Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27

12.332 Beiträge zu
3.656 Filmen im Forum

Filminfo & Termine

Kursk
Belgien, Frankreich, Norwegen 2018, Laufzeit: 118 Min., FSK 12
Regie: Thomas Vinterberg
Darsteller: Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Colin Firth, Peter Simonischek, August Diehl, Max von Sydow, Matthias Schweighöfer
>> www.wildbunch-germany.de/movie/kursk

Lang lang ist es her, nämlich fast 20 Jahre, dass bei einem russischen Manöver ein U-Boot auf Grund lief und die Besatzung dort manövrierunfähig auf Hilfe hoffte. Doch die russischen Rettungsboote sind untauglich und die bereit stehende britische Flotte darf aus politischen Gründen nicht helfen. Soweit hat man die Nachrichten aus den letzten Tagen des Kalten Krieges noch im Kopf, doch will man wirklich darüber einen Film sehen? Glauben Sie mir, man will, denn wenn vieles von dem, was dort auf dem Meeresboden passiert, auch Spekulation ist, so gelingt es Thomas Vinterberg dennoch, die klaustrophobische Enge und die durch ihr Schicksal miteinander verbundenen Seemänner ungeheuer authentisch und emotional packend in Szene zu setzen.

Allen voran den Kapitän, Mikhail, beeindruckend gespielt von Matthias Schoenaerts. Der erinnert dabei schon an den von Jürgen Prochnow gespielten Kaleun in Wolfgang Petersens DAS BOOT, und wenn dieser Film bis heute der Maßstab war, an dem sich alle U-Boot Filme messen lassen müssen, so ist KURSK von gleichem Kaliber. Thomas Vinterberg, den wir als Dogma-Regisseur von Filmen wie DAS FEST und DIE JAGD kennen, hat hier mit internationaler Starbesetzung, basierend auf dem akribisch recherchierten Tatsachen-Roman des Journalisten Robert Moore, das nervenaufreibende Drama in Szene gesetzt, das im Jahre 2000 die Welt neun Tage lang in Atem hielt.
Vinterberg zeigt eine durch und durch morbide Sowjetunion. Die Marinesoldaten haben schon lange keinen Sold mehr bekommen und wissen um den Zustand ihres U-Bootes, doch immer nur an Land hocken ist auch nicht ihr Ding. Und so freuen sie sich auf das große Seemanöver, mit der die Sowjetunion der Welt noch einmal ihre Stärke vorführen will.
Am Abend vor dem Auslaufen wird noch einmal kräftig gefeiert und eine Grund gibt es auch, denn es ist die Hochzeitsfeier des Kapitäns und seiner Frau Tanya. Vinterberg setzt so eine Gegenperspektive, denn er wird nicht nur zeigen, was die Männer in den nächsten Tag im Nordmeer erleben, sondern auch, wie ihre Angehörigen an Land mit ihnen fiebern und wie ungeschickt sich das russische Militär in Sachen Informationspolitik auch ihren Mitbürgern gegenüber verhält. "Jeder Seemann hat geschworen, notfalls sein Leben für sein Land zu opfern", sagt der russische Admiral (Max von Sydow) einmal und bringt damit die Meinung der Administration zum Ausdruck, der es wichtiger ist, international das Gesicht zu wahren, als Menschenleben zu retten.
Die kommen recht schnell in Gefahr, denn die Kurk läuft aus mit einem neuartigen Torpedo an Bord, von dem bekannt ist, dass er nicht sonderlich stabil ist und so wird er von der Crew laufend überwacht. Als die dann eine kritische Temperatur meldet, spielt der Manöver-Stab auf Risiko und entscheidet den Torpedo noch nicht abzuschießen, um das Zeitfenster einzuhalten. Keine gute Entscheidung, denn so explodiert er an Bord und kostet dem Großteil der Besatzung das Leben. Nur 23 Soldaten überleben und können sich in einen Raum retten, den sie abschotten können und warten fortan auf Hilfe. Sie filtern das Kohlendioxid aus der Luft und dichten immer wieder Lecks ab.
Vinterberg gelingt es ihren Überlebenskampf auch psychologisch anschaulich zu machen, vermeidet aber Schuldzuweisungen, und wenn er um diese nicht herumkommt, schildert er sie so, dass wir ahnen, dass der Westen in der gleichen Situation nicht viel anders entschieden hätte. So stellt er der menschlichen Katastrophe die diplomatische Wirklichkeit gegenüber. Sein Film ist nicht nur eine Geschichtsstunde, sondern auch ein großes menschliches Drama, in dem er den Mut der Soldaten zeigt und wie sie lernen, Abschied zu nehmen, von ihrem Leben, ihren Angehörigen und den 71 Kindern, die sie zurücklassen.

(Kalle Somnitz)

Neue Kinofilme

Maleficent: Mächte der Finsternis