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Nobody Knows
Japan 2004, Laufzeit: 141 Min., FSK 6
Regie: Hirokazu Kore-eda
Darsteller: Yuuya Yagira, Ayu Kitaura, Hiei Kimamura, Momoko Shimizu, Hanae Kan

Niemanden wird dieser Film unberührt lassen. Ein filmisches wie humanistisches Kleinod präsentiert uns Kore-Eda mit seinem neuesten Werk und erinnert damit an Filme wie "Sie küssten und sie schlugen ihn" von Francois Truffaut oder "Kikujiros Sommer" von Takeshi Kitano. Der Film schildert den Überlebenskampf vierer Kindern, die von ihrer Mutter inmitten der Anonymität Tokios im Stich gelassen werden. Keiko stellt den Nachbarn ihren zwölfjährigen Sohn vor. Der Vater sei auf Geschäftsreise und Akira artig und vor allem nicht laut. Die Nachbarn sind entzückt von den neuen Mietern. Man verbeugt sich höflich und verspricht sich gegenseitige Hilfe. Kurze Zeit später springen in der neu bezogenen Wohnung Yuki und Shigeru aus zwei Koffern und kichern leise, abends holt Akira Kyoko vom Bahnhof ab und damit ist die Familie vollzählig. Gefühlvoll präsentiert uns Kore-Eda die ungewöhnliche Ausgangssituation der Geschichte. Da alle Kinder von verschiedenen Männern abstammen und sich keiner von ihnen um diese kümmert, ist Keiko gezwungen, deren Existenz zu verheimlichen, um ihnen einen Platz zum Leben bieten zu können. Nur Akira besitzt Straßenschuhe, die anderen dürfen noch nicht einmal auf den Balkon, zu groß ist die Gefahr, dort gesehen zu werden. So übernimmt auch Akira die Verantwortung für seine Halbgeschwister, während die Mutter arbeitet. Es ist Herbst und das Leben in dem abgeschlossenen kleinen Raum funktioniert. Zwischen den Kindern und der Mutter herrscht liebevolle Eintracht, trotz der widrigen Umstände. Doch dass Keiko weniger die Rolle der Mutter erfüllt, als die eines gleichaltrigen Spielkameraden zeigt sich, als Akira eines Tages Geld und eine Nachricht vorfindet: "Bitte pass auf Kyoko, Shigeru und Yuki auf." Einmal noch taucht Keiko auf, doch nur, um ihre Wintersachen zu packen, ihr Versprechen, am Weihnachtsabend wieder zurück zu sein, wird sie nicht halten und von nun an sind die vier Kinder auf sich allein gestellt. Während die Jahreszeiten verstreichen, erlebt der Zuschauer deren Überlebenskampf und die unaufhaltsame Verwahrlosung... Die faszinierte Verwunderung über den ungewöhnlichen Alltag weicht einer unheilvollen Ahnung. Der Zuschauer wird zum Beobachter des kindlichen Überlebenskampfes. In der Welt der Kinder werden die Regeln der Erwachsenen entlarvt und verfremdet. Doch einzig daraus entwickelt sich eine Überlebenschance. In kindlicher Naivität wird dem Alltäglichen nachgegangen. Trotzdem schreit einem durch Blicke eine Sehnsucht entgegen. Kore-Eda richtet sein aufmerksames Auge auf Details, wie er schon mit seinen vorherigen Filmen ("After Life") gezeigt hat. Seine Stärke liegt in der Authentizität, die er seinen Figuren zu verleihen vermag, während er sie gleichzeitig in eine poetisch-meditative Stimmung zu hüllen weiß. Kore-Eda engt das Bildfeld ein, zeigt die Ausdruckskraft der Gesichter seiner Kinderdarsteller durch Nahaufnahmen, so dass das große Ganze zwar nicht sichtbar, aber fühlbar und unaussprechlich zugleich wird. Er beschränkt sich auf den Raum, in dem die Kinder sich bewegen, lässt wenig von außen eindringen, begibt sich auf deren Blickhöhe und verlässt sie nicht, um unnötige Distanz zu schaffen. Gleichzeitig aber beobachtet man die Kinder wie fremde Wesen, die sich notgedrungen den Gegebenheiten angepasst haben.

(Alexandra Kaschek, playtime by biograph)

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