
Das verflixte 3. Jahr
F 2012, Laufzeit: 100 Min., FSK 12
Regie: Frédéric Beigbeder
Darsteller: Gaspard Proust, Louise Bourgoin, Valérie Lemercier, Jonathan Lambert, Joey Starr, Frédérique Bel, Nicolas Bedos
>> www.das-verflixte-dritte-jahr.de/
Frédéric Beigbeder, gefeierter Star der französischen Pop-Literatur ("39,90"), versucht sich als Regisseur und zwar an seinem eigenen, autobiografischen Roman. Kann das gutgehen? Mit „Das verflixte 3. Jahr“ kommt der Beweis, dass es funktionieren kann. Diesmal geht es nicht darum, der Fratze der glitzernden Medienwelt die Maske abzustreifen, sondern ganz bodenständig um die vergebliche Suche nach der einzig wahren Liebe. Natürlich konnte in dem reflexiven Selbstversuch eine Ladung Ironie vom Meister des Zynismus nicht ausbleiben. Mit Gaspard Proust als neurotischen Journalisten und ‚It-Girl‘ Louise Bourgoin als leidenschaftlichem Freigeist bereitet es Freude, den diversen liebestechnischen Gleichungen beizuwohnen, die Beigbeder in seinem Debüt durchexerziert.
„Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf.“ Mit diesem Dreisatz schließt der liebenswerte Protagonist Marc Marronnier (Gaspard Proust) ein für alle Mal mit dem Mythos der ewig währenden Liebe als Reaktion seiner Scheidung von der attraktiven Anne (Elisa Sednaoui) ab. Und um seine Erkenntnisse seinen Leidensgenossen nicht vorzuenthalten, schreibt er gleich mal ein Buch darüber, was zum Besteller avanciert. Dies tut er jedoch unter einem Pseudonym, um seine Integrität als Literaturkritiker und Gesellschaftskolumnist nicht zu gefährden.
Just zu dieser Zeit, ironischerweise während einer Trauerfeier, die das Ende einer lebenslangen Liebe einläutet, tritt die spritzige Fotografin und Gattin seines Cousins Alice (Louise Bourgoin aus "Adèle und das Geheimnis des Pharaos") auf den Plan und sorgt für reichlich Chaos. Marcs bis dato unerschütterliche Theorie beginnt zu bröckeln und er erkennt, dass er dieser Frau nicht so leicht entkommen wird. Jeder, der schon mal in einer ähnlichen Situation war, weiß die Unterstützung eines guten Freundes zu schätzen. Diesen hat er in der Gestalt des französischen Hip-Hop-Stars ‚Joeystarr’ alias Jean-Georges stets in seiner Nähe. Während er ihn aber zur Gelassenheit erziehen will, manövriert sich der liebeskranke Mark von einem Fettnäpfchen ins nächste…
Wenn es Liebe ist, finden sich bekanntlich Mittel und Wege der Trennung der Herzen vorzubeugen und so ist das Happy End in Sichtweite, wäre da nicht seine Tarnidentität, die ihm um die Ohren fliegt und ihn in Alices Augen als Lügner und Chauvinisten entlarvt. Marc muss Rekonstruktionsarbeit leisten, um seine Fehler wieder glattzubügeln, während Alice sich ernsthaft der Frage stellen muss, ob ihre Gefühle für Marc tatsächlich so oberflächlicher Natur sind, wie sie allen anderen und oberdrein sich selbst versichern will.
Angelehnt an große Regievorbilder wie Woody Allen und Jean-Luc Godard wartet Beigbeder mit einem Potpourri an Ideen und Gestaltungselementen auf, inspiriert aus Werbung und der Klaviatur der Filmgeschichte. Unterstützung erhält er zudem von der Crème de la Crème der französischen Literaturszene, die immer wieder mit Cameo-Auftritten bedacht wurden. Ein guter Auftakt, ohne Frage, der noch einiges von ihm als Regisseur erwarten lässt.
(Eleni Giannakoudi - biograph)