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Der wilde Schlag meines Herzens
Frankreich 2005, Laufzeit: 107 Min., FSK 16
Regie: Jacques Audiard
Darsteller: Romain Duris, Aure Atika, Emmanuelle Devos, Niels Arestrup, Jonathan Zaccaï, Linh Dan Pham, Melanie Laurent, Anton Yakovlev, Gilles Cohen

Ein Immobilienmakler der unfeinen Sorte, das ist der junge Tom. Er lebt in einer Welt, in der man seine Geschäfte mit Gewalt durchsetzt. Eines Tages entdeckt er die Liebe zum Klavierspiel wieder und wird zum Wanderer zwischen zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Basierend auf dem amerikanischen Film "Fingers" aus den späten 70er-Jahren entwirft Regisseur und Autor Jaques Audiard das faszinierende Psychogramm eines jungen Mannes auf der Suche nach seinem wahren Ich. Es ist weniger der Schlag seines Herzens, welcher Tom antreibt, sondern ein zweites Herz, dass in seiner Brust immer schon geschlummert hat und plötzlich wieder wild zu schlagen beginnt. Das eine verdankt er seinem halbseidenen Vater, der selbst im Alter nicht davor zurückschreckt, ihn zu Gewalttaten anzutreiben; das andere gehört seiner verstorbenen Mutter, die als Konzertpianistin erfolgreich war und ihm die Liebe zur Musik beigebracht hat. Als er bei einer Tour durch das nächtliche Paris zufällig den ehemaligen Konzertagenten seiner Mutter wieder trifft, der ihn zu einem Vorspielen einlädt, ist für Tom die Möglichkeit, wie seine Mutter eine erfolgreiche Musikkarriere zu machen, in greifbare Nähe gerückt. Er sieht in dem Angebot eine Chance, seinem bisherigen Leben zu entkommen und ergreift sie: Er nimmt Unterricht bei der Klavierspielerin Miao-Lin und damit beginnen ganz neue Probleme: Nicht nur, dass die nur vietnamesisch spricht, so dass sie sich lediglich durch die Musik verständigen können - Tom gerät auch mehr und mehr in Konflikt mit seinen Freunden und seinem Beruf sowie mit seinem Vater, dessen Forderungen er immer weniger zu erfüllen bereit ist. Als der schließlich von einem zahlungsunwilligen Schuldner umgebracht wird, muss Tom sich entscheiden, ob er auf dem Weg der Gewalt bleiben will oder sich ganzen Herzens der Musik und der Liebe verschreiben soll... Dem Remake als solchen haftet ja meist ein übler epigonenhafter Geruch an, doch Jacques Audiard gewinnt dem hierzulande kaum bekannten Original von James Toback ganz neue Aspekte ab. Dass er psychologisch ausgefeilte Geschichten schreiben kann, hat Audiard schon 1982 beim Drehbuch von "Das Auge" mit Michel Serrault gezeigt. In "Der wilde Schlag meines Herzens" verschiebt er nun konsequent den Fokus von italoamerikanischer Milieustudie der späten 70er-Jahre in Richtung psychologischer Entwicklungsgeschichte der europäischen Jetzt-Zeit. Romain Duris ("L' auberge espagnole") verkörpert eindrucksvoll den zerrissenen Helden irgendwo zwischen aggressiver Electro-Musik und Bachs Toccata in E-Moll. Fast beiläufig entwickelt sich dabei auch eine Liebesgeschichte. In den Kategorien des Genre-Kinos könnte man "Der wilde Schlag meines Herzens" einen modernen "film noir" mit hellen Tupfen nennen.

(Eric Horst, playtime by biograph)

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