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Father Mother Sister Brother

Father Mother Sister Brother
USA, Frankreich, Italien, Deutschland, Irland 2025, Laufzeit: 110 Min., FSK 12
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik
>> weltkino.de/filme/father-mother-sister-brother

Mit seinem Triptychon FATHER MOTHER SISTER BROTHER konnte Jim Jarmusch in diesem Jahr in Venedig den Goldenen Löwen abräumen – für viele durchaus überraschend, hatte das Werk doch mit einer starken Konkurrenz zu kämpfen. Während es bei den anderen Wettbewerbsfilmen brandaktuell und oft sehr politisch zuging, konzentriert sich Jarmusch auf das, was er kann: skurrile Charaktere in lakonischen Dialogen effektvoll und kreativ in Szene setzen.

Diesmal kreist in den drei Teilen alles um das Thema Familie, die Geschichten spielen jeweils in unterschiedlichen Ländern. Im ersten Teil besuchen zwei Geschwister (Adam Driver und Mayim Bialik) nach längerer Zeit einmal wieder ihren im ländlichen New Jersey lebenden Vater, gespielt von Tom Waits. Wovon der Witwer lebt, ist auch seinen Kindern unklar und so unterstützen sie ihn gelegentlich. Dabei ahnen sie nicht, dass es ihm gar nicht so schlecht geht, wie er es vorgibt, und ihre Zuwendungen gerne einmal für den einen oder anderen Luxus verwendet. Tom Waits ist in Bestform und lässt den Sternenkrieger Adam Driver geradezu blass aussehen. Ein Wiedersehen gibt es mit der aus der Sitcom The Big Bang Theory bekannten Mayim Bialik.
Im zweiten in Dublin spielenden Teil steht eine von Charlotte Rampling gekonnt grantig und unterkühlt gespielte Mutter im Mittelpunkt. Sie erwartet ihre beiden Töchter zum Kaffeekränzchen, ein einmal jährlich stattfindendes Ereignis, das ebenso steif verläuft wie zuvor das Treffen mit dem Vater im ersten Teil. Auch hier wieder ein Starauflauf mit der herrlich verklemmt daher kommenden Cate Blanchett und ihrem extrovertiert-chaotischen Gegenpart, gespielt von Vicky Krieps.
Beide Episoden sind ein wenig traurig, da sich Eltern und Kinder eigentlich nichts zu sagen haben. Bestenfalls versuchen sie etwas zu verstecken, und da jede Frage unangenehm sein könnte, sind beide Episoden von peinlichem Schweigen gekennzeichnet, das aber ausreichend mit dem für Jarmusch typischen lakonischen Witz durchzogen ist.
Der dritte Teil spielt in Paris und konzentriert sich auf die Zwillinge Skye und Billy. Ihre Eltern sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, jetzt sortieren sie gemeinsam ihren Nachlass und stellen fest, wie wenig sie beide eigentlich gekannt haben. Im Gegensatz zu den vorherigen Episoden fühlen sich die Geschwister eng verbunden, was zu einigen berührenden Momenten führt.
Augenzwinkernd streut der Regisseur neben dem Familienthema weitere verbindende Elemente in alle Episoden ein, etwa eine Gruppe Skater oder eine Rolex, die in allen drei Episoden auftauchen. Jarmusch gelingt es, beim Ausloten der gestörten familiären Bindungen und der subtilen Balance zwischen Distanz und Nähe Humor und Melancholie in der Waage zu halten.
Auch wenn über den Episoden eine gelegentlich etwas traurige Sprachlosigkeit hängt, gelingt es Jarmusch, viele uns allzu bekannte Momente im Eltern-Kind-Verhältnis einzufangen und in eine kongeniale Stimmung zu tauchen. Auch wenn man sich des Mankos gewahr wird, dass man seinen familiären Bindungen oft viel zu selten nachgeht, ist dies auf der anderen Seite in unserer schnelllebigen Zeit ganz normal. Jarmusch gelingt hier die totale Entschleunigung, alle Beteiligten werden aus ihrem normalen Leben gerissen, um für eine kurze Zeit etwas zu tun , was für sie eigentlich keinen Sinn macht. So gesehen ist das Elternhaus vielleicht auch ein Tempel, der einen zwingt, einmal abzuschalten und darüber nachzudenken, wo man herkommt, und ob man den richtigen Weg eingeschlagen hat.

(Anne Wotschke)

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