
Andor Hirsch
Ungarn, Frankreich, Deutschland, Großbritannien 2025, Laufzeit: 133 Min., FSK 12
Regie: László Nemes
Darsteller: Bojtorján Barabas, Andrea Waskovics, Grégory Gadebois
Der Traum vom strahlenden Vater: Poetisches Historiendrama über einen Jungen, der im Ungarn der Fünfziger zwischen Weltkriegstrümmern und sowjetischer Besatzung seine Identität sucht.
Andor Hirsch ist im Waisenhaus aufgewachsen, bis ihn seine Mutter nach dem Krieg dort wieder abgeholt hat. Sein Vater ist in ihren Erzählungen ein verschollener strahlender jüdischer Held, im Keller betet er heimlich zu ihm und fleht ihn an zurückzukehren. Während die Verhältnisse auf den Straßen sich nach dem misslungenen Volksaufstand zuspitzen und die Unterdrückung durch die sowjetische Besatzungsmacht immer spürbarer wird, träumt Andor von einem Leben im Theater, für das auch sein Vater gearbeitet hat. Bis plötzlich ein grobschlächtiger Metzger auftaucht und Anspruch auf ihn und seine Mutter erhebt...
László Nemes (SON OF SAUL) arbeitet sich in seinen Filmen an der ungarischen Geschichte ab, diesmal lose anhand der Biografie seines eigenen Vaters. Wie zuvor fasst er sie dabei in wunderschöne, liebevoll historisch ausgestaltete Sepia-Bilder, die gerade in kindlicher Perspektive zwischen Theater und einem Finale auf dem Jahrmarkt zugleich auch etwas Traumartiges haben. Sein junger Protagonist zieht einen mit seiner entschlossenen Ernsthaftigkeit sofort in den Bann, Grégory Gadebois (LES MISERABLES) glänzt raubeinig daneben.