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Gerhard Hoehme, Fili scrivibili, Fensterbild 1965, Acryl, Bindfaden auf Leinwand und Holz, 157 x 198 cm, Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg im Breisgau
© Gerhard Hoehme, VG Bild-Kunst Bonn

Farbe als Materie im Raum

Gerhard Hoehme in der Akademie-Galerie

Gerhard Hoehme (1920-1989) war bei aller künstlerischen Kontinuität erfinderisch, und das weitgehend auf dem Feld der gegenstandsfreien Malerei. Seine Bilder sind kleinteilig, zeitweilig finden Schriftzeichen Eingang und strukturieren den Farbauftrag. Die Linie, die die Farbflächen umspielt und gliedert, ist be­­­­stim­­mendes Element. Die Oberfläche der Bilder scheint zu pulsieren, was auch mit dem organisierten All-Over zusammenhängt. In ihrem Hauptwerk lässt sich diese Malerei dem deutschen Informel zuordnen, aber da gibt es noch viel mehr, vor allem Eigenes.
Die Retrospektive in der Akademie-Galerie stellt die verschiedenen Phasen mit ihrem konzeptuellen Anteil chronologisch vor. Früh spielt für Hoehme, der aus Dessau stammte, bei dem Schriftenkünstler Herbert Post in Halle studierte und ab 1951 im Westen lebte, Paul Klee eine Rolle. Wichtig wird für ihn die Sicht auf die Erde – 1940-1945 war Gerhard Hoehme als Jagdflieger im Einsatz: „diese merkwürdige Distanz zu den Dingen, zur Erde, hat mich geprägt. Wenn man fliegt, ist sie sehr weit weg, dann sieht man sie sehr strukturiert“, berichtet er 1983 beim Symposion Informel, „da verliert sich ja die Perspektive, dann ist das also schon ein ganz anderes Raumerlebnis.“ Hinzu kommt die Landschaft in Italien, wo er, seit seinem Stipendiaten-Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom 1960, neben Düsseldorf seinen zweiten Lebensmittelpunkt findet. Hier entdeckt er das Lavagestein in seiner Farbigkeit und Körperlichkeit als weiteren Impetus. Die Sensibilität für das Plastische liegt schon davor vor. So zeigt die Ausstellung das expressiv vibrierende Reliefbild „die wüste“ (um 1958) aus der Reihe der „Borkenbilder“. Wenig später fügt Hoehme Schnüre in die Bilder ein, die sich wie Fühler aus der Fläche heraus tasten und schwingen – seine vielleicht wichtigste Erfindung.
Die Akademie-Galerie wendet sich nicht nur dem künstlerischen Werk zu, mit dem Hoehme bis heute hoch angesehen ist und bereits 1959 an der documenta teilnahm. Sie würdigt auch seine Beziehung zur Kunstakademie Düsseldorf. Hoehme hat hier ab 1951 studiert und selbst von 1960 bis 1984 als Professor für Malerei unterrichtet, und es stimmt, dass er zusammen mit K.O. Goetz und Beuys die Akademie zu ihrer avantgardistischen Vorreiterrolle geführt hat. Selbst war er Lehrer u.a. von Sigmar Polke, Chris Reinecke und Michael Kortländer, der jetzt sein Atelier dort hat, wo Hoehme zuvor lebte und arbeitete: auf Gut Selikum in Neuss, an der heutigen Gerhard-Hoehme-Allee.

Gerhard Hoehme – Retrospektive
bis 26. April in der Akademie-Galerie, Burgplatz 1, Mi-So 12-18 Uhr

TH

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