
Alpha
Frankreich, Belgien 2025, Laufzeit: 128 Min., FSK 16
Regie: Julia Ducourna
Darsteller: Mélissa Boros, Tahar Rahim, Golshifteh Farahani
Fünf Jahre ist es her, dass Julia Ducournau mit TITANE gleichermaßen schockierte wie verzauberte und dafür in Cannes die Goldene Palme gewann. Ein Film, der den Body-Horror neu dachte und bis heute nachwirkt. Mit ihrem dritten Langfilm, erneut im Wettbewerb von Cannes, setzt sie diesen Weg fort.
Im Zentrum steht Alpha, dreizehn Jahre alt, gefangen in einer Realität, die ihr kaum Raum lässt, Kind zu sein. Das Leben um sie herum ist rau, geprägt von Unsicherheiten und einer Familie, die sich nicht sofort greifen lässt. Die Mutter, eine Ärztin, gespielt von Golshifteh Farahani (LOLITA LESEN IN TEHERAN), bleibt ebenso präsent wie schwer fassbar, während eine weitere Figur, Vater oder Onkel, lange in der Schwebe bleibt und von Abhängigkeit gezeichnet ist.
Gleichzeitig breitet sich eine rätselhafte Krankheit aus, die Körper zu etwas Marmorartigem erstarren lässt. Woher sie kommt, bleibt offen. Ducournau verlangt Aufmerksamkeit. In kühlen Tönen entfaltet sich eine Welt, die in stillen Momenten an eine düstere Version von THE WIZARD OF OZ erinnert, nur dass hier nichts abzuheben scheint. Zwischen Traum und Realität, mit Verweisen auf Edgar Allan Poe, bewegt sich ALPHA durch eine Umgebung, die ebenso klar inszeniert wie emotional aufgeladen ist.
Im Kontext einer neuen, feministisch geprägten Welle des französischen Kinos, entwickelt ALPHA daraus eine eigene, kraftvolle Stimme, von der ich immer gerne höre.