Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12

12.655 Beiträge zu
3.871 Filmen im Forum

Filminfo & Termine

Das Schwein von Gaza

Das Schwein von Gaza
D, F, B 2011, Laufzeit: 98 Min., FSK 12
Regie: Sylvain Estibal
Darsteller: Sasson Gabai, Baya Belal, Myriam Tekaïa, Gassan Abbas, Khalifa Natour, Lotfi Abdelli, Ulrich Tukur
>> www.das-schwein-von-gaza.de

Schweine gehören nicht gerade zu den beliebtesten Tieren in Gaza. Juden und Palästinenser halten sie gleichermaßen für unrein. Dementsprechend schwierig wird es für den palästinensischen Fischer Jafaar, ein bei ihm gestrandetes Schwein wieder los zu werden. Der einzige Ausweg: die Schweinezucht der jüdischen Siedlung nebenan. Um seine ärmliche Existenz wenigstens ein wenig aufzubessern, lässt er sich auf einen genauso absurden wie gefährlichen Handel ein. Ein urkomisches Märchen über den äußerst ernsten Alltag des Nahost-Konflikts.

Jafaar (Sasson Gabay) ist Fischer. Doch er fängt nichts als Müll – und ein Schwein. Das ist während einer stürmischen Nacht über Bord eines Frachters gegangen und landet quieklebendig in Jafaars ansonsten mal wieder gähnend leerem Netz. Ein Schwein ist das Letzte, mit dem sich in Gaza irgend etwas anfangen ließe. Die Haltung ist sogar streng verboten. Jafaar versucht alles, es wieder los zu werden, doch der gleichsamungeschickte wie gutmütige Palästinenser schafft es weder, das Tier zu verkaufen noch, es umzubringen.

Als er erfährt, dass die jüdischen Siedler in direkter Nachbarschaft Schweine züchten, lässt er sich auf einen lukrativen, doch gefährlichen Handel ein. Yelena (Myriam Tekaȉa), eine der Siedlerinnen hat Interesse: allerdings nur an dem Sperma des Tieres. Für Jafaar bedeutet das ein nicht enden wollendes Versteckspiel, das ihm zunehmend entgleitet. Er gerät immer tiefer in die Fänge des israelischen Militärs auf der einen und islamischer Fundamentalisten auf der anderen Seite.

Sylvian Estibal gelingt mit seinem Debütfilm eine sehr poetische und zugleich äußerst lustigeGeschichte, die in erster Linie die Menschen hinter den einzelnen Parteien des Nahost-Konflikts zum Vorschein bringt. In wunderschönen Bildern erzählt „Das Schwein von Gaza“ vom alltäglichen Leben der Menschen einer Region im Dauerkonflikt. Zwischen Armut und ständig schwelender Gewalt versuchen die Protagonisten ihr Leben zu bewältigen. Ohne den Blick auf diese krisenhafte Realität zu verlieren, erzählt Estibal jedoch ein modernes Märchen. Mit sehr viel Witz lässt er Jafaar in immer absurdere und skurrilere Situationen stolpern. Slapstick von seiner poetischen Seite. DerGrundtenor des Filmes bleibt dabei stets hoffnungsvoll. Dank Jafaars tolpatschiger Art kommen sich Juden und Palästinenser, wenigstens im Kleinen, näher – und ein Schwein im Schafspelz wird zum Friedensbotschafter.

Die Besetzung Sasson Gabays als Jafaar war dabei ein Glücksgriff. Schon 2007 in „Die Band von nebenan“ hat Gabay überzeugen können und mehrere Preise als bester Hauptdarsteller gewonnen. In „Das Schwein von Gaza“ zeigt er erneut sein Können. Die Rolle des ungeschickten Antihelden beherrscht er gut und verleiht dem Film hauptsächlich durch sein überzeugendes Mienenspiel eine liebevoll märchenhafte Note. Verstärkt wird diese Wirkung noch durch die äußerst poetische Bildsprache. Warme Pastelltöne tauchen die Geschichte in eine leicht traumartige Atmosphäre.

Der persönliche Hintergrund des Regisseurs bewahrt den Film davor, in gängige Rollenklischees zu verfallen. Estibal ist neben seiner Tätigkeit als Autor und Regisseur auch Fotojournalist und hat 2004 aus dem israelischen Hebron über die Ähnlichkeiten und Unterschiede einer palästinensischen und einer jüdischen Einwandererfamilie berichtet. So schlägt sich „Das Schwein von Gaza“ auch nie auf eine der beiden Seiten. Er zeigt nur Menschen mit ihren ganz persönlichen Sorgen und Nöten – und Lösungsansätzen.

(Sandra Grutza - biograph)

Neue Kinofilme

Das Drama – Noch mal auf Anfang