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Ein fliehendes Pferd
Deutschland 2007, Laufzeit: 96 Min., FSK 12
Regie: Rainer Kaufmann
Darsteller: Ulrich Noethen, Katja Riemann, Ulrich Tukur, Petra Schmidt-Schaller

Eine beliebte Schullektüre hält 30 Jahre nach ihrem Erscheinen passend im Jahr des 80. Geburtstages des Autors Einzug in die Kinos. Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd" wurde von Rainer Kaufmann behutsam in die heutige Zeit transferiert, ohne ihre Essenz aus dem Auge zu verlieren. Ein pointiertes sommerliches Kammerspiel über eine in die Jahre gekommene Ehe, die durch die Begegnung mit einem anderen Pärchen in ihren Grundfesten erschüttert wird. Der Gymnasial-Lehrer Helmut (Ulrich Noethen) macht mit seiner Frau Sabine (Katja Riemann) wie in jedem Jahr Urlaub am Bodensee, als wie aus dem Nichts sein längst vergessener Schulfreund Klaus Buch (Ulrich Tukur) auftaucht. Klaus ist immer noch der gleiche Blender wie auf der Schule und mit der ausgesprochen hübschen und freizügigen Blondine Helene unterwegs. Ab sofort weicht dieser dem sich nur widerwillig an alte Zeiten erinnernden Helmut nicht mehr von der Seite. Mit gezielten Provokationen setzt er alles daran, dem Intellektuellen sein Spießertum aufzuzeigen und ihn dazu aufzufordern, sein Leben zu ändern. Während jedoch Helmut alles hasst, was außerhalb seines gewohnten Trotts liegt und sich damit seiner Kontrolle entzieht, fällt Klaus' lebensfrohe, aber auch penetrante Art bei seiner Frau auf fruchtbaren Boden. Sie ist von Klaus' noncharlanten Gehabe angetan, bringt er doch aus ihrer Perspektive frischen Wind in ihre angestaubte Ehe. Helmut wiederum kann sich dem jugendlichen Sexappeal Helenes nicht entziehen und droht ihr zu verfallen. Es folgen turbulente Ferientage mit leidenschaftlichen Gesprächen über den Sinn des Lebens, bei dem Klaus und Helene alle Register ziehen, um Helmut und Sabine in ihrer spießbürgerlichen Welt zu erschüttern. Während sich Sabine, Klaus und Helene immer mehr amüsieren und den Urlaub am Bodensee genießen, bekommt Helmuts Weltbild mit der Zeit gefährliche Risse. Und als er sich dann noch von Klaus zu einem Segeltörn auf dem stürmischen Bodensee nötigen lässt, kommt es zwischen den beiden zu einer verhängnisvollen Konfrontation. Vorlagenautor Martin Walser zeigte sich von der Umsetzung seines Werkes trotz einer Abänderung des Schlusses angetan. "Schon bei der ersten Drehbuchfassung habe ich eine Grunderwartung erfüllt gesehen, nämlich dass ein guter Regisseur einen Roman als Steinbruch behandelt. Das heißt, dass aus dem Stoff, aus dem einmal ein Roman wurde, jetzt ein Film werden muss. Der Roman muss in diesem Bearbeitungsprozess zerbrochen werden. Denn erst dann kann man wieder etwas Neues daraus aufbauen. Und ich habe mit Freude bemerkt, dass in diesem Drehbuch von Anfang an ein ganz anderer Zug drin war und eine neue Pointierung", erklärt der Schriftsteller. So ließ er den Filmemachern auch weitgehend freie Hand bei der Produktion, lediglich bei den Dialogen brachte sich Walser ein. Kaufmanns erneute Zusammenarbeit mit Katja Riemann nach "Stadtgespräch" und "Die Apothekerin" glänzt neben den ansprechenden Darstellerleitungen durch einen klugen grimmigen Humor und raffiniert inszenierten Bildarrangements. Die Herausforderung, den Kern der in den siebziger Jahren spielenden Novelle in die heutige Zeit zu transportieren und modern umzusetzen, hat Regisseur Rainer Kaufmann glaubhaft gemeistert. "Im Film geht es vor allem um die Ehe, um die Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen, um das Weltbild, das sie prägt und um die Frage, wie hält man denn eine Ehe ein Leben lang durch? -und auch darum, ob man überhaupt muss", bringt es Hauptdarstellerin Katja Riemann auf den Punkt.

(Anne Wotschke, playtime by biograph)

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