbeteiligte Beobachter sind. Mitreißend und vielschichtig.
Palästina 1936: Immer mehr Dörfer erheben sich gegen die britische Kolonialmacht, die ihren Einfluss mit Gewalt durchsetzt. Gleichzeitig drängen europäische Juden, die vor dem Nationalsozialismus geflohen sind, in die Region. Ein junger Mann versucht, sich in der High Society Jerusalems für sein gebeuteltes Heimatdorf einzusetzen. Eine junge Frau mit akademischem Background versucht als Journalistin unter männlichem Pseudonym, im immer größeren Chaos Aufklärung zu leisten. Schließlich fallen die ersten Schüsse und alle müssen entscheiden, wo sie stehen...
Raffiniert erzählt der Film vom Vorabend des Arabischen Aufstands aus der Sicht verschiedener Figuren aus ganz unterschiedlichen Schichten und schafft so ein umfassendes Stimmungsbild. Die "Bösen" sind hier die Briten, die auch die Teilung des Landes einfach mit Gewalt durchsetzen, ohne zwischen den Parteien zu vermitteln. Bezeichnenderweise bleiben die jüdischen Siedler selber dabei Fremde am Horizont. Vor allem in den britischen Rollen zum Teil prominent besetzt (u.a. Jeremy Irons) eine emotionale Geschichtsstunde.
(Daniel Bäldle)