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Carsten Nicolai, Unicolor, 2014, Installationsansicht K21 Düsseldorf, © Künstler, Kunstsammlung NRW, courtesy EIGEN + ART und Pace Gallery
Foto: © Achim Kukulies, Düsseldorf

Sehen, Hören, Spüren

Carsten Nicolai im K21 im Ständehaus

Was ist, wenn der Mensch und seine Umwelt nicht mehr in vertrauten Lebens­formen vorkommen und stattdessen eine weiße Weite mit schwarzen Raster­punkten den Raum erfüllt? - Es ist sehr eindrucksvoll, wie Carsten Nicolai den Wechselausstellungsbereich im K21 gestaltet hat. Ein wenig schließt seine Präsentation an die Filmvorführungen im damals leeren, dunklen Untergeschoss an, die der Eröffnung des Ständehauses 2002 vorausgingen, etwa mit Douglas Gordon‘s „24 Hour Psycho“ in extremer Dehnung von Hitchcocks Thriller.

Auch bei Carsten Nicolai wird Zeit zu einer Dimension von einem anderen Stern. Das Setting im K21 erinnert an Science-fiction-Filme von Tarkowskij oder Kubrick, schon der weiße Boden verfremdet jedes vertraute Raumgefühl. Aus­gestellt sind rund 40 Werke zwischen 2000 und 2019. Gemeinsam ist die Arbeit mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ihrer Visualisierung, häufig aus­­­ge­führt anhand von Symmetrien und optischen Verschiebungen in der Bewegung. Etwa bei den beiden Rhomboedern, die in weiß bzw. schwarz Sound bzw. ein brummendes Vibrieren generieren. Bei der zweiten, 2004 entstandenen Arbeit bezieht sich Carsten Nicolai auf den merkwürdigen geometrischen Körper in Dürers Kupferstich „Melencolia I“ von 1514. Fläche wird räum­­liche Realität, um die man laufen kann – und doch nimmt Nicolai nichts vom Ge­­heimnis, vielleicht ist das ja überhaupt die große Leistung in seinem Werk. Nicolai übersetzt in präzise Bilder und Gleichnisse, was ansonsten verborgen bleibt, etwa auch Schall, der, genommen von Wörtern, zum Objekt wird. Dabei erinnert die Ausstellung an ein cleanes Forschungslabor. Riesige Spiegel senden in ihrem Zentrum Laserstrahlen aus, die im Auftreffen im entfernt gegen­­über befindlichen Spiegel wieder einen Strahl aktivieren: die einmal ausgelöste Handlung setzt sich selbsttätig fort.

Carsten Nicolai (*1965 in Karl-Marx-Stadt) hat Landschaftsarchitektur studiert, dann mit Holzschnitt und Malerei gearbeitet und sich der elektronischen Musik zugewandt, auch in ortsspezifischen Installationen; spätestens seit seiner Teil­nahme an der documenta 1997 ist er auch in der bildenden Kunst – parallel zu seiner musikalischen Aktivität unter dem Pseudonym Alva Noto – international etabliert. Wie sehr bei allem aber eine Beobachtung der Zivilisation und der Natur Ausgangspunkt seines Werkes sind, wird in den Kurzfilmen in der Aus­stel­­lung deutlich. Immer geht es bei seinen Arbeiten um das Wahrnehmen und das Erfahren – seine Ausstellung handelt vom Leben in seiner Komplexität.

Carsten Nicolai – Parallax Symmetrie
bis 19. Januar im K21, Kunstsammlung NRW im Ständehaus
Di-Fr 10-18, Sa, So 11-18 Uhr

Im Lehmbruck Museum Duisburg ist parallel dazu eine weitere Installation zu sehen.

TH

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