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Madame Mallory und der Duft von Curry

Madame Mallory und der Duft von Curry
USA 2014, Laufzeit: 117 Min., FSK 12
Regie: Lasse Hallström
Darsteller: Helen Mirren, Manish Dayal, Om Puri, Charlotte Le Bon
>> www.madame-mallory.de

Angesichts der vielen Koch-Shows im Fernsehen ist es überraschend, dass wir im Kino noch nicht übermäßig mit diesem Thema strapaziert worden sind. Dies mag sich in diesem Herbst ändern, wo neben der Martin Suter-Verfilmung „Der Koch“ und dem amerikanischem Roadmovie „Chef“ als erstes „Madame Mallory und der Duft von Curry“ in unsere Kinos kommt und die Messlatte recht hoch legt.

Irgendwie ist „Madame Mallory und der Duft von Curry“ auch ein Roadmovie, allein die Reise beträgt nur dreißig Meter (was den Originaltitel erklärt), denn das ist der Weg, den man zurücklegen muss, um vom indischen Restaurant ‚Maison Mumbai’ zum Sternerestaurant ‚Le Saule Pleureur’ in dem kleinen französischen Bergdorf Saint Antonin in der Midi-Pyrénées-Region zu gelangen. Eigentlich ist das Dorf nur wegen seiner Sterneküche bekannt, doch kürzlich hat sich genau gegenüber ein indisches Restaurant angesiedelt. Während es auf der einen Seite feinste französische Cuisine zu Mozart-Klängen gibt, die an Michelin-Sternen gemessen wird, wirbt auf der anderen Seite dröhnende Bollywoodmusik für Essen mit Leidenschaft, Wärme und jeder Menge exotischer Gewürze. Betrieben wird es von der Familie Kadam, die Mumbay nach tragischen Ereignissen verlassen musste, und hier in der Provinz gestrandet ist. Ihr einziges Kapital, so weiß das Familienoberhaupt (Om Puri), den alle liebevoll ‚Papa’ nennen, ist die Gabe seines Sohnes Hassan, der wie andere ein absolutes Gehör, den absoluten Geschmack hat. Den hat er von seiner verstorbenen Mutter geerbt, und er ist gewillt, diesen weltweit bekannt zu machen. Also vielleicht doch gar kein so schlechtes Plätzchen, im Schatten der Sterneküche erste internationale Erfahrungen zu sammeln. So sieht es jedenfalls Papa, der eher geradeaus und zupackend ist und auch keine Probleme damit hat, Madame Mallory (Helen Mirren), die ihr Restaurant mit strenger Korrektheit, unbedingter Disziplin und einer gewissen Starrköpfigkeit führt, Kunden abspenstig zu machen. Bisher hat sie die Fremden mit freundlicher Arroganz behandelt, aber jetzt, wo sie sie wirtschaftlich herausfordern, ist Krieg angesagt.

Aber auch der etwas schüchterne Hassan hat so seine Probleme. Bei seiner Ankunft hat er sich in bezaubernde und hilfsbereite Margurite (Charlotte Le Bon) verguckt, doch als die sich als Sous-Chef von Madame Mallory zu erkennen gibt, macht sie ihm auch gleich klar, dass er seine romantischen Gefühle vergessen kann. Und so beginnt ein Krieg der Kulturen, der einerseits einen erstaunlichen Einfallsreichtum entwickelt, die beiden Parteien am Ende aber doch harmonisch zusammenführt.

Was anders kann man von einem Lasse Hallström-Film wohl auch nicht erwarten. Mit „Mein Leben als Hund“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ und „Chocolat“ hat er sich längst als sensibler Erzähler großer literarischer Geschichten etabliert, und so ist auch „Madame Mallory...“ ein perfekt austarierter Film, der Probleme wie Ausländerfeindlichkeit und Rassismus andeutet, eigentlich aber den Clash der Kulturen feiert. Dass dies nicht nur in der Kultur oder Liebe funktioniert, sondern auch über das Essen, ist eigentlich naheliegend, wurde so aber nur selten im Kino zelebriert. Wie immer setzt Hallström auf eine internationale Besetzung: Papa wird von Om Puri gespielt, dessen Gesicht jedem bekannt sein sollte, Helen Mirren geht erstaunlich gut als starrköpfige und erfolgsorientierte Französin durch, doch fürs Herz sind die jungen Schauspieler zuständig, allen voran die bezaubernde Charlotte Le Bon, die uns zuletzt in „Der Schaum der Tage“ und „Yves Saint Laurent“ verzauberte.

(Kalle Somnitz - biograph)

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