
Fabula
Niederlande, Deutschland, Belgien 2025, Laufzeit: 126 Min., FSK 16
Regie: Michiel ten Horn
Darsteller: Fedja Van Huet, Sezgin Gülec, Livia Lamers
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Jos entstammt einer Linie passionierter Verlierer. Ein Fluch scheint auf der Familie zu liegen und so geht auch bei ihm alles schief. FABULA ist eine höchst unterhaltsame Mär, die ebenso über das Scheitern des Menschen lacht wie über seine verzweifelte Suche nach Sinn – und genau darin liegt ihr besonderer Reiz.
Jos fühlt sich völlig an den Rand gedrängt – sehr zu seinem Frust. Seine Tochter hat jeglichen Respekt vor ihm verloren, seine Frau misstraut ihm, und seine Freunde nehmen ihn nicht mehr ernst. Verzweifelt sucht er nach einer Erklärung für sein Scheitern. Als ihm sein naiv-tollpatschiger Schwiegersohn Özgür die Aussicht auf einen lukrativen Drogendeal eröffnet, wittert Jos die letzte Chance auf Respekt und Selbstbestätigung. Dass das Geschäft erwartungsgemäß aus dem Ruder läuft, entfaltet sich nun weniger als spannungsgeladener Thriller denn als absurd-komische Kettenreaktion voller unerwarteter Wendungen...
Der niederländische Filmemacher Michiel ten Horn nutzt diese Ausgangssituation nur als Sprungbrett für eine weit größere Reise – geografisch wie existenziell. Gemeinsam mit Özgür und dessen Vater begibt sich Jos auf eine Odyssee durch die Sümpfe der Peel, die Landschaft Limburgs und wieder zurück. Diese Reise ist weniger realistisch als symbolisch aufgeladen: Märchen, biblische Motive, katholische Schuldvorstellungen und regionale Mythen verweben sich zu einem dichten erzählerischen Teppich. Immer wieder wird die Handlung durch Voiceover, Kapitelüberschriften, Traumsequenzen und Anekdoten unterbrochen, was dem Film einen bewusst künstlichen, fast theatralen Charakter verleiht.
FABULA entfaltet ein skurriles Panoptikum. Düster, voller Sarkasmus und witzig. Eine prall gefüllte Wundertüte mit Geschichten, verrückten Einfällen und in seiner Gesamtheit ein Karneval der Extravaganzen. Das erinnert nicht nur einmal an die Filme des großen Terry Gilliam, nur dass wir uns hier in der niederländischen Provinz befinden, die selbst den küstennahen Holländern etwas seltsam vorkommt, wohl auch wegen der stärkeren katholischen Prägung und dem dort verbreiteten Glauben, dass Wunder geschehen.
Neben den in den Niederlanden sehr bekannten Fedja van Huêt als Jos und dem Comedian Sezgin Güleç als Schwiegersohn Özgür in seinem Filmdebüt als Schauspieler sind als deutschsprachige Importe auch der auf zwielichtige Charaktere spezialisierte Georg Friedrich ("Sparta", Sisi & Ich") als Jos' Bruder und David Kross ("Der Vorleser") als dubioser Heilsbringer mit dabei.
Regisseur Michiel ten Horn setzt mit FABULA dem Geschichtenerzählen und seiner Heimat ein kleines verrücktes, buntes und auch karnevalistisch angehauchtes Denkmal und er weiß auch, wovon er erzählt, ist er doch selbst im niederländischen Horst geboren und aufgewachsen - mitten in der niederländischen Provinz Limburg, nicht weit weg von Venlo an der deutschen Grenze...