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Belfast

Belfast
Großbritannien 2021, Laufzeit: 99 Min., FSK 12
Regie: Kenneth Branagh
Darsteller: Caitriona Balfe, Judi Dench, Jamie Dornan
>> www.upig.de/micro/belfast

Als Bühnendarsteller in gefeierten Shakespeare-Inszenierungen ist Sir Kenneth Branagh Mitte der 1980er Jahre einem größeren Publikum bekannt geworden. Wenig später adaptierte er diese mit großem Erfolg als Filmregisseur. Nach einer langen Karriere zwischen Kino und Theater blickt er in „Belfast" auf bislang unbeleuchtete Kindheitserinnerungen zurück. Der Lockdown und ein Gefühl für die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft brachten Branagh dazu, den Nordirlandkonflikt im Jahr 1969 aus der Perspektive seines 9-jährigen Ichs zu erzählen. In poetischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen wird aus der Enge einer verbarrikadierten Straße im Arbeitermilieu der nordirischen Metropole ein strahlender Mikrokosmos.

Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf, lautet ein beliebtes Sprichwort. Für den 9-jährigen Buddy (Jude Hill) ist das die Lebensrealität, aus der er Kraft schöpft. Gemeinsam mit seinem großen Bruder und unzähligen Cousins und Cousinen lebt er in einer kleinen Gasse mitten im nordirischen Belfast. Die Kinder spielen ausgelassen in den Hinterhöfen, sie fühlen sich als Teil einer Nachbarschaft, die zusammenhält. An einem Sommertag geht jedoch ein jäher Riss durch die Gemeinde. Ein aufgebrachter Mob aus Protestanten greift die Häuser der in der Straße lebenden Katholiken mit Brandsätzen an. Für Buddy und seine Familie, die selbst Protestanten sind, bricht eine Welt zusammen. Die Nachbarschaft errichtet zum Schutz eine Barrikade am Eingang zur Straße und kontrolliert fortan jeden Passanten. Es dauert nicht lange, bis die Rädelsführer Buddys Vater (Jamie Dornan) auffordern, sich der Bewegung anzuschließen. Doch der hält überhaupt nichts von solchen identitären Reinheitsfantasien. Er hat genug damit zu tun, die Familie mit seinen Jobs in England über Wasser zu halten. Buddy vermisst den Vater, der oft die ganze Woche fort ist, jetzt umso mehr. Die Ungehaltenheit seiner Mutter über das lange Wegbleiben und die Schulden beunruhigen den kleinen Jungen zunehmend. Alles scheint auseinanderzubrechen, wären da nicht Grandma (Judi Dench) und der alte Pop (Ciarán Hinds) direkt nebenan, zu denen Buddy sich vor den verwirrenden Entwicklungen rettet. Und dann verliebt er sich auch noch in die rätselhafte Katherine, die in der Schule zwei Bänke vor ihm sitzt.
Kenneth Branagh gelingt mit seiner autobiografisch geprägten Geschichte eine Liebeserklärung an seinen Geburtsort Belfast. In den ersten Einstellungen zeigt er in beeindruckenden Luftaufnahmen die Stadt, wie sie heute aussieht, mit ihren vielen Gesichtern. Dann fährt die Kamera über eine Mauer aus der Zeit der „troubles" und gerät in einen Mikrokosmos aus poetischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die manchmal an Alfonso Cuaróns „Roma" erinnern. Branagh bleibt zwar stets in der Perspektive des lebhaften kleinen Jungen, aber es entsteht ein ganz ähnliches Gefühl von Nostalgie und Intimität. „Belfast" lebt von der liebevoll erzählten Familiengeschichte und ihrem Zerbrechen im Angesicht gesellschaftlicher Veränderungen. Mit einer gelungenen Mischung aus pointiertem Humor und Melancholie entwickelt Branagh ein ebenso atmosphärisches wie unterhaltsames Coming-of-Age Drama. In einer der schönsten Szenen des Films ergreift Buddys Vater auf einer Beerdigungsfeier das Mikrofon, um den Hit „Everlasting Love" für seine Frau zu singen, die ihren Ärger angesichts einer solchen Liebesbekundung schnell vergisst. Und auch der Soundtrack, der größtenteils von der Belfaster Legende Van Morrison stammt, trägt zum impliziten Plädoyer des Films bei: Dass es doch immer mehr gibt, was uns verbindet, als das, was uns voneinander trennt.

(Silvia Bahl)

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