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Lara

Lara
Deutschland 2019, Laufzeit: 98 Min., FSK 0
Regie: Jan-Ole Gerster
Darsteller: Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung, Martin Bock
>> www.studiocanal.de/kino/lara

Mit seinem Langfilmdebüt „Oh Boy" machte Jan-Ole Gerster 2012 Furore. Das Werk wurde ein internationaler Überraschungserfolg, er und sein Hauptdarsteller Tom Schilling wurden mit zahlreichen Preisen bedacht. Statt schnell einen weiteren Film nachzulegen, hat sich Gerster für sein zweites Werk ganze sieben Jahre Zeit gelassen. Das Warten hat sich gelohnt. Gerster überzeugt mit einer stilsicheren Psychostudie über eine Frau, die an ihren übertriebenen Ansprüchen an sich und andere scheitert.

Tom Schilling ist auch diesmal wieder mit dabei, spielt aber als begabter, kurz vor dem großen Durchbruch stehender Konzertpianist Victor diesmal nur eine Nebenrolle. Den großen Auftritt überlässt er seiner Filmpartnerin Corinna Harfouch, die als seine verbitterte und vom Leben frustrierte Mutter mit einer überragenden Leistung aufwartet.
Zu Beginn des Films sehen wir, wie Lara am Tag ihres 60. Geburtstages einen Stuhl vor das offene Fenster ihrer Wohnung stellt und hinaufklettert. Will sie hinunterspringen? Die Vermutung liegt nahe, doch als es an der Tür klingelt, disponiert sie offenbar um. Zwei Polizisten stehen davor und bitten sie, als Zeugin einer Wohnungsdurchsuchung zu fungieren. Sie kommt als pensionierte Beamtin ihrer Bürgerpflicht nach und setzt sich danach kurzerhand ein anderes Ziel.
Just an diesem Tag hat ihr Sohn ein wichtiges großes Konzert, bei der er seine erste eigene Komposition vorstellen will. Lara ist weder eingeladen noch hat Victor bisher auf ihre zahlreichen Anrufe reagiert. Wie sich herausstellt, ist das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn extrem angespannt, versucht dieser doch endgültig sich aus der Umklammerung seiner extrem ehrgeizigen Mutter zu befreien. Deren eigene Karriere als Pianistin kam trotz Begabung früh zum Stillstand. Victors Vater hat sich schon länger aus dem Staub gemacht und Victor selbst ist zur Oma gezogen, weil er es mit seiner ihn zum Erfolg drillenden Mutter einfach nicht mehr aushielt. Nun will Lara einen letzten verzweifelten Versuch unternehmen, um das Verhältnis wieder zu kitten.
Wie wir seinerzeit in „Oh Boy" Tom Schilling einen Tag durch Berlin gefolgt sind, folgen wir nun Lara einen Tag lang über verschiedene Stationen durch die deutsche Hauptstadt. Zunächst hebt sie ihr gesamtes Geld von ihrem Konto ab, kauft ein teures Abendkleid und fährt zur Konzertkasse, um alle noch verfügbaren Eintrittskarten für das Konzert ihres Sohnes aufkaufen und unter ihren wenigen Bekannten und Freunden sowie Zufallsbegegnungen zu verteilen. Viel muss sie nicht investieren, wie sich zeigt, denn es sind nur noch 22 Tickets übrig. Ein erstes Indiz dafür, dass zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bei Gersters Protagonistin einiges in Schieflage geraten ist.
Auch ihre weiteren Begegnungen an diesem Tag verlaufen nicht besonders erfreulich . Ob der Besuch bei ihrer Mutter, in ihrem alten Büro oder anderswo – überall wird deutlich, wie verhasst sie allen ist. Und das durchaus zu Recht, kommt man nicht umhin festzustellen, wenn man sie dabei beobachtet, wie sie einen ihrer jungen Klavierschüler angeht und völlig demotiviert oder die Freundin ihres Sohnes hinterhältig belügt. Das erinnert an Isabelle Huppert in der kongenialen Jelinek-Adaption „Die Klavierspielerin", wobei Corinna Harfouch den Vergleich mit der Leistung der französischen Schauspiel-Ikone nicht zu scheuen braucht. Stück für Stück setzt sich wie in einem Puzzle die Vorgeschichte eines verfehlten Lebens zusammen, die in einem tragischen Missverständnis seinen Anfang nahm. Mit LARA hat Jan-Ole Gerster einen würdigen und äußerst vielversprechenden Nachfolger für sein grandioses Debüt geliefert, das uns schon jetzt voller Spannung und Vorfreude auf sein nächstes Werk warten lässt.

(Anne Wotschke)

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