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The Program – Um jeden Preis

The Program – Um jeden Preis
Großbritannien, Frankreich 2015, Laufzeit: 103 Min., FSK 0
Regie: Stephen Frears
Darsteller: Ben Foster, Chris O'Dowd, Guillaume Canet
>> www.theprogram.de/

Größenwahn galt schon immer als eine vieler Konnotationen für wahre Größe, so auch in Stephen Frears ("Die Queen") hochaktuellem Tatsachenfilm über den größten Dopingskandal unserer Zeit. Schweißtreibend sind hier nicht nur allein die exzellent gefilmten Radrennszenen der Tour de France, sondern auch die Aufdeckung des gigantischen Netzwerks aus Lügen um den Radrennprofi Lance Armstrong durch den hartnäckigen Journalisten David Walsh. Ein perfides Werk über die Ausmaße skrupellosen Ehrgeizes, die Stilisierung vermeintlicher Helden und den häufig dahinterliegenden, unbequemen Wahrheiten.

Sie lügen alle - dessen ist sich David Walsh (Chris O´Dowd) sicher. Dass er recht hat, ist von Anbeginn an klar. Frears skizziert Lance Armstrong (Ben Foster) als einen Mann, der für nichts Anderes zu leben scheint, als für den Kampf zur Spitze, deren Erreichen er sich fest in die Hirnwände eingebrannt hat. Der Krebs, den der junge Radfahrer in jungen Jahren besiegt, scheint ihn nur noch heißer anzuspornen, aus dem Mittelmaß hervorzubrechen. Mithilfe von Aufputschmitteln, die sich im Blut nicht nachweisen lassen, stellt Armstrong ein Team zusammen, welchem es gelingt, die strengen Dopingkontrollen der Tour de France zu hintergehen. Binnen kürzester Zeit steigt der vom Siegeswillen Getriebene zur umstrittenen und von Abertausenden angehimmelten Kultfigur auf. Sein Leben vor dem Rennsport und andere private Aspekte Lance Armstrongs werden höchstens angebrochen und nicht weiter vertieft. Dies könnte man als Schwäche des Films abtun, wenn es nicht zeitgleich Armstrongs strebsamen Charakter adäquat unterstreichen würde, denn angenehme Begleiterscheinungen des Ruhms, wie beispielsweise ein erfülltes Liebesleben, scheinen hier in der Tat nur Nebensächlichkeiten für den rigorosen Narzissten zu sein. Für kleinere Romanzen und andere Bagatellen findet Frears keinen Platz in diesem biographischen Drama, das er als regelrechten Thriller aufzieht. Fokussiert wird einzig der Weg zum Triumph, sowie der nachfolgende Absturz. Die nebulöse Motivation unbedingt herausstechen zu wollen, erscheint in diesem Fall wie ein buchstäblicher Zwang. Als wahrer Glücksfall in der Besetzung erweist sich Ben Foster in seiner ersten großen Hauptrolle. Die lodernde Ambition in seinen Augen wirkt gleichermaßen magnetisierend wie beklemmend. Sein starres, gekünsteltes Lächeln, die immerwährende Selbstkasteiung um seinen Körper auf das Optimum zu trimmen, die mit Allem einhergehenden Selbstzweifel, die aus den rabiaten Selbsteinforderungen resultieren, transportiert er perfekt und machen ihn möglicherweise sogar oscarverdächtig. "Seven Deadly Sins" heißt die Vorlage, auf welcher der Film aufbaut und die vom Journalisten David Walsh verfasst wurde, nachdem die große Täuschung um Lance Armstrong durch seine unermüdliche Nachforschung aufgeklärt wurde. Dem Radrennprofi wurden die errungenen Titel als Tour de France Gewinner letztendlich offiziell aberkannt. Stephen Frears rasantes und mitreißendes Portrait dieser spaltend charismatischen Persönlichkeit dürfte nicht nur für Sportbegeisterte von großem Interesse sein. In seiner Ausführung und dem gewaltigen Lügennetz, das hier gesponnen wird - und das durchgehende Suspense garantiert - erweist sich "The Program" zugleich als Parabel über die krankhafte Konkurrenzmentalität, sowie den ewigen Antrieb zu verbissener Höchstleistung, welcher sich in unserer heutigen Gesellschaft fraglos manifestiert hat. 

(Nathanael Brohammer)

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