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Silentium

Silentium
Österreich 2004, Laufzeit: 116 Min., FSK 16
Regie: Wolfgang Murnberger
Darsteller: Josef Hader, Simon Schwarz, Joachim Król, Maria Köstlinger, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Rosie Alvarez, Georg Friedrich, Anne Bennent, Luka Omoto, Johannes Silberschneider, Joachim Bissmeier, Karl Fischer, Wolfgang S. Zechmayer, Christoph Schlingensief, Herbert Fux

Meine Meinung zu diesem Film

TRINKENS EINEN MIT?
takeshi (40), 24.02.2006

DER BESTE FILM, DEN MEINE AUGEN IN LETZTER ZEIT SEHEN DURFTEN.
Und heute Abend dürfen sie nochmal...

ahhhh
mikemiller (6), 17.03.2005

Ok. Die hier geäusserten Meinung zeugen von sehr viel cineastischen know-how und ich gebe gerne zu, dass sich das meine darauf beschränkt, dass ich ungefähr weiss, wie man cineastisch schreibt. aber auch nur ungefähr.

der film ist wirklich brutal. darüber sollte man sich im klaren sein. als die leute der vorstellung vor uns aus dem film kamen fragte ich mich schon, warum die bloss alle so bedröppelt aussahen...man ist danach bedröppelt, damit sollte man rechnen.

es ist wirklich teilweise schon nicht mehr lustig. keineswegs sind die darstellungen zu reisserisch oder übertrieben, alles im rahmen plausibler parameter - aber dennoch in der summe ausgesprochen schwer zu verdauen. minutenlanges überbrühen mit heissem wasser (inkl. brandblasen in den gesichtern der positiven identifikationsfiguren), ein kind dass eine abgehakte hand unter einem tisch hervorzieht und völlig unter schock vor sich her trägt, diverse vergewaltigungen, auf richtig echt gemacht - aber was am schwersten wiegt: in keiner weise wird das dem einfachen menschen wie mir angebohrene gerechtigkeitsempfinden befriedigt. aber auch wirklich in nicht einer hinsicht. entsetzlich. nichts löst sich auf, nichts relativiert sich in irgendeinen höheren zusammenhang, den man lächelnd abnicken könnte. ganz im gegenteil. die natürliche sensible reaktion auf diesen film wäre sich zu übergeben.

kein fröhlicher film. cineastisch ausgereift eine tiefgehende und feingewobene darstellung menschlicher abgründe im Tatort-flair und wenn man sowas gerne sieht und einem das wohlmöglich alles noch völlig egal ist - bitte.

ich muss jetzt erstmal harald schmidt schauen.

ps: der film "the white diamond" in der BB lief in HDTV und ist wirklich eine richtige delikatesse. und danach möchte man sich auch nicht übergeben.

Salzburger Festspiele
Stonemaster (1), 14.03.2005

Eine erstaunlich gute Umsetzung von Wolf Haas
Buchvorlage, genau wie bei KOMM SÜSSER TOD, nur
das die erste Verfilmung mehr Richtung Komödie tendierte, man als Zuschauer von SILENTIUM hingegen
den Filmtitel oftmals wörtlich nimmt, denn das Gezeigte ist wiedermal eine Mixtur aus klaumauk-artigem österreicher Schmäh und bösartigstem menschlichem Abschaum, nicht etwa in der Gosse, sondern in der Opernschickeria zu Hause. Die Darsteller sind ausnahmslos grandios, allein Brenners Lebenswandel ist eine Augenweide für jeden Gesundheitsapostel.
Ein paar Klischees müssen schon sein, das Bild der Kirche ist, sagen wir mal, differenziert, und bei "derern Trotteln" von der Polizei kann einem Angst und Bange werden, steckt doch in jedem Klischee ein Körnchen Wahrheit (auch wieder so ein Klischee - wie beim Leberkas).

