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Loving Vincent

Loving Vincent
Großbritannien, Polen 2017, Laufzeit: 95 Min., FSK 6
Regie: Dorota Kobiela, Hugh Welchman
Darsteller: Douglas Booth, Chris O'Dowd, Saoirse Ronan
>> www.lovingvincent-film.de

Künstlerportrait mal anders: Der erste vollständig in Öl gemalte Trickfilm erzählt aus dem Leben Vincent van Goghs in Bildern, die von seinen eigenen Gemälden inspiriert sind. Nach rotoskopischem Verfahren erst mit Schauspielern gedreht und dann übermalt (wie auch „Teheran Tabu") entsteht eine surreale Mischung aus Kunst und Wirklichkeit. Glücklicherweise vergisst der Film darüber nicht, auch eine gute Geschichte zu erzählen – nämlich einen Krimi.

Die Rahmenhandlung beginnt im Sommer 1891, ein Jahr nach van Goghs überraschendem Selbstmord. Ein Freund von ihm, der alte Postmann Joseph Roulin (Chris O'Dowd) hat noch einen Brief des Malers an seinen Bruder Theo, kann diesen aber nicht zustellen, weil er Theo nicht ausfindig machen kann. Er übergibt den Brief an seinen Sohn Armand (Douglas Booth) und bittet ihn, sich auf die Suche zu machen und den Brief zu überbringen. Damit beginnt für Armand eine abenteuerliche Reise, die ihn in die Künstlerszene von Paris führt und von dort aus in das kleine Dörfchen Auvers-sur-Oise, in dem van Gogh seine letzten Monate verbracht hat. Armand trifft Menschen, die den Maler kannten, wie den Farbenlieferanten Pere Tanguy (John Sessions), seinen Arzt Dr. Gachet (Jerome Flynn) und dessen Tochter, van Goghs Geliebte Marguerite (Saoirse Ronan) – und sie alle erzählen ihm eine andere Geschichte von Vincent van Gogh. Als er erfährt, dass auch sein Bruder Theo inzwischen verstorben ist, weiß er nicht, wem er den Brief geben soll. Doch auch diese Frage tritt immer mehr in den Hintergrund, als sich die Ungereimtheiten im Zusammenhang mit van Goghs Tod häufen: War es wirklich Selbstmord oder vielleicht ein Unfall? Oder wurde der Maler vielleicht gar Opfer eines Mordes? Enthält der Brief, den er bei sich hat, am Ende die Enthüllung eines Verbrechens? Armand weiß immer weniger, wem aus van Goghs Umfeld er trauen kann...
Rotoskopie, also einen Film erst ganz normal mit Schauspielern zu drehen und dann komplett zu übermalen, ist in den letzten Jahren wieder in Mode gekommen. An sich ein rund hundert Jahre altes Verfahren aus den Kindertagen des Trickfilms, erlebt sie spätestens seit „Waltz with Bashir" eine Renaissance als bewusst künstlerisches Mittel im anspruchsvollen Spielfilm. Was in diesem Fall neu hinzukommt, ist die Kombination mit Ölmalerei. Alle Figuren und Landschaften des Films entstammen Gemälden von van Gogh. Über 120 Maler imitierten seinen Stil und schufen auf Basis des gefilmten Materials von Hand insgesamt 65.000 Einzelbilder, mit denen sie sein Werk Pinselstrich für Pinselstrich zum Leben erwecken – eine beachtliche und unerwartete Leistung, gerade im Computerzeitalter. Dass der Film dabei nicht zu statisch gerät und bei aller Kunst nicht auf lange Sicht doch eintönig wird, ist dabei vor allem den Rückblenden zu verdanken, die bebildern, was Armand aus van Goghs Leben erzählt bekommt: Hier löst sich der Film von seinem Vorbild, entwirft die „Action"-Szenen der Geschichte – vom legendären Ohrabschneiden bis zum umstrittenen Freitod – in fast comicartig gezeichnet wirkenden Bildern in schwarz-weiß. Gerade dieser Gegensatz hat seinen Reiz und macht die Farbenpracht der impressionistischen Rahmenhandlung immer wieder bewusst. Ein spannendes und einzigartiges Experiment.

(Daniel Bäldle)

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