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Ammonite

Ammonite
Großbritannien, Australien, USA 2020, Laufzeit: 118 Min., FSK 12
Regie: Francis Lee
Darsteller: Kate Winslet, Saoirse Ronan, Fiona Shaw
>> tobis.de/film/ammonite

Die Britin Mary Anning war eine Pionierin auf dem Gebiet der Paläontologie, und entdeckte 1811 als erste das Skelett eines Ichtyosaurus. Wissenschaftliche Anerkennung blieben ihr als alleinstehende Frau aus der Arbeiterklasse jedoch lange verwehrt. Ihre Begegnung mit der Geologin Charlotte Murchison nimmt Regisseur Francis Lee („God's Own Country") zum Anlass einer biographischen Fiktion und inszeniert zwischen ihnen eine komplexe Liebesgeschichte. Kate Winslet und Saoirse Ronan erschaffen in ihrem Zusammenspiel ein glühendes Zentrum inmitten eines kalten, verregneten Englands im Viktorianischen Zeitalter.

Eine Frau reinigt auf ihren Knien den Boden eines hochherrschaftlichen Museums. Plötzlich sind Schritte zu hören und die Kamera folgt dem entschlossenen Gang eines Mannes im Anzug, der, achtlos an ihr vorbei eilend, ein wertvolles Exponat trägt. Es ist das Skelett eines urzeitlichen Tieres; an seinem Behältnis ist ein handschriftlicher Zettel befestigt, auf dem ein weiblicher Name zu lesen ist. Kurzerhand wird dieser entsorgt und durch einen männlichen ersetzt. Francis Lee macht schon in der Auftaktszene sehr deutlich, welches feministische Anliegen „Ammonite" verfolgt. Ein Statement, das sich im Laufe des Films jedoch keineswegs holzschnittartig entwickelt und das Schicksal seiner Protagonistinnen differenziert entfaltet. Die Entdeckerin des rätselhaften Urzeittieres ist Mary Anning (Kate Winslet), die gemeinsam mit ihrer alternden Mutter an der rauen Küste des südenglischen Dorset lebt. Wortkarg und schroff speist sie die Touristen mit Plunder ab, die sie aus Muscheln und Steinen herstellt, um ihr Auskommen zu sichern. Ihre Leidenschaft aber gilt der Suche nach Ammoniten, einer lange ausgestorbenen Art von Kopffüsslern, deren versteinerte Schneckenhäuser von der See angespült werden. Eines Tages erscheint ein Ehepaar im Dorf, das nach Marys Unterstützung sucht: Robert Murchison ist ein passionierter Geologe, der versteht, wie relevant ihre Funde sind. Er bietet Mary eine hohe Summe, um von ihr das paläontologische Handwerk zu lernen, ein Angebot dem sie zögernd nachkommt. Als Murchison auf eine Expedition aufbrechen will, tritt er mit einer weiteren Bitte an Mary heran: Sie soll seine schwer depressive Ehefrau Charlotte (Saoirse Ronan) betreuen, während er sich ins Ausland begibt. Trübsinnig, zart und fragil wirkt diese in der kargen Landschaft wie ein schöner, aber verlorener Fremdkörper. Nach einem Bad im kalten Meer erkrankt Charlotte schwer und Mary muss Platz in ihrem Bett schaffen. Doch die unverhoffte Intimität zwischen den beiden bleibt nicht ohne Folgen.
Francis Lee gelingt es hervorragend das Motiv der Versteinerung von den urzeitlichen Fossilien auf die Beziehung seiner Protagonistinnen zu übertragen. Kate Winslet beeindruckt durch ihren Wandel von der spröden Einsiedlerin zur tief empfindenden Geliebten. Und auch Saoirse Ronan zeigt sich erneut in der Paraderolle einer unerwartet kraftvollen jungen Frau. Es ist weniger eine homophobe Gesellschaft, die hier als Problem erscheint, als die persönlichen Konflikte der Protagonistinnen. Das verleiht dem Film zusätzlich eine interessante psychologische Note. So wird angedeutet, dass Mary schon früher eine lesbische Beziehung beendet hat, weil sie sich nicht von ihrer dominanten Mutter ablösen konnte. Charlotte wiederum erweist sich als unerwartet besitzergreifend und will Mary vereinnahmen, ein Problem, das durch den Klassenunterschied zwischen den beiden ungleichen Frauen verstärkt wird. Lee gelingt es, die Liebesgeschichte ruhig und doch intensiv zu entfalten und kann sich dabei ganz auf die Stahlkraft seiner Darstellerinnen verlassen.

(Silvia Bahl)

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