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Frühes Versprechen

Frühes Versprechen
Frankreich, Belgien 2018, Laufzeit: 131 Min., FSK 6
Regie: Eric Barbier
Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Pierre Niney, Jean-Pierre Darroussin, Pawel Puchalski, Némo Schiffman
>> www.fruehesversprechen.de

Romain Gary war Schriftsteller, Filmregisseur, Diplomat und Weltkriegspilot, schrieb rund 30 Romane, Drehbücher und Geschichten. Zu verdanken hatte er seinen großen Erfolg nicht zuletzt seiner Mutter, die ihn unermüdlich zu Höchstleistungen antrieb. Sein autobiographischer Roman „Frühes Versprechen" diente dem französischen Regisseur Eric Barbier nun als Basis für die Verfilmung seines Lebens, angelegt als bewegter Bilderbogen, der vor allem durch das bravouröse Spiel seiner Darsteller überzeugt, allen voran Charlotte Gainsbourg als ehrgeizige und exzentrische Übermutter.

Der Film, mit seinen 24 Millionen Euro Herstellungskosten einer der teuersten europäischen Produktionen, beginnt in Mexiko. Dort bittet der kranke Schriftsteller Romain Gary seine Frau, ihn mit dem Taxi in die weit entfernte Hauptstadt ins Krankenhaus zu bringen. Auf der Fahrt liest sie im Manuskript seines neuen autobiographisch gefärbten Romans - eine Hommage an seine verstorbene Mutter, die weit in seine Kindheit reicht und im Folgenden auch dem Zuschauer Stück für Stück aufgeblättert wird.
Der kleine Romain wird Mitte der zwanziger Jahren in einer russisch-jüdischen Familie in Vilnius geboren. Der Vater verlässt die Familie früh, seine Mutter, eine ehemalige Schauspielerin, zieht mit dem Kind nach Frankreich, in ihren Vorstellungen ein Paradies, in dem sie auf die Erfüllung ihrer Träume hofft. Diese richten sich vor allem auf ihren Sohn, den sie fördert, aber auch unnachgiebig fordert. Ein berühmter Schriftsteller soll er werden oder ein General oder Diplomat, und als der 2. Weltkrieg ausbricht, will sie ihn zum Kriegshelden machen. Und der Sohn gibt alles, um den Erwartungen seiner Mutter gerecht zu werden. Nur gut, dass diese von ihren Plänen, ihr Sohn solle Hitler umbringen, rechtzeitig wieder ablässt, sonst hätte es ihn vielleicht doch frühzeitig dahingerafft.
So aber macht er Stück für Stück ihre etwas größenwahnsinnigen Träume tatsächlich wahr. Er begibt sich ans Schreiben, studiert in Paris, schließt sich der französischen Exilarmee Charles de Gaulles an, um die Nazis zu bekämpfen, wird als Pilot in England und Afrika eingesetzt - und ist bei allem so erfolgreich, dass er bei seinem Freitod 1980 zu einem der bekanntesten Autoren seines Landes gehört.
Barbier schildert dies alles mit einem gewissen Pathos, lässt aber auch Ironie nicht zu kurz kommen, Lachen und Drama wechseln sich gekonnt ab. Die symbiotische Mutter-Sohn-Beziehung bildet den Kern, die die Handlung vorantreibt - ganz wie im wahren Leben, denn Garys Aufstieg - zuletzt war er der Generalkonsul Frankreichs in Los Angeles - wäre ohne die unermüdliche Unterstützung seiner Mutter Nina so nicht möglich gewesen. Charlotte Gainsbourg verkörpert sie glaubhaft mit viel Verve und trägt weite Teile des Films. Vom Erfolg ihres Sohnes hat sie allerdings kaum noch etwas mitbekommen, sie verstarb zu früh, um das noch erleben zu können.
"'Frühes Versprechen" ist ein Loblied auf die Hoffnung, den Willen, die Toleranz und ein gewisses Heldentum," so Regisseur Barbier. "Romain Gary moralisiert in seinen Werken nicht. Mit seinem überbordenden Humor schafft er eine Vision, die das Beste in uns erweckt, uns antreibt, Träume Wirklichkeit werden zu lassen." Das habe er versucht, auch in seinem Film umzusetzen.

(ANNE WOTSCHKE)

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