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Hedi Schneider steckt fest

Hedi Schneider steckt fest
Deutschland 2015, Laufzeit: 92 Min., FSK 12
Regie: Sonja Heiss
Darsteller: Laura Tonke, Hans Löw, Simon Schwarz
>> www.hedi-schneider.com/

Eine Angststörung ist nichts Leichtfertiges. Umso mutiger daher, ebenjene in einem schmalen Grat zwischen Tragik und Komik zu inszenieren, so wie Sonja Heiss in ihrem neuen Film. Dass es nicht nur Melancholiker oder Depressive trifft, zeigt sie am Beispiel der niedlichen Hedi, die zuerst im Aufzug und schließlich auch im Alltag steckenbleibt. Ihre willkürlichen Panikattacken bringen ihr Leben ziemlich aus den Fugen, wodurch nicht nur ihr Berufsleben, sondern auch ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Mit wunderbarem Humor und Authentizität schildert der Film die Überlebenskunst im Alltagswahnsinn und ist zugleich eine Reflektion über die Fragilität der Liebe in der Ü30-Generation.

Hedi (Laura Tonke)ist eine leichtlebige Frohnatur, die den Tücken des Alltages mit Esprit und Witz begegnet, wie auf der Arbeit in einem Reisebüro, so auch beim Feierabend mit der Familie, wenn sie sich mit ihrem Mann Uli (Hans Löw) und ihrem Sohn Finn im Garten entspannt und imaginäre Reisen nach Afrika antritt. Diese sollen sogar bald Wirklichkeit werden, denn Ulis großer Traum nach Afrika auszuwandern rückt in greifbare Nähe. Eines Tages beginnt Hedi sich jedoch plötzlich "komisch" zu fühlen, so "ganz komisch". Und als Uli eines Abends sogar den Notarzt rufen muss, weil sie eine regelrechte Panikattacke hat, die ihr den Hals zuschnürt, kriegt auch er es mit der Angst zu tun. Sie beginnt sich zunehmend unwohler zu fühlen, fristet ihr Dasein im Bett oder betrinkt sich, um sich mit gewissen Situationen konfrontieren zu können. Eine irrationale Furcht vor der Angst nimmt ihr Leben mehr und mehr in den Würgegriff. Mit Bettlägerigkeit, den Allheilmitteln von Mutter, sowie diversen Tranquilizern, die trunkene Nebeneffekte haben und nicht zuletzt der Hinzuziehung eines Therapeuten, versuchen sie Hedis Angststörung, die die Beziehung an Messers Schneide bringt, unter Kontrolle zu kriegen und zurück in den gewohnt geregelten Rhythmus zu kommen.
Eine solche psychische Erkrankung aus so einem poetischen und verspielten Blickwinkel auszuleuchten und zu studieren, ohne dabei jedoch die Ernsthaftigkeit aus den Augen zu verlieren, ist gelinde gesagt ungewöhnlich, und in diesem Fall könnte man sagen außergewöhnlich. Der persönliche Bezug der Regisseurin zu den von ihr liebevoll gezeichneten Figuren ist unverkennbar, denn einst litt sie selbst unter einer sogenannten Angst- und Panikstörung, die sie mithilfe dieses Werkes verarbeitet und glaubwürdig darstellt. Dadurch erscheinen die humorvollen Einlagen fast ein bisschen absurd und verharmlosend, unterstreichen jedoch zugleich die Willkür der Neurose, sowie die enormen Schwierigkeiten, jene auf den ersten Blick scheinbar unbegründeten und unberechenbaren Angstlähmungen effektiv zu kanalisieren. Dass etwaige Lösungsansätze nur temporär weiterhelfen, muss die eigentlich lebensfrohe Hedi hier am eigenen Leib erfahren und zieht durch ihr unergründliches Tief ungewollt auch ihre eigene Familie in Mitleidenschaft. Hans Löw glänzt als überforderter, liebender Ehemann, der langsam an der haarsträubenden Situation zerbricht und spielt sich somit auf Augenhöhe von Laura Tonke, die dank seltsam entrückter Nuancen den schwierigen Spagat zwischen den sporadischen Gefühlslagen von Unbeschwertheit und Lebensunlust meistert. Insgesamt darf man dankbar sein für eine ausgesprochen feinsinnig und gefühlvoll gezeichnete Beziehungsstudie, die durch Natürlichkeit haften bleibt und ganz verzückende Momente bereithält.

(Nathanael Brohammer)

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