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Frantz

Frantz
Frankreich, Deutschland 2016, Laufzeit: 113 Min., FSK 12
Regie: François Ozon
Darsteller: Paula Beer, Pierre Niney, Ernst Stötzner
>> www.frantz.x-verleih.de

François Ozons erster Film in deutscher Sprache handelt passenderweise von der Möglichkeit einer deutsch-französischen Freundschaft. Im Zwischenkriegsdeutschland lernt die junge Witwe Anna den Franzosen Adrien, einen alten Bekannten ihrer großen Liebe Frantz, kennen und sieht in ihm einen Freund, sowie die letzte Verbindung zu ihrem verstorbenen Ehemann.

Quedlinburg, 1918. Der erste Weltkrieg ist gerade vorbei und der Schmerz um die Gefallenen legt sich über den Alltag, der soeben wieder eingekehrt ist. Auch die junge Anna (Paula Beer) trauert um ihre große Liebe Frantz, der bevor Deutschland und Frankreich Kriegsfeinde wurden, einige Zeit in Paris lebte. Sie wohnt bei den Eltern ihres verstorbenen Verlobten, einer Hausfrau und einem Arzt (Ernst Stötzner und Marie Gruber), die beide sehr liebevolle Personen sind. Als eines Tages der mysteriöse Adrien Rivoire (Pierre Niney) das Kabinett des Arztes aufsucht, tauchen Fragen über Frantz Vergangenheit in Frankreich auf. Wie standen Frantz und Adrien zueinander? Und warum sucht jener nun nach dem Krieg Frantz' Familie und dessen Verlobte auf?

François Ozon erzählt von der Möglichkeit einer Freundschaft zwischen Menschen, die nach den brutalen Auseinandersetzungen des Krieges politische Feinde sein könnten. In der Kleinstadt Quedlinburg wird Adrien geschnitten, einzig Anna und Frantz Eltern glauben an die freundschaftliche Zuneigung zwischen dem jungen Franzosen und Frantz. Die Gespräche zwischen Frantz Eltern und Adrien sind jedoch oft hölzern, sie ringen um die richtige Form, die Körper bleiben auf Abstand. Anna sucht die Nähe zu dem Mann, der Frantz zuletzt sah, und lernt sich und ihren Geliebten neu kennen. Frantz' Abwesenheit ist die Leerstelle, die alle wieder zu füllen versuchen. Die Rückblenden in eine glückliche Vergangenheit lässt der Regisseur im Gegensatz zu den schwarz-weißen Nachkriegsszenen farbig erscheinen. Jegliche Freude scheint abhanden gekommen zu sein, die Kulissen wirken leblos und ein wenig zu perfekt. Das wirkt dick aufgetragen, gehört aber zu der Handschrift des Overstatements, die François Ozon meisterhaft beherrscht.

Neben der stilisierten Perfektion der Bilder, überzeugt Ozon mit komplexen Hauptfiguren, die zwar alle optisch irgendeinem Klischee entsprechen (der Franzose trägt Schnurrbart, die Deutschen sind groß und stabil), aber durch ihr Verhalten in ihren Gemeinschaften anecken. Narrativ lotet der Regisseur alle Möglichkeiten aus, deutet an, führt den Zuschauer in die Irre und schafft Räume, in denen Variationen der Beziehung zwischen beiden Männern stattfinden können. Ozon führt vor, dass die globalen Erzählungen einer Erbfeindschaft, ebenso wie die einer deutsch-französischen Freundschaft den komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Begehren nicht gerecht werden können. FRANTZ bleibt in seinem historischen Setting ein Film, dessen Hauptfiguren von dem Wunsch nach Liebe, Freundschaft und Vergebung angetrieben sind. Sie wehren sich gegen die Härte, mit der um sie herum Grenzen abgesteckt werden und sehen ineinander das Menschliche. Adrien und Frantz teilen die Liebe zu Musik und Kunst und sprechen die Sprache des jeweils Anderen. Dass nur einer von ihnen lebendig aus dem Krieg zurückgekehrt ist, inszeniert der Film als grausam arbiträre Spielregel der brutalen Auseinandersetzungen. Nach all dem Leid und dem Hass dieses ersten Weltkrieges scheint die große Frage zu sein, welche Erzählung man wählt, um den Ereignissen gerecht zu werden.

(Franziska Merlo)

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