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Peter Lindbergh, Sasha Pivovarova, Steffy Argelich, Kirsten Owen & Guinevere van Seenus, Brooklyn, 2015, s/w-Fotografie, © Peter Lindbergh (courtesy Peter Lindbergh, Paris)

Wie von nahem

Peter Lindbergh im Kunstpalast

Was für eine Wucht! Wie überwältigend sind doch diese Wände, tapeziert mit schwarzweißen Fotografien, die in ihrer Größe wie im Close-up wirken, dazu körnig und überhaupt in ihrem Look rauh anmuten. Dass auf den Fotos selbst viel Asphalt, Beton, aber auch Haut mit ihren Poren zu sehen ist: konsequent! Aber so ruppig sich das Geschehen auf den Bildern vom Betrachter abwendet, diesen ja doch ignoriert, desto mehr lockt es auch, wirkt verführerisch. Junge Frauen stehen im Zwielicht alleine oder zu mehreren auf der Straße oder in riesigen Hallen beieinander. Etliche der Aufnahmen wirken wie Film-Stills, in der Ästhetik den 1920er Jahren folgend. Und wenn die Frauen alleine im Zentrum der Darstellung stehen, verrenken sie mitunter ihre Körperglieder und lassen an den frühen Ausdruckstanz denken. Oder sie blicken uns – zumal bei den Porträts von Prominenten aus unterschiedlichen kulturellen Bereichen – lakonisch an. Überhaupt: Selbstbewusstsein und Natürlichkeit sind Kenn­zei­chen der Fotografie von Peter Lindbergh. Der Umraum wirkt oft bombastisch, doch auch dann ist er knapp gegeben, er verfügt über wenige Linien und lenkt nicht von den Personen selbst ab. Und selbst die narrativen Szenen kennzeichnet Sprachlosigkeit.

Die Ausstellung, die noch von Peter Lindbergh (1944-2019) für das Museum Kunstpalast konzipiert wurde, umfasst 140 fotografische Bilder seit den frühen 1980er Jahren, die er neu arrangiert hat. Neu ist eine filmische Installation am Ende der Ausstellungshalle, die in einer einzigen Einstellung einen in Florida zum Tode verurteilten Straftäter fokussiert – schweigend, von großer Intensität. Sie wirft Fragen der Schuld, der Einzigartigkeit des Lebens und der Verant­wortung auf: Aspekte, die Lindberghs ganzes, so nachdenkliches Werk auszeichnen. Ein Modefotograf im herkömmlichen Sinne war er jedenfalls nicht, vielleicht war er deshalb in dieser Branche so erfolgreich und berühmt.

Düsseldorfer Feuilletonist_innen haben versucht, den in Paris lebenden Lind­bergh für die Landeshauptstadt zu vereinnahmen, sogar von einem eigenen Museum im Köbogen war mal die Rede. Aber Lindbergh war lediglich während seiner Ausbildung zum Fotografen hier tätig, danach hat er hier nur noch ausgestellt: bei Hans Mayer und zuletzt vor wenigen Jahren im NRW-Forum. Schon dort wurde er als internationaler Fotograf – im Dialog mit Garry Wino­grand – gewürdigt. Und wenn in seinem Werk Prägungen zum Ausdruck kommen, dann gewiss zu Duisburg und zum Ruhrgebiet mit seiner Stahlindustrie, dort wo er aufgewachsen ist.

Peter Lindbergh – Untold Stories
bis 1. Juni im Kunstpalast, Ehrenhof Düsseldorf, www.kunstpalast.de

TH

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