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Mathilde - Eine große Liebe

Mathilde - Eine große Liebe
Frankreich/USA 2004, FSK 12
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Audrey Tautou, Gaspard Ulliel, Jean-Pierre Becker, Dominique Bettenfeld, Clovis Cornillac, Marion Cotillard, Jean-Pierre Darroussin, Julie Depardieu, Jean-Claude Dreyfus, André Dussollier, Ticky Holgado, Tchéky Karyo, Jerôme Kircher, Denis Lavant, Chantal Neuwirth, Dominique Pinon, Jean-Paul Rouve, Michel Vuillermoz, Jodie Foster

Drei Jahre nach dem weltweiten Erfolges von "Die fabelhafte Welt der Amélie" inszeniert Jean-Pierre Jeunet erneut Audrey Tautou in einer großen Liebesgeschichte. Diesmal ist jedoch nicht ein bonbonbuntes, idealisiertes Paris der Hintergrund, sondern die realen Schrecken der Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs. Das Ergebnis ist ein großes Epos, das nicht durch die überbordende Phantasie seines Vorgängers überzeugt, sondern durch Bilder, in denen die Grauen des Ersten Weltkriegs so eindringlich geschildert werden wie selten zuvor. Fünf Soldaten werden im Ersten Weltkrieg angeklagt, sich selbst Verstümmelt zu haben, um eine Entlassung zu provozieren. Ihre Strafe: Sie werden ins Niemandsland geschickt, zwischen die französischen und deutschen Stellungen, um dort entweder durch feindliches Feuer oder Hunger und Kälte zu sterben. Einer der Verurteilten ist der junge Manech (Gaspard Ulliel), der durch das Erlebte fast wahnsinnig geworden ist. Zu Hause, in der Provinz, wartet seine Verlobte Mathilde (Audrey Tautou) auf ihn, verbunden, wie sie glaubt, durch ein unsichtbares Band. Mathilde will nicht glauben, dass Manech gestorben ist und macht sich nach dem Krieg auf die Suche nach Spuren. Angetrieben von einer gleichermaßen naiven, wie bewundernswerten Hoffnung, setzt sie alles daran die Wahrheit über den angeblichen Tod Manechs herauszufinden. Langsam offenbart sich ihr und damit den Zuschauern ein Bild der Ereignisse. Aus verschiedenen Perspektiven, in manchmal sich widersprechenden Erzählungen setzt sich das Bild zusammen, offenbaren sich die verschiedensten Schicksale, die auf unterschiedlichste Weise Opfer des Krieges geworden sind. Und hierin liegt die Größe des Films. Bewegt sich die Detektivgeschichte auch stets am Rande der Konfusion, ist das unvermeidliche Happy End zwar emotional, nicht jedoch intellektuell befriedigend, die wahre Stärke des Films liegt in den vielen kleinen Episoden, den zahlreichen Einzelschicksalen, in denen die Folgen des Kriegs geschildert werden. Eine von Jeunets großen Stärken, in wenigen kurzen Einstellungen ein prägnantes Portrait einer Person zu entwerfen, ermöglicht es dem Film zahlreiche Charaktere lebendig erscheinen zu lassen. Das sind nicht immer die sympathischsten oder ehrenwertesten Personen, aber sie sind aus Fleisch und Blut und wollen alle nur eins: Den Krieg überleben. Den meisten gelingt das nicht und wie sie sterben, das zeigt Jeunet in drastischen, harten Bildern. Entsättigte Farben, in denen das grau der Uniformen mit dem Schlamm der regengetränkten Gräben verschwimmt, die verwüstete Weite des Niemandslandes, wo keine Natur mehr existiert, es ist eine beeindruckende Welt, die Jeunet ausbreitet. Der Kontrast zu den Erinnerungen Mathildes könnte nicht größer sein. Der Versuchung aber, diese andere Welt allzu rosig, allzu idealisiert zu zeigen, entgeht Jeunet. Die Schönheit der sonnenüberfluteten Landschaften entfaltet sich auch ohne zusätzliche Unterstreichung. Mit "Mathilde" ist Jean-Pierre Jeunet erneut ein großer Film gelungen, in der schonungslosen Schilderung des Krieges eine Art Gegenstück zu Amélie. Technisch brillant, von Angelo Badalamentis melancholischer Musik unterlegt, eine kunstvolle Verknüpfung von Schrecken und Glück, von Krieg und Liebe.

(Michael Meyns, playtime by biograph)

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