Brenners Recherchen im Auftrage einer Witwe, die dem Selbstmord ihres Mannes selig das "Selbst" abspricht, zusammen mit seinem Compagnon Berti sind derart verwirrend, das man förmlich nach jeder neuen Szene giert, die endlich mehr vom ganzen "Klüngel" preisgibt. Doch es gibt kein Erbarmen, ist ja auch eher eine neutestamentarische Erfindung, der Film beschreitet hingegen die altestamentarischen Pfade, kinderunverträglich jetzt quasi Hilfsausdruck. Hoffentlich nicht das letzte Mal

"Jetzt ist schon wieder was passiert, ..."

Einmal Osterlitsch, bitt? schön
juggernaut (162), 08.03.2005

In Sachen schwarzhumorige, gallig-bittere Krimi-Groteske haben die Ösis uns Piefkes einfach was voraus. Davon kann man sich derzeit beispielsweise jeden Sonntagnachmittag um drei auf 3sat überzeugen, wo die Wiederholungen der über 20 Jahre alten ?Kottan?-Folgen laufen ? mit einer der schönsten Knallchargen der Krimigeschichte, Polizeipräsident Pilch in der völlig losgelöst-enthemmten Verkörperung durch den großartigen Kurt Weinzierl. Oder man schaut sich ?Silentium" an ? mit dem ebenfalls, wenn auch auf völlig andere Weise, großartigen Josef Hader. Und was hat Hauptdarsteller Hader da zusammen mit seinen Ko-Autoren, Regisseur Wolfgang Murnsberger und Wolf Haas, dem Autor der Romanvorlage, in ?Silentium? zusammengerührt und aufgetischt: Ein rasantes, spannendes, augenzwinkerndes Spiel mit Verweisen auf jede Menge Hitchcock (z.B. Dusche, Flugzeugattacke), den film noir und seine Detektive sowie biblische Geschichte/n (Kreuzweg, Judaskuss), außerdem kurz vor Schluss noch eine irre Mixtur aus ?Butch Cassidy & the Sundance Kid? und ?Die Marx Brothers in der Oper?. Dazu überzeugt Joachim Król endlich einmal hundertprozentig als fiese Möpp, gibt?s ein kurzes Wiedersehen mit Megazinken Herbert Fux, spielt Christoph Schlingensief Christoph Schlingensief als ob?s Bayreuth und nicht Salzburg wär'. Gut, die Handlungslogik mag hin und wieder ein bisschen aus den Fugen geraten ? aber da befänden sich Haas, Hader & Co. in bester Gesellschaft mit einem der Urahnen dieser Art von Detektivgeschichten. Als während der Dreharbeiten zur Verfilmung von Raymond Chandlers ?Schwarze Serie?-Klassiker ?Der tiefe Schlaf? Diskussionen darüber aufkamen, welche Figur denn nun aus welchen Gründen den Chauffeur ermordet hatte, fragte Regisseur Howard Hawks kurzerhand beim Autor nach. Resultat: Chandler hatte selbst keinen blassen Schimmer.

Diese Mischung hier stimmt jedenfalls ? weitaus fröhlicher und ausgelassener, als man es an einem dieser ganz normal trüben Montagabende üblicherweise ist. Auch wenn, unterm Strich, in ?Silentium? natürlich am Schluss das Böse siegt. Und dieses Böse ist wirklich ziemlich böse und unappetitlich. Aber wir sind ja schließlich in Österreich;-)...Und dort bedankt man sich zu Ende des Abspanns auch artig bei den Firmen, die mit ihrer Unterstützung einen solchen Film erst möglich gemacht und so für das ziemlich dreiste, teilweise bis in die Dialoge reichende Product-Placement gesorgt haben. Also aufgepasst, wenn Joachim Król die Brause-Marke ansagt und Josef Hader auf eine Bierkasten-Pyramide klettert! Sie wissen ja, die Binnenkonjunktur...

Hier erscheint die Aufforderung!