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Irrational Man

Irrational Man
USA 2015, Laufzeit: 96 Min., FSK 12
Regie: Woody Allen
Darsteller: Joaquin Phoenix, Emma Stone, Parker Posey
>> film.info/irrationalman/

Nur wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag kommt Woody Allen, einer unserer fleißigsten Regisseure, mit seinem 47. Film „Irrational Man“ in die Kinos. Nach der romantischen Komödie „Magic in the Moonlight“ im vergangenen Jahr fällt sein neuestes Werk deutlich schwarzhumoriger aus. Darin greift er das bereits in seinen beiden Filmen „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ und „Matchpoint“ thematisierte Motiv des perfekten Mordes auf.

Im Mittelpunkt steht der Philosophieprofessor Abe Lucas (Joaquin Phoenix). Früher wollte er einmal die Welt verändern und war in diversen Krisengebieten als Helfer im Einsatz. Nun tritt er - desillusioniert und zu sehr dem Alkohol zugeneigt – zum wiederholten Mal eine neue Stelle an, eine Professur am Braylin College auf Rhode Island. Bei seinen Studenten hält er nicht mit seiner Einstellung hinter dem Berg: Er habe das ewige Theoretisieren in seinem Job gründlich satt. Philosophieren sei nicht mehr als geistige Masturbation und die Welt ohnehin dem Untergang geweiht. Um seinen Lebensüberdruss zu unterstreichen, hält er sich auch schon mal in seiner Vorlesung eine Pistole an die Schläfe und spielt Russisch Roulette.

Dies hält ihn jedoch nicht davon ab, sowohl mit seiner Kollegin Rita (Parker Posey) als auch mit Jill, einer seiner Studentinnen (Emma Stone), anzubandeln. Während er mit der einen bald im Bett landet, wo sich sein Frust wegen seiner Potenzstörung noch verstärkt, bleibt sein Verhältnis mit Jill vorerst rein platonisch. Doch die clevere Studentin fühlt sich mehr und mehr von ihm und seiner Melancholie angezogen. Beiden Frauen gelingt es jedoch nicht, ihn davon zu befreien.

Erst ein störrischer alter Richter, der Abes Meinung nach in einem Fall das falsche Urteil sprechen will, holt ihn aus seiner Lethargie heraus. Endlich, so glaubt er, kann er aktiv zumindest in einem Fall, etwas Gutes bewirken - indem er ein scheinbar perfektes Verbrechen begeht. Der Richter muss weg, so sein Plan, den er sofort versucht, in die Tat umzusetzen.

Allein schon die Vorstellung an sein Vorhaben, das er sogar mit Jill intensiv diskutiert, erweckt in ihm neue Lebensgeister – und wirkt in jeder Hinsicht befreiend. Es klappt wieder beim Sex, seine Lebenslust kehrt auf der ganzen Linie zurück und auch sein Job macht ihm wieder Spaß. Der Spaß hat jedoch schnell ein Ende, als der Richter zu Tode kommt und Jill argwöhnt, dass es Luke möglicherweise nicht bei der Planung seiner Tat belassen hat. Die inzwischen recht verliebte junge Frau wird in ein schweres moralisches Dilemma gestürzt. Sie ahnt nicht, dass sie in höchster Gefahr schwebt.

Woody Allen erzählt diese Moritat teils mit erstaunlichem Ernst, andererseits verzichtet er auch nicht auf den ihm eigenen schwarzen Humor. Erneut arbeitet er mit seiner charmant aufspielenden Muse Emma Stone zusammen, Joaquin Phoenix gibt mit kleinem Bierbauch und den Flachmann stets im Anschlag, ein ungewohntes Bild ab. Es sind vor allem die äußerst gelungenen, cleveren Dialoge mit Referenzen an Heidegger, Dostojewski, Sartre, Kant und Simone de Beauvoir, die „Irrational Man“ zu einer ebenso unterhaltenden wie intellektuellen Fingerübung machen.

(Anne Wotschke)

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