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Julieta

Julieta
Spanien 2016, Laufzeit: 99 Min., FSK 6
Regie: Pedro Almodóvar
Darsteller: Emma Suárez, Adriana Ugarte, Daniel Grao
>> www.julieta-derfilm.de

Nach dem wenig erfolgreichen Ausflug ins Komödienfach („Fliegende Liebende“) vor drei Jahren hat sich Pedro Almodovar nun wieder einem ernsthaften Sujet gewidmet. Sich auf seine alte Stärke besinnend, legte er beim Filmfestival in Cannes in diesem Jahr ein großes Frauendrama vor. Sein dicht erzähltes und raffiniert konstruiertes Werk erzählt von der jungen Witwe Julieta, deren Tochter Antía kurz nach ihrem 18. Geburtstag ohne Vorwarnung ihr Elternhaus verlässt und sich nie wieder meldet. Der verzweifelte Versuch ihrer Mutter, sie aufzuspüren, bleibt ohne Ergebnis. Die Ungewissheit über das Schicksal ihrer Tochter wirft Julieta für Jahre aus der Bahn. Gerade, als sie sich wieder gefangen hat und Portugal ziehen will, trifft sie eine enge Freundin ihrer Tochter wieder, die alte Wunden aufreißt und ihre Pläne über den Haufen wirft.

Almodovar erzählt seine lose auf drei Erzählungen der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro basierende Geschichte als raffiniert verschachtelten Rückblick, der den Zuschauer zunehmend in seinen Bann zieht. Alles beginnt damit, dass Julieta eine alte Freundin ihrer Tochter Antía in Madrid aus purem Zufall auf der Straße trifft. Diese erzählt ihr, sie habe gehört, Antía lebe nun am irgendwo am Comer See in der Schweiz und habe drei Kinder. Julieta fällt aus allen Wolken. Jahrelang hatte die Suche nach ihrem verlorenen Kind ihr ganzes Leben bestimmt und die Frage nach dem „Warum“ sie in die Verzweiflung getrieben. Nun, als sie quasi auf gepackten Koffern sitzt, um mit ihrem Partner Lorenzo ein neues Leben in Portugal zu beginnen, geht alles von vorne los: die Schuldgefühle, die Verzweiflung, aber auch die Hoffnung, ihre Tochter doch noch wiederzufinden, die Gründe ihres Verschwindens zu erfahren und mit sich und ihr ins Reine zu kommen. Hals über Kopf wirft sie alle Zukunftspläne über den Haufen, verlässt Lorenzo, der nichts von ihrer Vergangenheit ahnt, ohne Erklärung. Sie mietet sich in einer leer stehenden Wohnung im gleichen Haus ein, in der sie früher gemeinsam mit ihrer Tochter lebte. Inspiriert durch die vertraute Umgebung, beginnt sie, einen Brief an ihre Tochter zu schreiben, in dem sie ihr Leben Revue passieren lässt. 

Stück für Stück entschlüsselt sich hierbei die komplexe Vorgeschichte dieses Dramas. Dabei steht weniger die Aufklärung des mysteriösen Verschwindens einer Tochter im Vordergrund als die psychologische Annäherung an eine komplexe Frauenfigur, die vor allem durch ihre Schuldgefühle bestimmt ist. Dabei knüpft der spanische Meisterregisseur an seine alte Stärke an, taucht facettenreich in die Welt der Frauen ein, deren Innenwelten er meisterhaft wie kein anderer beschreiben kann. Neben Julieta, die gleich von zwei Schauspielerinnen verkörpert wird, wird wieder eine Riege beeindruckender Nebenfiguren aufgefahren, was uns auch ein Wiedersehen mit der knorrigen Rossy di Palma beschert. Doch weitgehend setzt Almodovar auf frische neue Gesichter, was dem Film gut bekommt. „Julieta“ ist ein in raffinierten Zeitsprüngen erzähltes reifes Werk, das auf allzu grelle Effekte verzichtet und gerade dadurch an Stärke gewinnt. Zu Recht wurde es in Cannes von den Kritikern bejubelt und wird sicher auch dem deutschen Kinopublikum ans Herz wachsen.

(Anne Wotschke)

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