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Wiener Dog

Wiener Dog
USA 2016, Laufzeit: 90 Min., FSK 12
Regie: Todd Solondz
Darsteller: Greta Gerwig, Charlie Tahan, Danny DeVito, Ellen Burstyn, Julie Delpy, Kieran Culkin
>> www.wiener-dog.de

In „Wiener Dog“ zeigt uns Todd Solondz („Willkommen im Tollhaus“) in vier aberwitzigen Episoden die Abgründe des „American Way of Life“ aus Sicht eines Dackels. Mit schrägem Humor und einem höchst prominenten Cast wird Solondz auch dieses Mal seinem Ruf als Ausnahmeregisseur mit Sinn fürs Absurde mehr als gerecht.

 

So sieht es also aus, wenn Todd Solondz einen Hundefilm macht. Seinem tierischen Protagonisten fehlt Lassies Anmut und Benjis Niedlichkeit. Es ist ein Dackel, von Amerikanern aufgrund seiner wurstigen Erscheinung auch „Wiener-Dog“ genannt, der scheinbar emotionslos durch sein trauriges Leben tapert. Er wird von einem Herrchen/Frauchen zum nächsten gereicht, bis er letztendlich zur Karikatur seiner selbst wird. Solondz lässt ihn weder zum Zuschauer sprechen, noch zum Helden werden. Er ist vielmehr Katalysator für die Gefühle der Menschen, die ihn bei sich haben.

In der ersten Episode ist es ein kleiner Junge, für den der Dackel zum wichtigen Gesprächspartner wird, weil er im Gegensatz zu den Eltern weitestgehend den Mund hält. Die Hinterseite bleibt leider nicht fest geschlossen, und so eskalieren die Probleme mit der Stubenreinheit nach ein paar verfütterten Müsliriegeln in einem Schwall von Hundekot. Das kostet dem Dackel fast das Leben, doch Tierarzthelferin Dawn flieht mit ihm kurz vor der Einschläferung. Wer nun bei dem Namen Dawn an Solondz Erstling „Willkommen im Tollhaus“ denkt, liegt goldrichtig. Aus dem kleinen neurotischen Mädchen Dawn Wiener, die gerne als „Wiener Dog“ verspottet wurde, ist eine neurotische junge Frau geworden (nun gespielt von der wunderbaren Greta Gerwig). Auf ihrem Weg trifft sie einen ehemaligen Klassenkameraden mit gewaltigen Drogenproblemen und landet bei dessen Bruder und seiner Frau, die beide an der Behinderung Trisomie 21 leiden. Dort bleibt dann der Dackel, bis er irgendwie beim desillusionierten Drehbuchautor und Filmprofessor Schmerz (Danny DeVito) landet. Der hat seine besten Zeiten bereits hinter sich und wird weder von seinen Agenten noch von seinen Schülern ernst genommen, bis er auf eine selten bescheuerte Idee kommt. In der letzten Episode findet der Dackel bei der schrulligen alten Nana (Ellen Burstyn) ein neues Heim. Die lebt in einem einsamen Haus ein tristes Leben mit ihrer Pflegerin, bis sie mal wieder Besuch von ihrer Enkelin und deren Freund, dem seltsamen Künstler Fantasy, bekommt. Sie weiß schon, dass dieser seltene Besuch bedeutet, ihr Scheckheft zu zücken. Doch wer hätte gedacht, dass der Dackel, der seltsame Künstler und die Erinnerung an vertane Chancen irgendwie zusammen hängen...

Mit „Wiener Dog“ zeigt Todd Solondz, der sich zwischen seinen Filmen viel Zeit lässt, erneut sein Händchen für skurrile Ereignisse und einen mehr als abgründigen Humor, der ganz ohne Schenkelklopfer auskommt, aber von großer Weisheit über das Wesen der Welt und den Schmerz der menschlichen Existenz gespeist ist. Dabei überrascht er mit originellen Ideen, die die Erwartungshaltung des Zuschauers immer wieder brechen. Schon in „Palindrome“ ließ er seinen Protagonisten von acht höchst unterschiedlichen Schauspielern verkörpern. Hier erlaubt er sich, die Mitte des Films mit einer Animationssequenz zu huldigen. Seit Monty Pythons „Der Sinn des Lebens“ wurde der Mitte des Films nicht mehr so viel Ehre erwiesen. „Wiener Dog“ ordnet sich ganz in Solondz' filmisches Universum ein und ergänzt es um eine neue Facette der Unglaublichkeit. Eine höchst amüsante Reise in eine absurde Welt.

(Eric Horst)

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